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Vom Sagberg zum Eiskeller

»Interessante Botanik-Region«


Keine Gipfelbesteigung, aber eine schöne und lehrreiche Bergwanderung zwischen Hochries und Laubenstein
Die Wanderung führt zum Eiskeller, einer geologisch und biologischen Besonderheit. Das kleine Hochtal (ca. 1200 m) liegt zwischen Abereck und Spielberg, unterhalb des Laubensteins. Hier gibt es zahlreiche kleine Höhleneingänge, das Tal hat mehrere Zuflüsse, aber keinen Abfluß. Dadurch ist hier die Luft immer etwa vier Grad kälter. Dadurch wachsen hier Pflanzen, die normalerweise tausend Meter höher wachsen.

Der Eiskeller
In der rechten Bildmitte sieht man die Reste der verfallenen Grubalm


Kurzinfo:

Region:Chiemgauer Alpen
Tourenart:Bergtour (leicht)  
Erreichte Gipfel:Laubenstein 1350 m
Dauer:gut 4 Stunden
Touristinfo:Frasdorf
Weblinks:Außerdem sehenswert: Die Hofalm und der ehemalige Kalkbrennofen

Anforderung:

Höhenunterschied:ca. 750 m
Schwierigkeit:Weg: mittel
leicht. Fast durchgehend Forststraßen, einige Bergpfade.

Einkehrmöglichkeit:

Sagberg (Berggasthof):
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Riesenhütte:
derzeit geschlossen, Wiedereröffnung noch unklar (Stand 2016)
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Hofalm:
Bewirtschaftet von Juni bis Oktober
Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Hinweis: Da wir die Öffnungszeiten, Übernachtungshinweise, etc. oft aus dritter Hand erhalten, kann es immer wieder vorkommen, dass die hier veröffentlichten Daten nicht mehr ganz aktuell sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte sich bitte vor Beginn einer Tour direkt bei der Hütte informieren (Telefon / Homepage).


Startpunkt:

Parkplatz Nähe Gasthof Sagberg, 750m


GPS-Wegpunkt:

N47 47.483 E12 17.449  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Man kann mit der Bahn bis zum Bahnhof Frasdorf fahren (zwischen Rosenheim und Prien). Eine Busverbindung hinauf zum Gasthof gibt es nicht. Deshalb weiter zu Fuß oder mit dem Taxi.

Mit dem Pkw:

Autobahn München-Salzburg, Ausfahrt Frasdorf, in der Ortsmitte gegenüber der Kirche Straße zum Sagberg (beschildert). Parkgelegenheit direkt neben der Gaststätte - aber nur für Gäste, also anschließend hier ein Essen einplanen oder weiter unten am kleinen Parkplatz parken.


Ab Rosenheim: 20 Km / 0:25 Std
Ab München: 75 Km / 1:00 Std
Ab Bad Tölz: 60 Km / 0:55 Std
Ab Salzburg: 70 Km / 0:50 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Parkplatz Nähe Gasthof Sagberg, 750m


Sagberg - Hofalm: Parkplatz: Autobahn München - Salzburg, Ausfahrt Frasdorf, in Frasdorf (Ortsmitte bei Kirche) Straße zum Gasthof "Sagberg" bis zum Parkplatz des Gasthofs (eigene Homepage)
Gehzeit: ca. 40 Min., Höhenunterschied: 70 m, Beschreibung: sehr leichte Forststraße, fast keine Steigung
Hofalm - Riesenhütte:
Gehzeit: ca. eine gute Stunde, Höhenunterschied: 375 m. Beschreibung: Forststraße Richtung Westen, leicht, es gibt einige Abkürzer durch Bachbetten, hier Trittsicherheit geboten.
Riesenhütte - Laubenstein
Gehzeit: ca. 1 1/2 Stunden, Höhenunterschied: ca. 300 m,
Beschreibung: Von der Riesenhütte aus Richtung Hochriesgipfel. Nach ca. 20 Minuten biegt nach Süden der Weg Richtung Eiskeller / Klausen / Laubenstein ab. Bergpfad, nicht zu schwierig. Den Eiskeller erreicht man ca. nach einer knappen Stunde.
Laubenstein - Hofalm:
Gehzeit: 40 - 50 Minuten, Schwierigkeit: mittel
Beschreibung: zum Teil direkt über verschiedene Bachläufen bzw. Schmelzwasserabläufen hinunter bis zur Forststraße "Paradies - Riesenhaus". Von dort zweigt dann die Forststraße zur Frasdorfer Hütte ab (viele Mountainbiker) bzw. zur Hofalm.
Hofalm - Sagberg:Wie oben.


Flora und Fauna:

Die Botanik des Eiskellers


Die kleinsten Bäumchen der Welt

So nennt der große Botaniker Linné die arktischen Zwergarten von Weide und Birke. Wir begegnen ihnen über der alpinen Schneegrenze in den Höhenregionen der Gletscher und Firne.Mehr kriechend als stehend bilden diese Gewächse niedrige Polster von etwa 15 cm Höhe. Holziges Gerüst, Formen und Verhalten weisen sie als Baumgewächse aus. Die harten, kargen Lebensbedingungen auf steinigem Grund, in schneidender Kälte und praller Sonnenbestrahlung zwingen sie zu einem Leben auf Sparflamme. Nichts an ihnen wächst auch nur einen Millimeter mehr als zwingend nötig: Stämmchen, Ast und Zweig, Blatt, Blüte und Frucht sind auf engstem Raum mit geringstem Materialaufwand gebaut. So bietet das Bäumchen den krassen atmosphärischen Einflüssen die geringst mögliche Angriffsfläche. Einen derartigen Sparwuchs kennt man auf der Erde nur bei Gewächsen in der Wüste und vor allem im arktischen Norden. Von dort stammen jene Zwerge her. Wie aber kamen sie zu uns?Während des 1 Millionen Jahre dauernden Eiszeitalters breiteten sich die Eis-Regionen des Nordens mehrmals weit nach Süden aus und drängten dabei die arktische Vegetation bis in die damalige Tundra unserer Breiten. In den Wiedererwärmungszeiten aber kehrte die ,,kalte“ Gastflora mit dem zurückweichenden Eis wieder in die arktischen Bereiche zurück. Ein Teil jedoch schlug einen anderen Weg ein. Diese Gäste folgten mit anderen Vertretern der Kaltflora unserer Tundra der an den Alpenbergen wieder höhersteigenden Schneegrenze und fanden fortan in den kalten Höhen ihre gewohnte Lebensform. So erlangten sie hier Heimatrecht - wir nennen sie Eiszeitrelikte, was besagen will, dass sie von der Eiszeit zurückgelassen worden sind. Von einem heute bei uns wohl einmaligen Vorkommen von arktischer Zwergweide in nächster Nähe des Samerberggebietes berichtet der Heimat-Botaniker M. Ringler. Es befindet sich jenseits der Hochries nahe dem Laubenstein. Dort gähnt wie ein ovaler Krater ein tiefer Kessel von mehreren hundert Metern Ausdehnung. Er ist vermutlich ein Einbruchkessel, der an der Südseite wahrscheinlich mit einem Höhlensystem in Verbindung stehen dürfte. Die nahe, ehemalige Alm hieß wegen der großen ,,Grube“ Grubalm. Obwohl dieser Kessel nur an die 1200 m hoch liegt, staut sich in ihm ständig kalte Eiskellerluft, namentlich an der stets im Schatten liegenden Südwandung. Dort führt nun schon seit der Tundrazeit die kleine Krautweide (salix herbacea) mit einigen arktischen Artgenossinnen wie salix reticulata und retusa, ein stilles, kaum beachtetes Dasein - ein arktisches Asyl inmitten unserer warmzeitlichen Bergflora.

(Entnommen aus dem Buch "Der Samerberg im Eiszeitalter" von Max Pröbstl mit freundlicher Genehmigung des "Historischen Vereins Rosenheim".)

Die oben genannten Zwergbirken gibt es z.B. noch in Lappland oder in den Gebirgen Rumäniens. Als Eiszeit-Relikte - das sind jene Pflanzen und Tiere, die seit der Eiszeit ununterbrochen hier leben - gelten auch die Brocken-Anemone, das Alpen-Habichtskraut, der Alpenbärlapp und die Zweifarbige Weide. Auch die Alpen-Smaragdlibelle, der Brocken-Mohrenfalter, die Alpen-Ringdrossel und weitere Tiere werden hinzugerechnet.


Literatur:

Bildband:Chiemgauer Alpen
Wasser - Moore - Wälder - Felsen
von Zebhauser, Helmuth
Wanderführer:Chiemsee - Berge und Seen zwischen Rosenheim und Salzburg
von Hirtlreiter, Gerhard
Karte:Alpenvereinskarte BY17
Chiemgauer Alpen West: Hochries, Geigelstein
von Alpenverein

Karte:

1/2/3/4 = Tourenabschnitte wie oben5=Riesenhütte, 6=Laubenstein


Ausschnitt aus "TOP50 (Bayern-Süd) / AMAP3D".

Mit freundlicher Genehmigung vom Landesamt für Vermessung und Geoinformation München.



Galerie:

Weitere schöne Bilder sind in unserer Fotoshow

Diashow:


Wettervorhersage für Frasdorf: