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Zauberhafter Chiemgau aus der Luft

Autor / Autoren:

»Förg / Schönmetzler«

Buchbild

Beschreibung:


Wie der Buchtitel „Zauberhafter Chiemgau aus der Luft“ schon vermuten lässt, hat sich Klaus G. Förg seiner Heimat aus einer außergewöhnlichen Perspektive genähert und die Schönheiten einer der beliebtesten Urlaubsregionen Deutschlands von oben im Bild festgehalten. Seine einzigartigen Fotografien schenken dem Leser dabei einen traumhaften Blick auf den Chiemgau. Vom Inn über den Chiemsee bis hin nach Wasserburg – auch aus der Vogelperspektive betrachtet ist diese Gegend ein ganz besonderes Erlebnis. Den gelungenen Bildband rundet der fundierte zweisprachige Text von Klaus J. Schönmetzler, den Kulturreferenten des Landkreises Rosenheim, ab.

Klaus G. Förg ist Verleger, freier Publizist und Moderator im privaten Hörfunk. Seine große Leidenschaft gilt aber auch der Fotografie. Er besitzt das Talent, im richtigen Moment abzudrücken und so für den Betrachter besondere Momente und Stimmungen einzufangen. Er ist bekannt für seine aussagekräftigen Fotografien und seine qualitativ hochwertigen Bildbände. Diese laden zu einer Entdeckungsreise zu den verschiedensten Plätzen auf der Welt ein.

Inhaltsverzeichnis:


Aus der Luft gegriffen - Im Flug über den Chiemgau
Der Chiemsee - Seine Inseln, seine Orte
Den Inn entlang - Zwischen rosenheim und Wasserburg
Das Seenland - Zwischen Inn und Alz
Zwischen Traun und Alz - Unterwegs im Traunsteiner Land
Chiemgauer Alpen - Vom Zauebr der Berge

Aus dem Inhalt:

Boote dicht an dicht – Seebruck präsentiert sich als einer der größten Segelhäfen Bayerns.<br />
Skifahrerlegende und Wanderparadies: die Winklmoosalm

Boote dicht an dicht – Seebruck präsentiert sich als einer der größten Segelhäfen Bayerns.
Skifahrerlegende und Wanderparadies: die Winklmoosalm

Foto:  Per Seilbahn zu einem der schönsten Aussichtspunkte der Chiemgauer Alpen: Ein Ausflug zum Hochfelln lohnt immer.<br />
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Es mag eine Binsenweisheit sein: Doch so, wie erst der Zusammenklang von Inhalt, Melodie und Versmaß Poesie erzeugt, so liegt die Einzigartigkeit des Chiemgaus im idealen Dialog zwischen den Rhythmen des Sees und der Kontur der Bayerischen Alpen. Vom Schiff aus präsentiert sich diese Harmonie als fast bruchloser Übergang von den Chiemseewellen zu den Schwingungen und Symmetrien eines Panoramas, das von den Salzburger Alpen über Teisenberg, Hochfelln, Hochgern, Kampenwand, Samerberg und Hochries zum Wendelstein und weiter reicht. Die Berge wiederum bieten mit jedem Höhenmeter neue Ausblicke auf die Formungen des Sees und seiner Landschaft.<br />
Für den Blick des Malers machen diese Gaben den Chiemgau zur unerschöpflichen Inspirationsquelle: Tatsächlich ist das Land am See eine der künstlerreichsten Regionen Deutschlands. Für den Naturfreund hingegen machen sie ihn zu einem der perfekten Urlaubs- und Sportgebiete Europas. Ob Segler, Wanderer, Nordic Walker, Tourenradler, Mountainbiker oder Skifahrer – die Region bietet fast jedem Freizeitbedürfnis Optimalbedingungen. Für professionellen Wintersport steht dabei vor allem ein Name: Inzell. 1959 wurde es zum offiziellen Zentrum des deutschen Eisschnelllaufsports. 1965 entstand die 400 Meter lange Kunsteisbahn. rechtzeitig zur Weltmeisterschaft 2011 wurde nun die Max Aicher Arena als modernste Eisschnelllaufhalle des Planeten fertiggestellt: ein außen wie innen gleich spektakuläres Bauwerk mit 10 000 Plätzen, das auch kulturellen Großveranstaltungen dient – eine gewaltige Herausforderung für ein Dorf von nicht einmal fünftausend Seelen, das bis ins 18. Jahrhundert mühsam vom Bergbau lebte.<br />
Auch das benachbarte Ruhpolding zehrte ursprünglich von der Erzgewinnung. Zwar gab es bereits in den 1930er-Jahren Pläne für eine grundlegende Neuorientierung. Doch seinen massentouristischen Aufschwung erlebte der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg, als die »Touropa« ihn zum Hauptziel ihrer Pauschalangebote machte. Bis zu 450 000 Gäste pro Jahr karrte das Reiseunternehmen mit Sonderzügen nach Ruhpolding und verwandelte es damit zum Zerrbild eines sinnentleerten, DIN-genormten Bayerntourismus (die norddeutsche Verfremdung des urbayerischen Namens »Rúapading« zu »Ruhpóllding « wurde damals zum geflügelten Witzwort).Inzwischen ist die Einförmigkeit der Nachkriegsära längst einem hoch differenzierten touristischen Angebot gewichen. Vor allem aber profilierte sich der Ort mit zwei der bekanntesten Sportstätten der Republik: dem Biathlon-Leistungszentrum mit der Chiemgau-Arena als zweitgrößtem Biathlonstadion Deutschlands und regelmäßigem Austragungsort des Weltcups; dazu mit der Großen Zirmbergschanze als Weltcup-Treff der Nordischen Kombinierer. Geprägt wird das Ortspanorama durch die weithin sichtbar auf einem Hügel erbaute Barockkirche St. Georg. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das Holzknechtmuseum und der große Freizeitpark mit seinen Fantasie- und Märchenmotiven.<br />
Der Hausberg des Traunsteiner Landes ist der 1674 Meter aufragende Hochfelln. Dank einer von dem Ort Bergen aus zum Gipfel führenden Seilbahn ist er auch für Wandermuffel mühelos zu erreichen. Ein regionales Sprichwort bringt dies auf den Punkt: »Der Felln geht oiwei«. Nicht minder sprichwörtlich ist die »Aussichtsplattform« des Chiemgaus für ihre Fernsicht, die an klaren Tagen von Rosenheim über den Chiemsee bis nach Inzell reicht und im Süden einen traumhaften Blick über das Alpenpanorama vom Dachstein und Watzmann über den Großvenediger bis zum Kaisergebirge und Karwendel gewährt. Das Hochfellnhaus genießt zudem den Ruf als höchstgelegene Gastwirtschaft im Chiemgau.<br />
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<b>Das Dreiseengebiet</b><br />
Der südlich davon gelegene, 1693 Meter hohe Gurnwandkopf ist nur für trainierte Bergwanderer erreichbar. Dafür erstreckt sich im Talkessel zu seinen Füßen eine der reizvollsten Seenlandschaften der ganzen Region: das Dreiseengebiet mit Weitsee, Mittersee und Lödensee. Obwohl die Deutsche Alpenstraße unmittelbar am Ufer der Gewässer entlangführt, blieb es – auch dank des 100 Quadratkilometer umfassenden Naturschutzgebiets »Östliche Chiemgauer Alpen« – vom Kommerz so gut wie unberührt. Ursprünglich handelte es sich um einen einzigen lang gestreckten Bergsee. Die fortschreitende Verlandung machte drei Seen daraus, wobei inzwischen auch das Westende des Weitsees durch eine Halbinsel und mehrere Inseln weitgehend abgeschnürt ist. Die Badebedingungen aber sind gerade deshalb optimal. Denn die maximale Tiefe liegt bei kaum zehn Metern (im Schnitt 3,5 Meter). Und die Wasserzufuhr durch Schneeschmelze und Regen garantiert Trinkwasserqualität. Drei Kilometer südlich des Weitsees liegt eines der sprichwörtlich bekanntesten Skigebiete Bayerns: die Winklmoosalm als Heimatort von Rosi Mittermaier. Spätestens seit deren dreifachem Olympia-Triumph im Jahr 1976 wurde die Alm mit der Traunsteiner Skihütte des Alpenvereins sowie der pittoresken Kapelle Mariä Himmelfahrt zum Synonym für familienfreundlichen Wintersport. Aber die Winklmoosalm kann auch im Sommer begeistern: als Wandergebiet mit Blick auf die Loferer Steinberge, als Trainingsraum für Mountainbiker und als Areal der ersten deutschen »Nordic Walking High Area«. Seit Fertigstellung der Gondelbahn von Seegatterl im Jahr 2009 ist die Alm zudem bequemer als je erreichbar.<br />
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<b>Im Tal der Tiroler Achen</b><br />
Im Westen werden Hochfelln und Hochgern flankiert vom Tal der Tiroler Achen mit den Hauptorten Grassau, Marquartstein und Unterwössen. Grassau und sein Nachbar Staudach-Egerndach haben sich dabei zum touristisch-kulturellen Zentrum des Tals entwickelt, mit einem breit gefächerten Veranstaltungsangebot bis hin zum »Hausensemble« der europaweit gefeierten Grassauer Blechbläser. Sehenswert sind neben der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt vor allem zwei zu Museen ausgebaute Stätten regionaler Wirtschaftsgeschichte: das Salinen- und Moormuseum Klaushäusl sowie das Bayerische Moor- und Torfmuseum am Rande des Naturschutzgebiets Kendlmühlfilzen mit seinem Industriedenkmal Torfbahnhof. Das Ortsbild Marquartsteins ist ungewöhnlich, denn das 2 300 Seelen große Dorf wird längs geteilt durch die Tiroler Achen. Nur eine zentrale Brücke stellt die Verbindung her. Die Osthälfte ist dabei dominiert von der um 1075 errichteten Burg, die – auf einem bewaldeten Felsgrat gelegen – ihr mittelalterliches Erscheinungsbild bis heute wuchtig wahrt, während sich Pfarrkirche und Rathaus im ausgedehnten Westteil des Ortes befinden. Ein Zipfelchen musikalischer Unsterblichkeit erlangte Marquartstein durch Richard Strauss, in dessen hiesigem Sommerhaus Meisteropern wie »Salome« und »Elektra« entstanden. Heute lebt der Ort dank der frisch modernisierten Hochplattenbahn vor allem vom Wander- und Wintersport – dazu von dem bei Kindern und Erwachsenen gleich beliebten Märchen-Erlebnispark. Unterwössen besteht aus drei klar geschiedenen Ortsteilen: Hinterwössen, Oberwössen und Unterwössen. Der Hauptort liegt unmittelbar an der Tiroler Achen, während sich die beiden Namenspartner in einem Seitental verstecken. Scherbenfunde im Bereich der Ruine Rettenburg lassen auf eine Besiedelung in frühgeschichtlichen Zeiten schließen. Heute profitiert die Gemeinde wie ihre Nachbarn von einem breiten Sport- und Freizeitangebot, wobei sich besonders die Deutsche Alpensegelflugschule markant abhebt. Weiterhin lohnend: ein Ausflug ins nahe Schleching zur Streichenkapelle mit ihren herrlichen gotischen Fresken.

Foto: Per Seilbahn zu einem der schönsten Aussichtspunkte der Chiemgauer Alpen: Ein Ausflug zum Hochfelln lohnt immer.

Es mag eine Binsenweisheit sein: Doch so, wie erst der Zusammenklang von Inhalt, Melodie und Versmaß Poesie erzeugt, so liegt die Einzigartigkeit des Chiemgaus im idealen Dialog zwischen den Rhythmen des Sees und der Kontur der Bayerischen Alpen. Vom Schiff aus präsentiert sich diese Harmonie als fast bruchloser Übergang von den Chiemseewellen zu den Schwingungen und Symmetrien eines Panoramas, das von den Salzburger Alpen über Teisenberg, Hochfelln, Hochgern, Kampenwand, Samerberg und Hochries zum Wendelstein und weiter reicht. Die Berge wiederum bieten mit jedem Höhenmeter neue Ausblicke auf die Formungen des Sees und seiner Landschaft.
Für den Blick des Malers machen diese Gaben den Chiemgau zur unerschöpflichen Inspirationsquelle: Tatsächlich ist das Land am See eine der künstlerreichsten Regionen Deutschlands. Für den Naturfreund hingegen machen sie ihn zu einem der perfekten Urlaubs- und Sportgebiete Europas. Ob Segler, Wanderer, Nordic Walker, Tourenradler, Mountainbiker oder Skifahrer – die Region bietet fast jedem Freizeitbedürfnis Optimalbedingungen. Für professionellen Wintersport steht dabei vor allem ein Name: Inzell. 1959 wurde es zum offiziellen Zentrum des deutschen Eisschnelllaufsports. 1965 entstand die 400 Meter lange Kunsteisbahn. rechtzeitig zur Weltmeisterschaft 2011 wurde nun die Max Aicher Arena als modernste Eisschnelllaufhalle des Planeten fertiggestellt: ein außen wie innen gleich spektakuläres Bauwerk mit 10 000 Plätzen, das auch kulturellen Großveranstaltungen dient – eine gewaltige Herausforderung für ein Dorf von nicht einmal fünftausend Seelen, das bis ins 18. Jahrhundert mühsam vom Bergbau lebte.
Auch das benachbarte Ruhpolding zehrte ursprünglich von der Erzgewinnung. Zwar gab es bereits in den 1930er-Jahren Pläne für eine grundlegende Neuorientierung. Doch seinen massentouristischen Aufschwung erlebte der Ort nach dem Zweiten Weltkrieg, als die »Touropa« ihn zum Hauptziel ihrer Pauschalangebote machte. Bis zu 450 000 Gäste pro Jahr karrte das Reiseunternehmen mit Sonderzügen nach Ruhpolding und verwandelte es damit zum Zerrbild eines sinnentleerten, DIN-genormten Bayerntourismus (die norddeutsche Verfremdung des urbayerischen Namens »Rúapading« zu »Ruhpóllding « wurde damals zum geflügelten Witzwort).Inzwischen ist die Einförmigkeit der Nachkriegsära längst einem hoch differenzierten touristischen Angebot gewichen. Vor allem aber profilierte sich der Ort mit zwei der bekanntesten Sportstätten der Republik: dem Biathlon-Leistungszentrum mit der Chiemgau-Arena als zweitgrößtem Biathlonstadion Deutschlands und regelmäßigem Austragungsort des Weltcups; dazu mit der Großen Zirmbergschanze als Weltcup-Treff der Nordischen Kombinierer. Geprägt wird das Ortspanorama durch die weithin sichtbar auf einem Hügel erbaute Barockkirche St. Georg. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen das Holzknechtmuseum und der große Freizeitpark mit seinen Fantasie- und Märchenmotiven.
Der Hausberg des Traunsteiner Landes ist der 1674 Meter aufragende Hochfelln. Dank einer von dem Ort Bergen aus zum Gipfel führenden Seilbahn ist er auch für Wandermuffel mühelos zu erreichen. Ein regionales Sprichwort bringt dies auf den Punkt: »Der Felln geht oiwei«. Nicht minder sprichwörtlich ist die »Aussichtsplattform« des Chiemgaus für ihre Fernsicht, die an klaren Tagen von Rosenheim über den Chiemsee bis nach Inzell reicht und im Süden einen traumhaften Blick über das Alpenpanorama vom Dachstein und Watzmann über den Großvenediger bis zum Kaisergebirge und Karwendel gewährt. Das Hochfellnhaus genießt zudem den Ruf als höchstgelegene Gastwirtschaft im Chiemgau.

Das Dreiseengebiet
Der südlich davon gelegene, 1693 Meter hohe Gurnwandkopf ist nur für trainierte Bergwanderer erreichbar. Dafür erstreckt sich im Talkessel zu seinen Füßen eine der reizvollsten Seenlandschaften der ganzen Region: das Dreiseengebiet mit Weitsee, Mittersee und Lödensee. Obwohl die Deutsche Alpenstraße unmittelbar am Ufer der Gewässer entlangführt, blieb es – auch dank des 100 Quadratkilometer umfassenden Naturschutzgebiets »Östliche Chiemgauer Alpen« – vom Kommerz so gut wie unberührt. Ursprünglich handelte es sich um einen einzigen lang gestreckten Bergsee. Die fortschreitende Verlandung machte drei Seen daraus, wobei inzwischen auch das Westende des Weitsees durch eine Halbinsel und mehrere Inseln weitgehend abgeschnürt ist. Die Badebedingungen aber sind gerade deshalb optimal. Denn die maximale Tiefe liegt bei kaum zehn Metern (im Schnitt 3,5 Meter). Und die Wasserzufuhr durch Schneeschmelze und Regen garantiert Trinkwasserqualität. Drei Kilometer südlich des Weitsees liegt eines der sprichwörtlich bekanntesten Skigebiete Bayerns: die Winklmoosalm als Heimatort von Rosi Mittermaier. Spätestens seit deren dreifachem Olympia-Triumph im Jahr 1976 wurde die Alm mit der Traunsteiner Skihütte des Alpenvereins sowie der pittoresken Kapelle Mariä Himmelfahrt zum Synonym für familienfreundlichen Wintersport. Aber die Winklmoosalm kann auch im Sommer begeistern: als Wandergebiet mit Blick auf die Loferer Steinberge, als Trainingsraum für Mountainbiker und als Areal der ersten deutschen »Nordic Walking High Area«. Seit Fertigstellung der Gondelbahn von Seegatterl im Jahr 2009 ist die Alm zudem bequemer als je erreichbar.

Im Tal der Tiroler Achen
Im Westen werden Hochfelln und Hochgern flankiert vom Tal der Tiroler Achen mit den Hauptorten Grassau, Marquartstein und Unterwössen. Grassau und sein Nachbar Staudach-Egerndach haben sich dabei zum touristisch-kulturellen Zentrum des Tals entwickelt, mit einem breit gefächerten Veranstaltungsangebot bis hin zum »Hausensemble« der europaweit gefeierten Grassauer Blechbläser. Sehenswert sind neben der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt vor allem zwei zu Museen ausgebaute Stätten regionaler Wirtschaftsgeschichte: das Salinen- und Moormuseum Klaushäusl sowie das Bayerische Moor- und Torfmuseum am Rande des Naturschutzgebiets Kendlmühlfilzen mit seinem Industriedenkmal Torfbahnhof. Das Ortsbild Marquartsteins ist ungewöhnlich, denn das 2 300 Seelen große Dorf wird längs geteilt durch die Tiroler Achen. Nur eine zentrale Brücke stellt die Verbindung her. Die Osthälfte ist dabei dominiert von der um 1075 errichteten Burg, die – auf einem bewaldeten Felsgrat gelegen – ihr mittelalterliches Erscheinungsbild bis heute wuchtig wahrt, während sich Pfarrkirche und Rathaus im ausgedehnten Westteil des Ortes befinden. Ein Zipfelchen musikalischer Unsterblichkeit erlangte Marquartstein durch Richard Strauss, in dessen hiesigem Sommerhaus Meisteropern wie »Salome« und »Elektra« entstanden. Heute lebt der Ort dank der frisch modernisierten Hochplattenbahn vor allem vom Wander- und Wintersport – dazu von dem bei Kindern und Erwachsenen gleich beliebten Märchen-Erlebnispark. Unterwössen besteht aus drei klar geschiedenen Ortsteilen: Hinterwössen, Oberwössen und Unterwössen. Der Hauptort liegt unmittelbar an der Tiroler Achen, während sich die beiden Namenspartner in einem Seitental verstecken. Scherbenfunde im Bereich der Ruine Rettenburg lassen auf eine Besiedelung in frühgeschichtlichen Zeiten schließen. Heute profitiert die Gemeinde wie ihre Nachbarn von einem breiten Sport- und Freizeitangebot, wobei sich besonders die Deutsche Alpensegelflugschule markant abhebt. Weiterhin lohnend: ein Ausflug ins nahe Schleching zur Streichenkapelle mit ihren herrlichen gotischen Fresken.

Das Vorwort

Aus der Luft gegriffen
Im Flug über den Chiemgau


Einfach die Flügel ausbreiten und fliegen! Kaum eine Landschaft Bayerns lässt den alten Traum verlockender erscheinen als der Chiemgau. Hinschweben über Inn und Samerberg, die Kampenwand, den Chiemsee mit seinen Inseln, das Traunsteiner Land, die Seenplatten, Amerang und Wasserburg. Den unbegrenzten Blick genießen über eine der schönsten Regionen Mitteleuropas. Dem regulären Flugreisenden erschließt sich davon leider wenig. Schon der Start vom Münchner Airport bietet kaum Erhebendes: im besten Fall die brettgerade Ebene rund ums Erdinger Moos. Und wenn die Maschine endlich in Richtung Süden einschwenkt, verschwindet aller Charme des Voralpenlandes wolkenfern im Nirgendwo. Bergwanderer haben es da besser. Aber auch ihre Perspektive bleibt bei allem Zauber begrenzt auf den Blick ins Tal, über den Chiemsee und sein Hügelland hinaus in Richtung München. Und die sichtbaren Orte – Rosenheim, Bernau, Prien – sind wenig mehr als ferne Häuserballungen mit einem Kirchturm in der Mitte.
So wählte Klaus G. Förg für dieses Buch ein Fluggerät, das unserem Traum vom Fliegen sehr nahe kommt: das Ultraleichtflugzeug. Mit ihm ließ sich verwirklichen, was die Sprache »Vogelperspektive « nennt. Den Ausblick, wie ihn auch ein Bussard oder Sperber hätte – mal weit oben in der Höhe kreisend, mal ganz dicht im Gleitflug über Felder, Wälder, Seen und Gehöfte hin. Ein wenig vom Glück dieser Entgrenzung lässt der vorliegende Bildband ahnen. Dennoch ist es kein beschönigender Blick, den er gewährt. Die Perspektive aus der Luft enthüllt nicht nur den Zauber der Natur, die klar gefügte Harmonie historischer Ensembles und gewachsener Strukturen. Sie enthüllt auch – zum Glück nicht allzu häufig – manche Bausünde der vergangenen Jahrzehnte, manches Vergehen wider den Geist der Landschaft. Einen solchen Geist gibt es nämlich, und man muss dazu durchaus nicht die Metaphysik bemühen. Der Chiemgau ist seit Jahrtausenden eine Kulturlandschaft, von Menschen bebaut und gestaltet. Die Bauernhöfe auf den Höhenrücken, die gedrängten Dörfer, die Städte entlang der Flüsse, die Felder und Almen entstanden niemals planlos, sondern in bewusstem Zusammenspiel mit der Natur. Und dass dieser Einklang hier weit besser als in mancher anderen Region gelang, ist ein gefährdetes Glück und zugleich ein Verdienst.

Was ist der Chiemgau?

Aber was ist eigentlich der Chiemgau? Darüber führen Historiker und Volkskundler mit den Touristikern eine unendliche Debatte. Denn mancher Journalist und Reiseveranstalter schlägt in souveräner Ignoranz das komplette Voralpenland vom Tegernsee bis Freilassing der Erfolgsmarke »Chiemgau « zu – was für das Selbstbewusstsein der Betroffenen eine schlimmere Kränkung darstellt, als würde man die Mainzer in Frankfurt eingemeinden (wer auf der Karte nachsieht, kann sich überzeugen: es handelt sich um fast die nämliche Distanz wie zwischen Gmund und Prien). Eine verlässliche Definition scheint dennoch nicht ganz einfach. Allein im Westen ist die Grenze seit Jahrtausenden eindeutig gesetzt. Bereits die Römer zogen entlang des Inns die Verwaltungslinie zwischen ihren Provinzen Rätien und Noricum und folgten damit einer ungleich älteren Demarkation zweier Volkszugehörigkeiten. Siebenhundert Jahre später, zur Zeit von Bayerns Stammesherzogtum der Agilolfinger, entstand dann der heutige Begriff. Links des Inns erstreckte sich, dem Bistum Freising zugehörig, der Sundergau; rechts hingegen, unter der geistlichen Hoheit des Bistums Salzburg, lag der Chiemgau. Der Legende nach ist er benannt nach dem Gaugrafen Chiemo (eine bairisch raue Variante des Namens Heimo), der im 7. Jahrhundert seinen Sitz in Chieming gründete und damit Land und See den Namen gab.
Auch im Süden gibt es wenig Zweifel. Hier trennt – fast unverändert seit dem Wiener Kongress von 1815 – die Staatsgrenze den Chiemgau von Tirol. Erheblich schwieriger erscheint die Klärung des Begriffs in den verbleibenden zwei Himmelsrichtungen.Hier muss man den Brunnen der Vergangenheit recht tief ausloten, um zu halbwegs schlüssigen Ergebnissen zu kommen. Denn im frühen Mittelalter stand ein riesiges Gebiet von Brixen bis Altötting und vom Inn bis zum Mondsee unter dem Einfluss Salzburgs. Entsprechend unscharf gestalteten sich die Grenzen. So liefert die einzige verlässliche Handhabe ein Besitzstandsverzeichnis, das der Salzburger Bischof Arn um 790 nach dem Sturz des letzten bayerischen Stammesherzogs Tassilo III. in aller Eile zusammenstellen ließ, um die verbrieften Liegenschaften seines Bistums gegenüber dem neuen fränkischen Machthaber Karl dem Großen zu dokumentieren. Diesem Verzeichnis, dem »Indiculus Arnonis«, gebührt Ruhm als einem der ältesten Katasterbücher der Weltgeschichte. Zugleich jedoch bezeichnet es genau, welche der Kirchengüter Bischof Arn damals dem Chiemgau zuschlug: ein scharf umgrenztes Areal, das sich im Osten bis zur Weißen Traun sowie zum Waginger See erstreckte und von dort in gerader Linie
hinüber nach Seebruck reichte.
Die bayerische Gebietsreform von 1972 schrieb einen erweiterten Umriss dieses Territoriums in Gestalt der neuen Landkreisgrenzen fest. Sodass man, ohne allzu sträflich fehlzugehen, den Chiemgau heute als den östlichen Landkreis Rosenheim sowie den kompletten Landkreis Traunstein umschreiben könnte. Wobei sich die historische Verzahnung beider Räume unter anderem dadurch äußert, dass die Chiemsee-Inseln dem
Landkreis Rosenheim, die umgebenden Gewässer jedoch dem Landkreis Traunstein zugehören.

Der Blick von oben

Ein Flug über den Chiemgau, wie das vorliegende Buch ihn unternimmt, eröffnet allerdings noch eine weitere – und vielleicht die schönste Deutung: nämlich die des Geologen. Rund um den See erstreckt sich eine harmonisch geformte Hügellandschaft, deren Höhenzüge in fünf konzentrischen Halbkreisen die Ufer einrahmen. Es sind die Endmoränen des einstigen Chiemseegletschers, der zusammen mit dem Priengletscher, dem Inngletscher und der am Heuberg abgespaltenen Gammernwald-Transfluenz vor 25 000 Jahren die Landschaft des Chiemgaus formte. Schaut man von Norden über den See hinweg auf die Alpenkette, erschließt sich die Urkraft dieser Naturgewalten auf den ersten Blick: Der Querriegel des Gebirges ist durchbrochen von drei kilometerweiten, Hunderte von Metern tiefen Mulden. Es sind die Gletschertäler des Inns, der Prien und der Tiroler Achen, die sich wie gigantische Tore in Richtung Süden öffnen. Und die landschaftliche Fülle des Chiemgaus mit all seinen Seen, Flüssen, Hügelzügen, Felskegeln und Mooren verdankt sich der gestalterischen Energie des Eises. Der Blick von oben entfaltet den ganzen Reichtum dieses Panoramas: die rhythmischen Akzente der drei Chiemsee-Inseln in der Wasserfläche. Die exotisch anmutende Urlandschaft des Mündungsdeltas der Tiroler Achen. Das Labyrinth der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Das im lang gestreckten Umriss des Simssees noch immer erkennbare Strömungsbett eines vorzeitlichen Flusslaufs. Die Weite der Inn-Ebene zwischen Rott und Raubling als Becken des längst verschwundenen Rosenheimer Sees. Die vom Gletscher in synchroner Schrägung geformten Hänge zwischen Heuberg und Kranzhorn. Die in musikalischem Ebenmaß ausschwingenden Mäander des Inns bei Wasserburg. Zugleich eröffnet sich von oben ein ungewohnter Blick ins Detail. Die zahllosen Baudenkmäler des Chiemgaus sind dem Besucher
ja in aller Regel nur von ihren Schauseiten zur ebenen Erde bekannt. Die Erbauer dagegen dachten zugleich in ausgefeilten Grundriss-Symmetrien. Erst aus der Luft kommt diese Qualität der Architektur zum Tragen. So erschließt sich die Organisation und Meisterschaft der mittelalterlichen Stadtbaukunst in Wasserburg am besten aus der Vogelperspektive: als subtiles Wechselspiel von Kreisformen und Schachbrettrastern,
gegen das sich die Reißbrett-Ästhetik manches modernen Stadtplaners wie fantasieloses Gestümper ausnimmt. Auch der Rosenheimer Max-Josefs-Platz oder der Traunsteiner Stadtplatz verdanken ihre Stimmigkeit und Weite der Gabe wittelsbachischer Baumeister, die Funktionalität eines Marktforums dadurch zu überhöhen, dass seine Fassaden einer sanft konkaven Schwingung folgen. Für Passanten ist das eine kaum wahrgenommene Selbstverständlichkeit. Von oben gesehen bietet es erhellende Erkenntnis-Augenblicke. Auch Klosteranlagen wie jene von Herren- und Frauenchiemsee, Seeon, Attel, Rott oder Baumburg zeugen trotz mancher Eingriffe der Säkularisation vom immensen Können der alten Architekten – und noch mehr von ihrer Fähigkeit, in Rhythmen der Natur zu denken, ihre Bauwerke als Steigerung der umgebenden Landschaft zu gestalten. Was endlich wären Schloss und Park von Herrenchiemsee ohne die umfassende Symmetrie und Formung aller Details, deren Perfektion sich erst aus der Luft gänzlich erschließt? König Ludwig II. konnte diesen krönenden Blick von oben anhand der Grundrisspläne nur ahnen. Für das Auge der Kamera wird er zur Wirklichkeit. Und es spricht für die schöpferische Fantasie des bayerischen Monarchen, dass er am Alpsee eine spektakuläre Mischung aus Fesselballon und Seilbahn plante, um sich seinen Traum vom Fliegen zu verwirklichen.

Der Leser und Betrachter unseres Buches ist eingeladen, diesen Traum ein wenig mitzuträumen; mit dem Fotografen eine Luft- und Lustreise anzutreten, die zugleich zur Zeitreise werden könnte. Denn ein Flug über den Chiemgau ist auch ein Flug über ganze Kapitel Erd-, Zivilisations- und Kulturgeschichte. Wenige andere Landschaften bieten eine vergleichbar vollkommene Synergie von Raum und Zeit, wenige gewähren mehr Gelegenheit, das Gestern zu genießen, um im Heute anzukommen. Denn auch dies ist der Chiemgau: eine weltberühmte Sportregion. Ein international renommierter Wirtschaftsstandort inmitten eines intakten bäuerlichen Umfelds. Eine Zone städtischen Komforts ohne die Mängel ungezügelter Verstädterung. Ein Vorreiter im Natur- und Umweltschutz, in der Nutzung erneuerbarer Energien, im ökologischen Landbau und in dessen regionaler Vermarktung. Vor allem aber ist er ein Kultur- und Festspielstandort, der deutschlandweit fast ohne Vergleich ist. Zwei Landkreise stemmen hier bei marginaler Subventionierung eine Veranstaltungsfülle vom Opern- bis zum Reggae-Festival, vom Theatertreffen bis zum Ritterspiel: ein Angebot, dessen Qualität, Vielfalt und Umfang manchem Bundesland zur Ehre gereichen könnte. Die Menge hat zudem nichts aufgesetzt Beliebiges, sondern erwächst aus einer tradierten Kultur der Musik- und Theaterleidenschaft, aus dem fast unerschöpflichen Reservoir von Volksbühnen, Chören, Musikvereinen, Trachtengruppen, Bands und Blaskapellen.

Wenn heute Menschen rund um den Globus beim Wort Deutschland zuerst an Bayern denken, ist der Chiemgau daran wahrlich nicht unbeteiligt. Das alles lässt sich im Buch kaum zeigen, es ist im besten Sinn zu bodenverhaftet für den distanzierten Blick von oben. Aber es ist doch ein entscheidender Teil des Ganzen: jenes Flair, das einen Chiemgau-Bildband wie von selber über eine bloße Fotodokumentation hinausträgt; nicht im Materiellen greifbar und doch Bild für Bild allgegenwärtig – im Karree der Felder, in den Sehenswürdigkeiten, Wohn- und Lebensräumen und den Freizeitflächen, oft nur ahnbar und trotzdem zum Fassen nah. Kurzum: im Fliegen aus der Luft gegriffen.

Weiterführende Links:

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