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Autor Thema: Fichtenwald am Brocken  (Gelesen 2362 mal)

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Offline Ziegenpeter

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Fichtenwald am Brocken
« am: 30.05.2005, 08:48 »
Liebe Berg- und Naturfreunde,

ich war in der letzten Woche im Harz zum Wandern und bin mit meiner Frau mal zusammen auf den Brocken getigert. Dabei habe ich das anhängende Foto geschossen. Ich muss schon sagen, dass es mich sehr erschreckt hat, in welchem Zustand der Fichtenwald am Brocken und im gesamten Harz ist. Obwohl ich wusste, dass der Borkenkäfer dort großen schaden anrichtet, bin ich sehr erstaunt. Habe mich dann mal beim Nationalpark erkundigt, wie man dagegen vorgeht.

Der Wald wird sich zumindest im Bereich des Nationalparks selbst überlassen, so dass auch andere Laub- und Nadelbäume die Chance haben dort wieder Fuß (oder Wurzel) zu fassen. So wird der Wald über Jahrzehnte praktisch komplett neu aufgebaut. Damit wird auch die Massenvermehrung des Borkenkäfers nachlassen, da ihm die Grundlage entzogen wird.

Habt Ihr ähnliche Bilder in anderen Regionen gesehen, wo der Käfer einen solchen Schaden anrichtet?

Gruß Ziegenpeter

roBerge.de

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« am: 30.05.2005, 08:48 »

Offline Karl

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Re: Fichtenwald am Brocken
« Antwort #1 am: 30.05.2005, 14:54 »
Hallo Ziegenpeter,
das Erlebnis auf dem Brocken hat Dich anscheinend sehr erschreckt. Dies ist auch nicht verwunderlich, verbinden wir doch eine schöne Landschaft auch mit einem intakten Wald.
Viel schlimmer und ausgedehnter als im Harz sind die Schäden im Bayer. Wald, hier bevorzugt im Nationalpark -  und das besonders im Gebiet zwischen dem Rachel und dem Lusen, auch im gegenüberliegenden Bereich, dem böhmischen Nationalpark Sumava. Hier wird der bereits abgestorbene Wald völlig der Natur überlassen, d. h. die Entwicklung neuer, anderer Waldbestände wird nicht vom Menschen beeinflusst. Die bereits eingetretene, unnübersehbare Entwicklung lässt für die Zukunft hoffen. Die Ablösung der Fichtenmonokulturen durch natürlich entstehenden Mischwald im Nationalpark ist in vollem Gange. Beim Wald dauert es aber wachstumsgemäß leider ein- oder zwei Menschengenerationen, bis der Erfolg auch für jedermann erkennbar ist.
Übrigens: Nicht der Borkenkäfer allein ist am Niedergang dieser Bestände schuld. Begonnen hat die Katastrophe bereits in den 70iger und 80iger Jahren durch immer mehr zunehmenden Eintrag von Luftschadstoffen und anderen Faktoren. Der Borkenkäfer traf dann in den 90iger Jahren auf einen geschwächten Fichtenbestand (Borkenkäfer mag nur Fichten) und ist nun der Vollstrecker hinsichtlich der Restvernichtung eines durch Menschenhand geschwächten Fichtenbestandes. 
Leider ist der Alpenbereich von den Schäden nicht verschont geblieben. Der jährliche Waldzustandsbericht spricht eine deutliche Sprache. Die Folgen der Waldschädigung im Hochgebirge sind noch schlimmer zu werten, als in den Mittelgebirgslandschaften, da der Wald hier eine besondere, herausgehobene Stellung übernimmt, was z. B. den Lawinen- und  den Erosionsschutz betrifft. Wenn Du in den Alpen weniger auffallend abgestorbene Bäume siehst, liegt das daran, dass die Forstwirtschaft Borkenkäfternester möglichst sofort ausräumt und unmittelbare Neuaufforstung betreibt, währenddessen man in den Nationalparks - und auch nur dort - der Naturüberlassung den Vorzug gibt.    

Offline Ziegenpeter

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Re: Fichtenwald am Brocken
« Antwort #2 am: 31.05.2005, 14:06 »
Hallo Karl,

ich denke das zeigt deutlich, wie empfindlich die Natur gegenüber den Eingriffen der Menschen ist. Wir sollten wirklich sorgsam mit dem Umgehen, was uns noch geblieben ist und dafür Sorge tragen, dass überall dort wo es möglich ist, die Natur zurückkehren kann uns sich frei entwickeln kann. Das gilt für die Pflanzen- aber auch für die Tierwelt.

Was im Harz mit dem Lux möglich ist, sollte im östlichen Europa mit dem Wolf z. B. nicht undenkbar sein. Ich selbst komme ja aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Hannover. Hier haben wir z. B. eine Einrichtung, die sich mit der Züchtung von Wisenten beschäftigt und diese auch ganz regelmäßig im östlichen Europa auswildert. Ähnlich wie mit den Luxen im Harz. Da ich solche Maßnahmen sinnvoller halte, als meine Zeit mit Demonstrationen für Umweltschutz zu vergeuden, bin ich auch einem entsprechenden Förderverein beigetreten. Und ich kann nur jeden dazu ermuntern, gleiches zu tun. Auch die Landesjägerschaften verrichten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zum Naturschutz, ebenso wie der Alpenverein. Leider haben Sie nach wie vor einen sehr schlechten Ruf (die Jäger). Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit ist eben alles.

Ich möchte in diesem Zusammenhang mal deutlich betonen (weil es mich nämlich ärgert), dass es die Aufgabe ALLER Nutznießer der Natur ist (und dazu zähle ich jeden, der in den Bergen rumkraxelt oder in der Natur seinen Urlaub verbringt), die restliche Bevölkerung aufzuklären und zu umweltbewusstem Denken zu ermutigen. Dazu, und das sage ich mit aller Deutlichkeit, brauchen wir keine Grüne Partei, sondern Aktive, die sich wirklich für die Umwelt engagieren. Die Lobbyarbeit sollte Aufgabe aller Politiker sein. Um hier mal politisch zu werden.

So lasst es uns also anpacken und sorgsam mit unserer Umwelt umgehen. Dann können wir sie auch bedenkenlos genießen.
Bergheil