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Autor Thema: Franz Nieberl (Alpinist)  (Gelesen 2273 mal)

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Franz Nieberl (Alpinist)
« am: 07.12.2016, 19:15 »
Der Kaiserpapst

Franz Nieberl (25.02.1875 bis 18.08.1968) war ein Jäger und exzellenter Kletterer, der auch mehrere bekannte Bücher über das Kaisergebirge verfasste.




Der passionierte Kletterer verfasste 1909 das Lehrbuch „Das Klettern im Fels“, welches jahrzehntelang als „Bibel des Bergsports“ galt, den Band "Erlebtes und Erdachtes" sowie ab 1956 mehrere Auflagen des Kaiserführers von Georg Leuchs. Seine Kenntnisse des Kaisergebirges brachen ihm den Spitznamen “Kaiserpapst” ein.

Geboren ist Nieberl in Würzburg, wohnte bald in München und Augsburg und war in Berchtesgaden als Praktikant tätig. In Kufstein bewarb er sich als Zöllner. Die Stadt am Inn wurde zu seiner neuen Heimat, und, wie er später sagte, fühlte er sich fortan als Kufsteiner. In der Berchtesgadener Zeit kam er zum Bergsteigen, was sich dann in Kufstein fortsetzen sollte. Zu seiner Vorstellung in der Zöllnergilde sagte er:

„Als ich mich ... als junges Mitglied der Zöllnergilde vorstellte, wurde ich von einem langen, dürren, indianerfarbigen Amtsgenossen mit unendlich geringschätziger Miene gemustert. Als Mann von Welt erschien ich damals in Frack, weißer Binde und Lackschuhen, und ich hörte beim Weggehen noch unter der Tür die höhnischen Worte: ‚Der hat hier noch gefehlt! Der passt gut nach Kufstein!’“

Der neue Kollege war kein geringerer als Josef Ostler. Die beiden wurden bald Freunde. Sein bevorzugter Seilpartner wurde jedoch der Kufsteiner Josef Klammer. Bald kam Nieberl auch mit Hans Dülfer und weiteren Klettergrößen seiner Zeit zusammen.

Nieberl setzte sich stark für den Naturschutz und gegen eine Übererschließung des Kaisergebirges ein. Ihm ist es auch zu verdanken, dass es 1963 offiziell zum Naturschutzgebiet erklärt wurde.


Einige Sprüche von Nieberl:

Nach einem Sturz in der Nordwestwand der Kleinen Halt hatte Nieberl dort „eine Rechnung offen“.

Zur Frage, welche Kaiser-Gipfel denn leicht seien:
"Kein Gipfel im Wilden Kaiser lässt sich mit den Händen in den Hosentaschen ersteigen"

Zu der Frage, wo es am schönsten ist:
"Ich müsste kein heimattreuer Mensch sein, wenn ich auch nur einen Augenblick über die Antwort nachdenken müsste. Wo kann's denn schöner sein für den Bergsteiger als in der Bergheimat?"

Zu einem langjährigen roBergler, der ihn noch persönlich kennen lernte:
"Pass gut auf und riskiere nicht zu viel,es ist nämlich nicht schwer ein guter Kletterer zu werden,aber schwierig ein alter zu werden."


Wie Nieberl zu seinem Spitznamen "Kaiserpapst" kam:

Vor uns (auf dem Gipfel des Totenkirchls) saßen einige Münchner. Einer war ungemein neugierig und wollte sämtliche Kletterwege,die er sah und auch solche, die er nicht sah, erklärt wissen. Eine Zeit lang stand ihm ein Kamerad Red und Antwort; als er sich aber auch noch in einen Aussichtstiger zu verwandeln begann, da brummte der andere leicht verärgert: ‚Was fragst denn alleweil mich? Da hinten sitzt der Papst des Kaisergebirges; der weiß das besser als ich.’


Abschied von Franz Nieberl

Kufstein, der Wilde Kaiser und „der Nieberl", die gehörten nicht nur für uns vom Alpenverein, zu dessen „großen Alten" Franz Nieberl zählte, sondern für die ganze Bergsteigerschaft seit Jahrzehnten eng zusammen. So wollten wir es kaum glauben, dass der fast 94jährige nach kurzem Leiden am 18. August für immer von uns gegangen sei, nachdem er erst wenige Tage vorher noch seiner geliebten Oberland-Hütte im Spertental einen Besuch abgestattet hatte. Eine nach mehreren Hunderten zählende Schar aus nah fand fern fand sich mit seiner Familie am Kufsteiner Friedhof ein, als seine Bergkameraden den Ehrenvorstand des Alpenvereinszweiges Kufstein zu Grabe trugen und eine lange Reihe von Sprechern der vielen großen und kleinen Gemeinschaften, denen er in seinem langen Leben in vorbildlicher Treue anhing, für immer von ihm Abschied nahm.
Quelle: Mitteilungen des ÖAV 1968, Heft 9/10, Seite 146


Erste Route-Begehungen:

Totenkirchl / Nordostwand - "Klammervariante" (Variante zum Führerweg) (2. Terrasse)
Totenkirchl / Südwand - "Klammerführe"
Totenkirchl / Nordostwand - "Nieberlkamin" (2. Terrasse)
Hochglück / Abstieg ins Ödkarl
Hackenköpfe / Nordwand des Östlichen Hackenkopfes - "Nieberlweg"
Hackenköpfe / Nordwand des östlichen Hackenkopfes - "Straßwalchschlucht"
Pyramidenspitze / aus dem Scheiblingsteinkar
Pyramidenspitze / von Norden über den Karkopfgrat
Petersköpfl (Kaisergebirge) / von Norden
Kleine Halt / Nordwand
Gamsflucht Vordere / Ostwand - "Neue Route"
Rofanspitze (Hauptgipfel) / Nordwand - "Nordwestwand Sepp-Nieberl-Schlucht"
Haidachstellwand / Ostwand
Musterstein / Südwand - "Nieberlweg"
Birkenkofel (Croda dei Baranci) / von Nordosten
Bullkopf Südlicher (Cima Bulla Sud) / Nordgrat


Weitere Informationen:
Leider gibt es auf Wikipedia (noch) keinen Artikel über Franz Nieberl.
Deshalb verweisen wir für weitere Information auf alpinwiki.at