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Rund um den Wendelstein

»Der »Geopark« am Wendelstein«


Ein Aussichtsberg der Superlative!
Vom Bahnhof Osterhofen führt die Beschilderung zum »Wendelstein«, die uns im oberen Teil des Weges auf Tafeln des sogenannten »Geoparks« über die Geomorphologie und Geologie dieses Raumes informiert. Über den König-Maximilian-Weg und die Zeller Scharte steigen wir hinauf zur höchstgelegenen Schauhöhle Deutschlands, die unterhalb der Bergstation von Deutschlands ältester Hochgebirgszahnradbahn liegt. Vorbei am Wendelsteinkircherl und dem Wendelsteinhaus geht es auf einem gut ausgebauten Weg zum nächsten Highlight, dem Wendelsteingipfel. Schrieb 1822 der Maler Ludwig Richter noch: »An zwei Stellen musste man sogar einen Sprung in die greuliche Tiefe wagen.«, so ist es durch Treppen und Geländer heutzutage nicht nur dem Kletterer, sondern auch dem Wanderer möglich, auf dem Gipfel diesen grandiosen 360°-Ausblick zu genießen. Der Abstieg ist insgesamt flacher und führt uns über Almmatten und Wälder in westliche Richtung hinunter ins Leitzachtal zum Bahnhof Fischbachau-Hammer.

Der markante Berg im Mangfallgebirge ist weithin sichtbar und mit einem Sendemast bestückt. Er kann sich mit den Superlativen Deutschlands schmücken: höchste Schauhöhle, höchste Sternwarte, höchste Kirche und älteste Hochgebirgszahnradbahn.

Blick zum Wendelstein aus südlicher Richtung
Foto: Copyright Reinhold Lehmann und Kathrin Schön

Blick vom Wendelstein ins Leitzachtal
Foto: Copyright Reinhold Lehmann und Kathrin Schön


Kurzinfo:

Region:Bayerische Voralpen
Tourenart:Bergtour (mittel)  
Erreichte Gipfel:Wendelstein (1838 m)
Dauer (Stunden):5 Std. 20 Min.
Touristinfo:Brannenburg

Anforderung:

Höhenunterschied:Höhenmeter 1150 m (Abstieg 1200 m)
Streckenlänge:15,1 km
Schwierigkeit:Weg: mittel
Der Anstieg über die Zeller Scharte zum Wendelstein und der Abstieg Richtung Fischbachau ist zum Teil steil, aber ungefährlich. Der Weg ist gut ausgebaut und gesichert. Gutes Schuhwerk und Stöcke werden empfohlen.

Startpunkt:

Osterhofen bei Bayrischzell - Parkplatz der Wendelstein-Seilbahn, 787m


GPS-Wegpunkt:

N47 41.269 E11 58.790  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Öffentliche Verkehrsmittel (Bahn) bis nach Bayrischzell

Mit dem Pkw:

Von Rosenheim: Über Bad Feilnbach - Fischbau - Aurach Richtung Bayrischzell
Von der Inntalautobahn: Ausfahrt Kufstein, über Thiersee und Landl nach Osterhofen
Von München: Autobahn München - Salzburg, Ausfahrt Irschenberg oder Weyarn, Landstraße nach Bayrischzell - Osterhofen



Ab Rosenheim: 40 Km / 0:45 Std
Ab München: 70 Km / 1:00 Std
Ab Bad Tölz: 45 Km / 0:45 Std
Ab Salzburg: 100 Km / 1:20 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Osterhofen bei Bayrischzell - Parkplatz der Wendelstein-Seilbahn, 787m


Ausgangspunkt ist der Bahnhof Osterhofen (BOB), Zielpunkt der Bahnhof Fischbachau-Hammer (BOB).

Tipps: Der Wendelstein ist aus allen Richtungen zu besteigen. Wenn man die Wendelsteinhöhle besichtigen will, sollte man auch im Sommer warme Bekleidung nicht vergessen. Man kann mit der Seilbahn, die von Osterhofen im Leitzachtal aus startet, die Tour abkürzen. Es gibt aber auch die Variante, mit der Zahnradbahn von Brannenburg aus auf den Wendelstein zu fahren. Durch die Wendelstein-Ringlinie besteht zudem die Möglichkeit, mit dem Bus wieder an den jeweiligen Ausgangspunkt der Tour zurückzukommen (www.wendelstein-ringlinie.de). Wer sich speziell für die Geologie interessiert, kann auch separat alle 4 »Geopark«-Wanderlehrpfade abgehen – Näheres unter www.wendelsteinbahn.de/geopark. Auf insgesamt 36 Schautafeln und 31 kleineren Tafeln wird Allgemeines und Spezielles zur Geologie erklärt und mit 5 pultförmigen Tafeln zum Panoramablick ergänzt. Diese Tour schließt bereits Teile der Lehrpfade mit ein. Weitere Sehenswürdigkeiten sind das Wendelsteinkircherl und die Ausstellung zum Bau der Wendelstein-Bergbahn im Wendelsteinhaus.

Unsere Wanderung beginnt am Bahnhof Osterhofen (1), 804 m, von wo wir parallel zu den Gleisen in Fahrtrichtung Bayrischzell gehen, immer dem gelben Schild »Wendelstein über Hochkreuth« folgend. Nach den letzten Häusern haben wir schon einen schönen Blick in das durch die Eiszeiten überprägte Leitzachtal und das Mangfallgebirge. Über einen Wiesenpfad, der später in ein Asphaltsträßchen übergeht, gelangen wir nach Hochkreuth. Am Bergcafé Siglhof (2) biegen wir links ab, dem Schild »Wendelstein« steil bergan folgend, vorbei an der Siglalm. Bald darauf erblicken wir direkt vor uns durch ein vom Gletscher geschaffenes Tälchen das aus triassischen Gesteinen aufgebaute Massiv des Wendelsteins. Bei einer nicht beschilderten Weggabelung (3), 1386 m, gehen wir nach rechts, an den Wendelsteiner Almen vorbei, die in einem durch Lokalvergletscherung entstandenen Kar liegen. Bald sehen wir die erste Informationstafel des »Geoparks«, die uns geologisch/geomorphologisch die Entstehung dieser Landschaft sehr schön erläutert. Am Fuß des Wendelsteins folgen wir der Markierung »Wendelstein – König-Maximilian-Weg« nach rechts, die durch Blockschutt bzw. eine Bergsturzlandschaft in Richtung »Zeller Scharte – Wendelsteinhaus« führt. Die Zeller Scharte liegt in einer tektonischen Störung zwischen dem Wendelstein im Westen und der Kesselwand im Osten. Hier befindet sich ein geologischer Schanierbereich, wo es im Zuge der Alpenbildung zu Hebungs- und Überschiebungsprozessen kam. Diese haben die Gesteine so aufbereitet, dass sie leichter abgetragen werden konnten. In Sichtweite zur Zahnradbahn, die etwas über 100 Jahre alt ist, steigen wir links anfangs über Holzstufen hinauf in Richtung Bergstation Wendelstein zur höchstgelegenen Schauhöhle Deutschlands, der Wendelsteinhöhle (4), 1711 m. Diese wurde 2010 mit multimedialen Stationen neu ausgestattet, welche Wissenswertes über die Höhle vermitteln. Nach dem Besuch der Höhle, in die wir anfangs über Treppen 94 m hinabsteigen müssen, ist das nächste Ziel der Gipfel. Der Weg geht vorbei am Wendelsteinkircherl, der höchstgelegenen Kirche Deutschlands, sowie dem Wendelsteinhaus in gut ausgebauten Serpentinen teils durch kleine Tunnels und Treppen zum Gipfel. Ohne diese Hilfen wäre für die meisten Wanderer der Gipfel nicht erreichbar. Auf dem Gipfelplateau des Wendelsteins (5), 1838 m, eröffnet sich bei gutem Wetter ein grandioser 360°-Blick in die Alpen und das Alpenvorland. Hier stehen auch die Wendelsteinkapelle und das für die Öffentlichkeit nicht zugängliche Observatorium, das 1939 von der Wehrmacht gegründet worden ist und seit 1949 der Universität München gehört. Seine heutige Aufgabe ist unter anderem die nachtastronomische Forschung, wofür es ab 2012 mit einem zusätzlichen 2-Meter-Teleskop ausgestattet wurde. Wir nehmen denselben Weg wieder hinunter bis zum Wendelsteinhaus (Einkehrmöglichkeit). Dieses umrunden wir, gehen unter der Seilbahn hindurch und folgen den Serpentinen erst einmal steil bergab in Richtung Birkenstein – Fischbachau. An einem blauen Wegweiser (6), 1582 m, der uns rechts in Richtung Fischbachau an den Spitzingalmen vorbeiführt, wandern wir auf einem knieschonenden, schönen Wiesenpfad bergab. Ein Blick zurück auf den von hier aus sehr schroff wirkenden Wendelstein lohnt sich. Wenn wir auf eine breite Forststraße stoßen, folgen wir dieser nach rechts bis zur nächsten Kreuzung (7), wo wir halb links bergab weitergehen. Im Tal angelangt, geht es nach rechts und an der nächsten Kreuzung scharf links der Beschilderung folgend zum Bahnhof Fischbachau-Hammer (8), 760 m.

Einkehrmöglichkeiten:
Hochkreut: Huberhof (Übernachtungsmöglichkeit, kein Ruhetag, Tel. +49 8023 454, huberhof-hochkreut.de), Bergcafé Siglhof (Übernachtungsmöglichkeit, kein Ruhetag, Tel. +49 8023 679, www.siglhof.com), Wendelsteinhaus (Tel. +49 8023 404, www.wendelsteinbahn.de/wendelsteinhaus-2), Fischbachau-Hammer: Hammerwirt (Mo., Di. Ruhetag, Tel. +49 8028 9166, www.hammerwirt-fischbachau.de).


Geologie:

Das Wendelsteinmassiv besteht aus zwei sogenannten tektonischen Decken. Sie sind durch den »Zusammenprall« des afrikanischen mit dem europäischen Kontinent entstanden und setzten sich aus Sedimentgesteinen unterschiedlicher Entstehung zusammen. Aus den wellenförmig verfalteten Sedimenten wurden Faltenrücken, die weiter überschoben und sich zu sogenannten Decken aufeinanderlegten. Dieser Prozess der Gebirgsbildung begann in der Kreidezeit – vor ca. 100 Millionen Jahren – klingt seit etwa 5 Millionen Jahren jedoch ab. Bei diesem langwierigen Prozess hat sich das ältere Gesteinspaket der Lechtal-Decke aus südlicher Richtung langsam über das der Allgäuer Decke geschoben. Erstere baut heute die Gipfelregion des Wendelsteinmassives auf. Durch weitere tektonische Prozesse und Verwitterung ist der Gipfel, der aus Wettersteinriffkalken besteht, herausmodelliert worden. Entstanden sind diese in der Trias, Stufe Ladinium, vor ca. 242 – 235 Millionen Jahren. Die Endmodellierung erfuhr das Wendelsteinmassiv im Pleistozän durch die verschiedenen Kalt- und Warmzeiten. Vor allem die letzte Würmeiszeit mit den Lokalvergletscherungen und die Nacheiszeit prägen das heutige Bild mit Karen, Moränen und Hangschutt.

Wendelsteinhöhle: Diese Karsthöhle ist die höchste Schauhöhle Deutschlands und als Geotop ausgewiesen. Der künstlich geschaffene Eingang, der über eine steile Treppe zur Höhle hinunterführt, liegt direkt unterhalb der Endstation der Zahnradbahn in 1711 m Höhe. Die Höhle wurde 1864 entdeckt und 1921 für Besucher zugänglich gemacht. 2010 ist sie u. a. mit EU-Mitteln renoviert worden.
Seitdem vermitteln multimediale Stationen in verschiedenen Sprachen Wissenswertes unter anderem zur Höhlenentstehung und -erforschung und zeigen den jeweiligen Standort in diesem Labyrinth an. Die Höhle kann selbstständig auf ca. 170 m von insgesamt ca. 520 m besichtigt werden. Für den Besucher endet der Weg im Dom. Warme Kleidung ist zu empfehlen, da hier die Jahresmitteltemperatur bei 3° C liegt.


Literatur:

Wanderbuch:Geowandern Münchner Umland
Alpenvorland und Alpen zwischen Lech und Inn
von Reinhold Lehmann / Kathrin Schön
Karte:Umgebungskarte UK50-53 Mangfallgebirge
Rosenheim - Bayrischzell - Inntal - Tegernsee - Schliersee

GPS-Daten:

Um die Kartenansicht (Karte, Satellit, Gelände, etc.) zu wechseln, bitte auf der Karte oben rechts den entsprechende Menüpunkt auswählen. Bitte verwendet nie die Tracks ohne betreffendes Kartenmaterial für das dazugehörige Gebiet. Die GPS-Daten sollen nur als zusätzliche Unterstützung verwendet werden.


Wettervorhersage für Brannenburg:


 Autor: Reinhold Lehmann und Kathrin Schön
 Mit freundlicher Genehmigung des Bergverlags Rother aus dem Rother Wanderbuch "Geowandern Münchner Umland"   
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