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Autor Thema: 08.08.2020: Erw. roBerge: Ein Tourenbericht ohne Ortsangaben  (Gelesen 225 mal)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Unser Ziel war einen “weißen Fleck“ zu erkunden und einer hahnenkamm-ähnlichen Felsformation nahe zu kommen, die bereits vom Tal aus sichtbar ist und unser Interesse geweckt hatte. Dazu ging es nach einigen Monaten wieder zu unseren „ausländischen“ Nachbarn in ein Gebiet, das eher dem erweiterten roBerge-Gebiet zuzuordnen ist. Grundlage war mitunter historisches Kartenmaterial, um diese einsame Ecke kennen zu lernen.

Der Aufbruch war eigentlich zu spät: Am Ausgangspunkt im Tal ist am späten Morgen der Parkplatz bereits überfüllt – sicher eine Folge von „Urlaub dahoam“ – und die Sonne entwickelt bereits ihre ungehinderte Kraft, als es auf einem alten Steig abseits aufwärts geht. Eine Almfläche wird erreicht, auf der einige Kälber wohl tagelang auf sich gestellt die Vegetation in Zaum halten. Einen kleinen Wasserlauf anzuzapfen wäre möglicherweise ungeschickt gewesen – doch wo Tiere sind, da gibt es mit Sicherheit auch vernünftiges Wasser. So lassen sich im oberen linken Bereich unsere Wasserflaschen an einem Trog mit kaltem frischen Quellwasser noch einmal vollständig auffüllen, denn ab jetzt wird es größtenteils trocken.

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Wenig später ist der weiterführende Pfad schnell gefunden, der mit dem Beginn der Latschenzone großzügig ausgeschnitten ist und mich etwas an einen kürzlich begangenen alten Viehtreibsteig (für Schafe und Ziegen) erinnert. Vor uns ist nun Berg X zu erkennen, eine Pfadgabelung wohl der mögliche Abzweiger für eine direkte Besteigungsmöglichkeit durch Latschen. Ein tourenvorbereitender Blick auf das Luftbild ließ vermuten, dass dieser Gipfel möglicherweise auch von hinten zu erklimmen sein könnte und so folgen wir erstmal dem kartenverzeichneten Steig weiter, der nun in der kühlen Schattenzone weiter in die Höhe führt. Dies war mit Sicherheit eine gute Entscheidung, denn damit zeigt sich uns der anvisierte Felsenkamm in seiner vollen Schönheit gegen den Himmel – sogar kleine Felsenfenster sind auszumachen.

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Eine gras- und latschenbewachsene Fläche mit rundherum faszinierenden Felsen und abwechslungsreichem Nah- und Fernblick wird um die Mittagszeit erreicht. Für die Gipfelbrotzeit wird nun die Besteigung des Berges X angegangen, doch wir kommen nicht weit, vor uns steilen sich die Felsen zu sehr auf. Eine Alternative finden wir nebenan mit dem Gipfel Y, dessen felsige Gipfelfläche ein kleiner Steinhaufen markiert (ohne Büchlein). Etwas unterhalb gibt es einen angenehm schattigen Rastplatz mit Ausblick in die roBerge.

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Ein markantes Pfeifen machte bereits auf die eigentlichen Bewohner dieser alpinen Ecke aufmerksam, doch größeres Steinepoltern lässt uns nun intensiver nachsehen: Am gegenüberliegenden Felshang flüchten dutzende Gämsen mit einigen Kitzen mit einer unglaublichen Trittsicherheit in das große Kar hinunter. Wir sind eigentlich zu weit entfernt, um als Ursache zu gelten – sollte hier außer uns noch jemand unterwegs sein? Außer einem Paraglider in großer Höhe ist nichts Auffälliges zu entdecken, doch bei dieser Gelegenheit können wir uns gleich einen Eindruck vom möglichen Weiterweg verschaffen – und dieser erscheint von unserem Standpunkt aus nicht besonders einfach – wenigstens sind die steinewerfenden „Ureinwohner“ dann unter uns…

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Es gibt keinerlei Markierungen, in vollständiger Eigenverantwortung gilt es aus der bergsteigerischen Erfahrung heraus das Gelände einzuschätzen und eine gangbare Route durch das anfangs verblockte Gelände zu finden. Von oben herab knallen noch zwei Steine in der Nähe auf – eine Mutter mit Kitz tritt erst jetzt den Rückzug an – dann steigen wir quasi durch das „Wohnzimmer der Gamsen“ hindurch und folgen etwa der Höhenlinie vorsichtig über zahlreiche Geröllfelder, einem Altschneefeld unten herum ausweichend. Mit dem Erreichen einer steilen Schrofenzone gelangen wir wieder „in die Zivilisation“, alte verkohlte Dosen vom letzten Sonnwend liegen herum, vorsichtig geht es durch dieses teilweise brüchige Gelände hinab auf einen markierten Steig – hier sind wir nicht mehr alleine.

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In der nahegelegenen Hütte würde es neben Bier auch viele (laute) Bergwanderer geben, auf beides können wir aktuell (noch) verzichten, deshalb geht es zügig auf dem normalen, gut gepflegten Hüttenweg hinab. Auf halben Weg spendet ein Brunnen herrlich erfrischendes kaltes Wasser – dann zurück am Auto wird ein kühles Weißbier auf einer Bank genossen. Wir sehen es durchaus als Privileg an, eine solche ursprüngliche Tour unternommen zu haben – es müssen gar nicht die benachbarten großen Gipfel sein.

roBerge.de

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« am: 09.08.2020, 18:55 »