Bei der Käsalm

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Großer Ahornboden

»Goldgelbe Melkerdatteln«


Ich kenne einen Talboden, da blühen der Reihe nach: Krokusse, Schlüsselblumen (Hohe Waldprimel), Trollblumen und dann zugleich Schusternagerln (Frühlingsenzian), Enzian und Primeln. Jedes Jahr geht es mir gleich, denn ich bin mir nie sicher, welcher Schmuck ihm am besten steht.

Der Krokus meldet sich als erster, sobald der Schnee geschmolzen ist, und hüllt die Wiese in ein weißes Kleid. Kaum ist er verwelkt, erscheinen tausende blassgelbe Blüten der Himmelsschlüssel, die im Wind auf ihren langen Stielen schaukeln, um die Tür zwischen den Wolken zu finden, für die sie gemacht worden sind. Dieser typische, unverkennbare Frühlingsduft liegt in der Luft. Bereits von der Ferne sieht man Anfang Juni die goldgelben Kugeln der prachtvollen Trollblume leuchten, von den Almbauern liebevoll "Melkerdatteln" genannt, da sie genau zur Zeit des Almauftriebs blühen und schon allein ihrer Farbe wegen sommerliche Gefühle wecken. Dann erst geht das richtige Spektakel los: Enziane, Schusternagerln, Primeln, um nur einige der typischen Alpenflora zu nennen, blühen um die Wette und verzaubern die Wiese in einen bunten Teppich. Nach der Sommerpause legt der Herbst das goldgefärbte Laub der Ahornbäume auf den Boden, bevor der Schnee auf die Wiese fällt.

Um das Rätsel zu lüften: Die Rede ist vom Großen Ahornboden in der Gramai, im geschlossenen Naturschutzgebiet Karwendel in den nördlichen Kalkalpen. Dieses unberührte Gebiet ist gespickt mit landschaftlicher Schönheit, und die Pflanzen- und Tierwelt ist in ihrer Ursprungsform erhalten geblieben.


Kurzinfo:

Region:Karwendel
Tourenart:Wanderung  
Dauer:1,5
Beste Jahreszeit:Frühjahr bis Herbst
Fahrbahnbeschaffenheit:Forst- und Asphaltstraße
Touristinfo:Hinterriß-Eng

Anforderung:

Höhenunterschied:3 m
Streckenlänge:ca. 3 km
Schwierigkeit:leicht
leicht

Startpunkt:

Eng / Großer Ahornboden, 1203m


GPS-Wegpunkt:

N47 24.167 E11 34.030  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Nach Lenggries mit der BOB, von dort aus weiter mit dem Bergsteigerbus bis zur Haltestelle Eng.

Mit dem Pkw:

Von Rosenheim oder München nach Bad Tölz und ab dort über Lenggries, Sylvensteinspeicher und Hinterriß nach Eng.


Ab Rosenheim: 110 Km / 1:45 Std
Ab München: 110 Km / 1:45 Std
Ab Bad Tölz: 55 Km / 1:00 Std
Ab Salzburg: 185 Km / 2:25 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Eng / Großer Ahornboden, 1203m


Es gibt nicht viele Gegenden in Österreich, die mit dem Auto nur über Deutschland zu erreichen sind. Eine davon ist die Ortschaft Hinterriß/Eng im Großen Ahornboden. Eigentlich gehört sie zur Gemeinde Vomp im Unteren Inntal, doch der Weg von dort ist nur zu Fuß und nicht im Winter möglich. Vor Hundert Jahren noch wurde sie als Hungeralm verspottet, und die Kühe brauchten angeblich keine Glocken, weil man das Klappern der mageren Gebeine weit hörte.

Wie auch immer man sich dem Ahornboden nähert, der erste Blick ist umwerfend: Hier stehen auf einer Fläche von 500 ha über 2000 Bergahorne, und das in einem Almgebiet. Der Talboden ist fast durchwegs eben, durch immer wiederkehrende Muren und Überschwemmungen aufgeschüttet. Kein Wunder bei der durchschnittlichen Jahresniederschlagsmenge von 1800 mm. Manche der uralten Ahorne stehen bis zu 1 ½ Meter im Geröll, erst darunter finden ihre Wurzeln Nahrung im ursprünglichen Almboden.

Wie es zur Entstehung dieses einzigartigen Ahornbodens kam, ist nicht genau geklärt. Wahrscheinlich ist er mit einer erzwungenen Almruhe durch Kriege und Seuchen über einen längeren Zeitraum, etwa des Dreißigjährigen Krieges, entstanden. Nur ohne den sonstigen Druck auf die Pflanzen durch Weiden und Fegen konnte sich dieses Naturschauspiel bilden. In den letzten Jahren wird der Ahornbestand gezielt erneuert. Dabei werden vor allem in der Nähe von ursprünglichen Standorten der Ahorne junge Bäume gesetzt und geschützt. Eine Naturverjüngung wäre wegen der Almnutzung und des Wildverbisses nicht möglich. Diese Verjüngung ist dringend nötig, sind doch einige Baumriesen bis zu 600 Jahre alt und haben ihr natürliches Höchstalter bereits überschritten.

Nicht weniger imposant als der breite Talboden mit dem größten Almdorf sind die steil aufragenden Lalider Wände. Mit rund 1000 m Höhe werden sie von keinen anderen Felswänden im Ostalpenbereich übertroffen. Im Gegensatz zu den sanfter abfallenden Hängen im nach Süden gerichteten Karwendel sind sie schroff, abweisend und gerade deswegen wohl von Klettern geschätzt. So glatt der Kalkstein von der Ferne, wie von der gegenüber liegenden Falkenhütte aus, auch erscheinen mag – bei näherer Ansicht ist er rau genug, um gute Griffe zu ermöglichen.

Dass das Engtal schon früh das Interesse von Siedlern weckte, bezeugt der Fund eines bronzezeitlichen Schwertes bei Hinterriß. Und nicht zuletzt die Sage, die mit den Lalider Wänden verbunden ist. Danach soll an dieser Stelle in grauer Vorzeit ein Schloss gestanden sein. Die drei Töchter des Schlossherrn waren jedoch hoffärtig und herzlos und beschworen so selbst ihr Schicksal herbei. Nach einer besonders grausamen tat wurden sie unter Blitz und Donner zur heutigen Dreizinken Spitze verwandelt. Das Schloss wurde durch eine herabstürzende Wand aus Felsen verborgen und ward nie wieder gesehen.

Manchmal hört man das Musizieren aus dem Schlossgarten leise klingen. Unverbesserliche Realisten behaupten, es sei der Klang von Schaf- und Kuhglocken, der von der Laliz Alm herauftönt.


Literatur:

Wanderführer:Die schönsten Blütenwanderungen in Tirol & Österreich
von Altrichter, Susanne und Rainer

Karte:



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