Dummy

Autor Thema: Wasserwand-Ostgrat am 20.10.2019 (Chiemgauer Alpen)  (Gelesen 1789 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Bergautist

  • Cirsium palustre
  • roBergler
  • Beiträge: 506
    • Brombas Berge
Wer über die Heubergalmen zum Heuberg aufsteigt, zeigt sich immer wieder von der Wasserwand beeindruckt:



Wer schwindelfrei ist, kann dieses Felsmonument mit etwas Kraxelei über einen versicherten Steig erklimmen. Noch spannender ist allerdings der weglose Anstieg über den Ostgrat, der aber leider noch mehr Schwindelfreiheit mit Klettereien im II. Grad erfordert. Also taten sich heute wieder drei roBergler zusammen, dieses Abenteuer zu wagen. Zusammen mit almrausch und geroldh als "nichtkommerziellem" Bergführer startete die Tour in Duft mit dem letzten Rosenheimer Samerberg-Wanderfrühbus der Saison. geroldh kennt die Wasserwand wie kein anderer und hatte zur Sicherung ein Seil für die beiden "Novizen" eingepackt.

Bild 1: Wasserwand-Ostgrat von der anderen Seite mit dem Gratturm linkerhand
Bild 2: Von dieser Seite sieht der Gratturm unersteiglich aus, von der anderen Seite her reduziert es sich auf einfache Kraxelei.
Bild 3: Die Schlüsselstelle der Tour mit unserer hoffentlich richtig eingezeichneten Route besteht aus Schrofenkraxelei mit Graspolstern auf steilstem Untergrund über einem senkrechten Abbruch, Flughöhe mindestens 50 m! An dieser Stelle kletterte geroldh voraus und sicherte uns dann mit dem Seil.
Bild 4: Derweil zog unter uns die übliche Karawane hoch zum Heuberggipfel.
Bild 5: Das Gipfelkreuz ist bereits zu sehen. Die letzten Meter bis zum schon sichtbaren Gipfelkreuz waren geprägt von einem heftigen, aber warmen Föhnsturm, der aber immer wieder kleine Päuschen einlegte und so ein Herz für die Gratwanderer zeigte. Der Föhnsturm wird wohl auch der Grund gewesen sein, warum wir am Gipfel nur einen weiteren Wanderer antrafen.

Meine Schwierigkeitsbewertung: T5+ (im Internet wird T5 bis T6 gehandelt)

Hier noch ein Verweis auf eine genauere Beschreibung:

https://www.roberge.de/index.php?topic=7260.0

roBerge.de

  •  
    •  
Werbung
« am: 21.10.2019, 19:19 »

Offline Schrofenkraxler

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 65
Re.: Wasserwand-Ostgrat am 20.10.2019 (Chiemgauer Alpen)
« Antwort #1 am: 23.10.2019, 07:09 »
Schöne Tour! Gratulation! Bis auf das Schrofenstück (Schlüsselstelle) fast schon eine Genusswanderung. In jedem Fall sehr lohnend. Ich hab die Stelle mit T6- bewertet. T5+ passt aber auch.  Die Kraxelei habe ich hingegen mit I bzw. I+ bewertet.  Als richtigen "zweier" habe ich es nicht empfunden. Viele Grüße

Offline Bergautist

  • Cirsium palustre
  • roBergler
  • Beiträge: 506
    • Brombas Berge
Re.: Wasserwand-Ostgrat am 20.10.2019 (Chiemgauer Alpen)
« Antwort #2 am: 23.10.2019, 19:21 »
Die Kraxelei habe ich hingegen mit I bzw. I+ bewertet.  Als richtigen "zweier" habe ich es nicht empfunden. Viele Grüße
Das könnte eine spannende Diskussion ergeben! Ich selbst bin kein Kletterer, eine Praxis jenseits von UIAA II+ gibt es bei mir nicht. Trotzdem erwarte ich, dass die Definitionen, in diesem Fall UIAA-Kletterschwierigkeiten, für alle nachvollziehbar sind. Wikipedia sagt dazu:
Zitat
UIAA II:   Mäßige Schwierigkeiten. Hier beginnt die Kletterei, welche die Drei-Punkt-Haltung erforderlich macht.
Legt man die Betonung auf "erforderlich", ist sofort zu fragen, wann die Erforderlichkeit eintritt.

Das ist sicher bei Anfängern eher der Fall als bei Erfahrenen. Ich gehe aber davon aus, dass die Skala nicht von persönlichen Eigenschaften abhängen sollte. Und Erfahrene werden sicher bei mehr Luft unter dem Hintern nicht von "Gleichgewicht halten" (UIAA I) auf Dreipunkthaltung übergehen, nur weil es luftiger wird.

Somit bleibt für mich eigentlich nur ein Grund übrig: Dreipunkthaltung ist dann erforderlich, wenn das Risiko vom Gelände ausgeht, nicht von der Unerfahrenheit des Kletterers. Und das ist z.B. dann der Fall, wenn Tritte und Griffe unzuverlässig sind. Genau das würde ich der Schlüsselstelle zuschreiben. Und hier kommt dann vielleicht auch die "Luft" ins Spiel. Je wackliger die Tritte, desto weniger Luft kann man für eine gegebene UIAA-Stufe noch tolerieren. Wenn ich also nur einen Meter abstürzen kann wegen ausbrechender Tritte oder Griffe, was üblicherweise ohne Folgen bleibt, dann rechtfertigen wacklige Griffe und Tritte keinen UIAA II, weil die Erforderlichkeit (für die Drei-Punkt-Haltung) fehlt!

Ich hoffe, das war jetzt nicht zu kompliziert dargestellt. Mich würde aber brennend interessieren, ob es noch andere Meinungen mit sachlichen, "gefühllosen" Begründungen gibt.

Offline almrausch

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 401
  • Geschlecht: Weiblich
Re.: Wasserwand-Ostgrat am 20.10.2019 (Chiemgauer Alpen)
« Antwort #3 am: 23.10.2019, 20:15 »
https://www.alpenverein-muenchen-oberland.de/uploads/images/WwtA0V501yS16v7gAXmjEw/aw3_11_3_der-raetselhafte-ii.grad.pdf
Und noch
I
Mäßig steiles Felsgelände, jedoch kein Gehgelände mehr. Der Einsatz der Hände ist zur Fortbewegung nötig. Üppige Griffe und Tritte erleichtern den Aufstieg. Ungeübte müssen am Seil gesichert werden. Touren mit dem Zusatz + bewegen sich im oberen Bereich des Schwierigkeitsgrades.

II
Steiles Felsgelände mit nur kleinen Tritten und Griffen machen die Dreipunkthaltung nötig. Erfahrung im Fels obligatorisch. Seilsicherung nach eigenem Ermessen. Keine Tour für Ungeübte!

Somit eigenlich doch ein II, weil üppige Griffe und Tritte , nein , für Ungeübte ==> nein, einen Einser kann man locker auch mit Ungeübten machen, den Wasserwand-Ostgrad, nein !

Wir waren vor ca 4 Wochen gemeinsam am Blankenstein, dieser wird ja auch mit II bewertet, obwohl die obere Stelle oft auch mit III.  Die Schlüsselstelle an de Wasserwand Ost , ist technisch leichter als der Plankenstein, Hackenköpfe war ich auch vor kurzem, wird auch mit II bewertet, da kommt dann die Wasserwand gut mit
Almrausch

Offline geroldh

  • roBergler
  • Beiträge: 858
  • Geschlecht: Männlich
  • "Berg ist niemals Alltag"
    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Re.: Wasserwand-Ostgrat am 20.10.2019 (Chiemgauer Alpen)
« Antwort #4 am: 23.10.2019, 20:45 »
Ohne viel zu diskutieren – und unabhängig von der Ausgesetztheit, würde ich die "Schlüsselstelle" eindeutig(er) der UIAA II zuordnen.
Durch die Botanikauflage (Graspolster) könnte man hier zwar eher die SAC-Tourenskala bemühen ("T6–"),
aber auch bei reinem Fels ist die Steilheit des zu erkletternden Geländes so groß, dass ich dort nicht mehr mit "Hand-Unterstützung des Gleichgewichtes" (= UIAA I) unterwegs sein KANN, sondern eindeutig mit der "Drei-Punkt-Haltung".
Eigentlich in der UIAA-Skala nicht vorgesehen, könnte man dann auch eine "II–" gelten lassen, um diesen Übergangsbereich etwas zu unterteilen, so wie es auch im Kraxelbuch Felstouren im II. und III. Grad im Kapitel "Schwierigkeitsbewertung" angedeutet wird.
Entsprechend der dortigen Klassifizierung ist der WW-Ostgrat eindeutig eine "schwierige Bergtour" (= umfassende Alpinerfahrung erforderlich).

Offline Schrofenkraxler

  • *
  • roBergler
  • Beiträge: 65
Re.: Wasserwand-Ostgrat am 20.10.2019 (Chiemgauer Alpen)
« Antwort #5 am: 24.10.2019, 18:51 »
Ich möchte keinesfalls abstreiten, dass der Wasserwand Ostgrat ne anspruchsvolle Bergtour ist.  Natürlich.  Fand nur die Schlüsselstelle eher was das Restrisiko anbelangt anspruchsvoll. Typisches T6, für mich zumindest (Gibt aber durchaus noch heikles Gelände), weniger klettertechnisch schwierig. Aber gut, man kann durchaus einen IIer vergeben, da man beide Hände benötigt.  (Was für mich allerdings nicht automatisch ein IIer Gelände ist, für mich gibt es auch Ier Gelände,  wo man beide Hände benötigt,  da das Gelände dementsprechend heikel und absturzgefährdet ist.)