Hochalm

Autor Thema: Ellmauer Halt / Kaiserkopf am 14.9.2019 (Kaisergebirge)

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Offline Bergautist

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Ellmauer Halt / Kaiserkopf am 14.9.2019 (Kaisergebirge)
« Antwort #0 am: So, 15. Sep 2019, 11:40 »
Die heutige Tour auf die Ellmauer Halt, dem höchsten Gipfel des Kaisergebirges, versprach, ein neuer Jahreshöhepunkt zu werden. Wurde sie auch, allerdings führte sie unserer Vierergruppe wieder einmal eindrücklich vor Augen, wie dicht Glück und Leid beim Bergsteigen beieinander liegen können. Obwohl der Aufstieg über den Gamsängersteig dank guter Versicherungen T4 und UIAA I nicht überschreitet, hatten wir immer wieder mit selbst ausgelöstem und spontanem(!) Steinschlag zu tun. Besonders leid tat mir, dass auch ich einmal der Auslöser war und eine junge Frau an der Hand verletzte. Trauriger noch: Einer der heute schätzungsweise 50 Gipfelaspiranten erlag noch vor Ort den tödlichen Verletzungen, die er während des Abstiegs erlitten hatte!

Start unserer Wanderung war der Parkplatz an der Wochenbrunner Alm (Maut 4 €, 1.50 € zurück bei Verzehr auf der Wochenbrunner Alm).

https://www.roberge.de/tour.php?id=106

Wir nutzten durchgehend den ausgewiesenen Wanderweg zur Gruttenhütte und von dort den Gamsängersteig zum Gipfel der Ellmauer Halt. Die Wettervorhersage lag wieder einmal daneben. Statt Bewölkung viel Sonne mit beeindruckenden Wolkenspielen neben und unter uns. Besser kann es sich der Fotograf kaum wünschen!

Für den Klettersteig werden Handschuhe und Helm gegen Steinschlag unbedingt empfohlen! Eine spezielle Klettersteigausrüstung haben wir nirgends vermisst, die weitaus meisten Mitwanderer gingen aber mit.

Bild 1: Ein Wolkenfenster gibt an der Gruttenhütte den Blick auf das heutige Ziel frei.
Bild 2: Immer wieder weisen gelbe Felsausbrüche darauf hin, wie bröselig der Kaiser in Wirklichkeit ist.
Bild 3: Hier ist das Gelände unter der Jägerwand derart steinschlaggefährdet, dass die scheinbar schwieriger aussehende Nutzung der Trittstifte obligatorisch sein sollte.
Bild 4: Einer aus unserer Mannschaft ersetzt am Kaiserkopf das dort fehlende Gipfelkreuz.
Bild 5: Was kann es Schöneres geben?

roBerge.de

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Offline geroldh

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Eine Bergtour ins Kaisergebirge ist eigentlich immer lohnend – und doch habe ich den Wunsch, diese geplante mir gut bekannte Tour auf die Ellmauer Halt (2344 m) via dem südlichen Normalweg für mich „aufzupeppen“. Auch wenn ich den Kopftörlgrat bereits dreimal beklettert habe (mit abschnittsweiser Seilsicherung), so verwerfe ich den Gedanken an diese „Soloeinlage“ endgültig mit dem Erreichen der Gruttenhütte (1620 m) – ausgehend von der Wochenbrunneralm (ca. 1100 m).
Gemeinsam steigen wir durch das Hochgrubachkar zum Einstieg in den ausgesetzten Steig durch den sog. Gamsanger – ein felsig-schrofiges Geländeband unter den Steilwänden des Kopftörlgrats. Spätestens hier wird aus Bergwandern dann das eigentliche Bergsteigen für geübte und trittsichere Alpinisten mit gutem Schuhwerk. Doch wurden abschnittsweise Stahlseilsicherungen zur führenden Unterstützung beim üblicherweise freien Begehen dieses Steiges angebracht, die damit (ggfs. bei Nässe) die kurzen I'er-Kraxelstellen etwas entschärfen sollen. Nun, vielleicht liegt es ja am Wochenende, doch die meisten Gipfelaspiranten rüsten sich hier mit ihren Klettersteigsets aus und klinken sich anschließend auch „brav“ in jeden gesicherten Steig-Abschnitt ein – inkl. dem ordnungsgemäßen Umklinken an den Stahlstiften...

Da bereits vorausschauend – und noch viel mehr auf den Zustiegsweg zurückblickend – erkennbar ist, dass dieser große Kaiser-Gipfel heute stark besucht sein wird, kläre ich meinen Plan-B ab, alternativ dem einsamen Kaiserkopf einen Besuch abzustatten, den ich sonst nur vom Überflug her kenne. Ab der Rote Rinn-Scharte (2099m) soll es via dem Nordgrat eine brüchige II'er Kraxelei sein – und ein „Normalweg“ (zum Abstieg) soll dort auch vorhanden sein. Ich wede sehen...
Ich steige nun meiner Gruppe voraus, doch an der „Stifte-Leiter“ unterhalb der Jägerwand kommt es zu ersten „Stauungen“ mit den bereits abwärts Steigenden. Ich bin deshalb froh, knapp darüber zur Scharte abbiegen und mich nun völlig auf mich selbst konzentrieren zu können. Insbesondere im Umfeld der Rote Rinn-Scharte ist das Kalk-Gestein sehr brüchig, ein konzentriertes und sauberes Steigen (und Greifen) absolut notwendig. Im Kaiserkopf-Nordgrat, der überwiegend UIAA II ist, gibt es zwei kurze Abkletterstellen – und die sind ganz besonders heikel, da es dort eine echte Herausforderung ist, einen der spärlichen festen Griffe und Tritte zu finden. Viele der dortigen Steine liegen nur noch lose aufeinander, meine stabilen Griffe muß ich mir erst freikratzen. Nein, kraxeltechnisch ist diese Route tatsächlich nicht lohnend – und ich bin erleichtert, hier gut und ohne auslösenden Steinschlag durchgekommen zu sein. Dafür gehört mir nun der etwa 2166 m hohe Nebengipfel ganz alleine (11:55 Uhr).
Ab und zu gibt der Nebel der heute tiefliegenden Wolken die Sicht kurz frei und ich kann die bunte Karawane erkennen, die die Route zur Ellmauer Halt hinauf markiert. Während ich Mittagspause mache und das Gipfelbuch durchschaue, höre ich aus dem Nebel von Gegenüber immer wieder Rufe wie „Achtung Stein(e)“ und entsprechendes Gepoltere. Eigentlich kaum zu glauben, dass dort drüben immer noch so viele Steine zu finden sind, die offenbar von weniger geübten Berggehern der Erdanziehung übergeben werden. Etwas später höre ich von gegenüber unten fragende Hallo-Rufe, die sich kurz darauf wiederholen. Hmm, sollte der Steinschlag vielleicht Folgen gehabt haben? Als einige Minuten später ein Hubschrauber hinter den Wolken zu hören ist, und der gelbe ÖAMTC-Heli vom Treffauer her einen Anflug versucht, dieser dann erst um die Ellmauer Halt herum gelingt, ist diese Frage beantwortet. Es ist durch den Nebel weiterhin nichts zu erkennen, aber von unten aus dem Hochgrubachkar nun lange Zeit der Hubschrauber zu hören.

Nach einer Stunde packe ich zusammen und steige zur Hirschanger genannten Scharte hinab, von der der „Normalweg“ abgehen soll. Doch da ich in Absprache mit den anderen gegenüber auf dem Gipfel noch Zeit habe, erkunde ich für mich den weiteren Gratverlauf gen Westen und ersteige dort über steiles Schrofengelände noch ein kleines Köpfl – danach wird es definitiv ausgesetzt, felsig und höchstalpin. Zurück am Hirschanger quere ich einem Steinhaufen folgend über grasiges Gelände zu einer Stelle, an der eine geneigte Felszone durch einen breiten Riss unterbrochen ist, der zu einer Schuttrinne hinunter führt. Ist dies der „Normalweg“? – Es gibt keine weiteren Anhaltspunkte. Für mich erscheint dieser Riss gut abkletterbar, unten wird es geröllig bis schrofig – und ich möchte ohnehin zur Rote Rinn-Scharte zurück. Dort wieder gut angekommen bin ich mir sicher, dass dies wohl nicht der einfachste Weg gewesen ist, der müßte wohl noch tiefer liegen – und von unten gesucht und gefunden werden.
Inzwischen weitgehend ohne Nebel, habe ich von der Scharte einen Einblick in die Rinne hinunter zum Kar, und mir scheint, dass dort unten etwas gelbes zu liegen scheint. Zurück an der „Stifte-Leiter“ der Jägerwand warte ich auf die anderen – immer noch kommen „Klettersteiggeher“ von unten herauf... – als ein Polizei-Hubschrauber unten an der Gruttenhütte startet und mit zwei Personen am langen Seil in einem Bogen zu uns heraufschwebt. Ziemlich nah an die Felswand heranfliegend, werden die Beiden in der Rinne abgesetzt, der Heli geht in Warteposition und nimmt etwas später einen Retter mit einem Bergesack auf, der unten im Kar auf das Altschneefeld abgelegt wird. In einem weiteren Anflug wird der zweite Bergretter aufgenommen und die Rinne etwas nach oben fliegend wohl auf Spuren abgesucht, dann erfolgt die Landung unten auf dem Schneefeld, die Verladung des Verunglückten und der Abflug ins Tal.

Den eigenen Gedanken nachhängend steigen wir vorsichtig den Aufstiegsweg hinab, an der Gruttenhütte vorbei und weiter zum Parkplatz an der Wochenbrunneralm.

Was und wie dieser Unfall passiert ist, spiegeln tags darauf zwei Pressemeldungen wider: klick + klick
Den Informationen nach dürfte er wohl weniger direkt auf dem Steig absteigend von einem Stein getroffen worden und dadurch in die Rinne abgestürzt sein, als diese meine pers. Vermutung:
In meiner älteren AV-Karte vom Kaisergebirge ist von der Rote Rinn-Scharte durch die Rinne hinab zum Hochgrubachkar eine schwarz-gepunktelte Linie eingezeichnet (im Winter Teil einer Skiroute). Vermutlich wollte der Verunglückte im Abstieg den Stau an der Jägerwand und den weiteren Gegenverkehr auf dem Gamsängersteig umgehen, hatte sich für die Rinne entschieden – doch als „Steinschlag-Auffangbecken“ für diesen Tag leider keine gute Idee...  :(

Offline almrausch

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Ich bin vor 3 Wochen unter der Woche über den Scharinger Boden vom Hans-Berger-Haus auf die Ellmauer Halt aufgestiegen. Diesen Aufstieg bzw. Abstieg kann ich nur unter der Woche empfehlen, da dieser noch viel Steinschlag gefährdeter ist, als der weitere Aufstieg. Ab der Roten Rinnen Scharte zur Ellmauer Halt, gab es unter der Woche keine Probleme, obwohl auch hier einige unerfahrende Gipfelasprianten unterwegs waren. Also ich kann es immer kaum glauben, wie nativ diese Gruppen sich ins Hochgebirge begeben und ihnen ist anscheinend nicht klar, dass sie durch unsauberes Gehen, andere Leute in Gefahr bringen. bzw. auch evt. Retter.  Ich hatte letzte Woche wieder ein Erlebnis bei einer geführten Brenta Druchquerung, da bleibt einem wirklich nur der Mund offen stehen. Wanderschuhe der Kategorie A , die für den Wendelstein geeignet sind, aber nicht für Schnee/Eis, Gletscher, Geröll, keine Klettersteigbremse sondern zwei Bandschlingen, drei Meter gehen und dann schnaufen wie eine Lokomotive..... Leider fehlt dann auch noch die Einsicht und die Erkenntnis, das ich damit die komplette Gruppe in Gefahr bringen kann. Ein Teilnehmer hat freiwillig abgebrochen, der andere wurde vom Führer auf der Hütte geparkt.  Die zwei mit den Leichtwanderschuhen, durften weitergehen.  Bei schon mangelnder Trittsicherheit hat das im ausgesetzten gerölligen Gelände natürlich zu Wartenzeiten geführt und die Schuhe waren natürlich schnell patsch nass.
Trotzdem war der Rest der Gruppe  nett und lustig und wir hatten eine tolle Bergsteigerwoche.
Almrausch

Offline MANAL

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Leider die Folge dass Bergwandern zu einem "Trendsport" wurde. Jetzt rennen's wie die Lemminge ohne Sinn und Verstand durch die Berge und gefährden sich und viele andere dabei.

Gemeinsam steigen wir durch das Hochgrubachkar zum Einstieg in den ausgesetzten Steig durch den sog. Gamsanger – ein felsig-schrofiges Geländeband unter den Steilwänden des Kopftörlgrats. Spätestens hier wird aus Bergwandern dann das eigentliche Bergsteigen für geübte und trittsichere Alpinisten mit gutem Schuhwerk. Doch wurden abschnittsweise Stahlseilsicherungen zur führenden Unterstützung beim üblicherweise freien Begehen dieses Steiges angebracht, die damit (ggfs. bei Nässe) die kurzen I'er-Kraxelstellen etwas entschärfen sollen. Nun, vielleicht liegt es ja am Wochenende, doch die meisten Gipfelaspiranten rüsten sich hier mit ihren Klettersteigsets aus und klinken sich anschließend auch „brav“ in jeden gesicherten Steig-Abschnitt ein – inkl. dem ordnungsgemäßen Umklinken an den Stahlstiften...

Ich bin den Gamsangersteig auch vor etlichen Jahren mal gegangen. Da auch brav mit Klettersteigset. Ohne würde ich da nicht gehen, ich finde die Route horrend ausgesetzt.


An diesem Wochenende war sowieso überall die Hölle los. Wir haben am freitag lange nach einer Hütte mit freien Plätzen gesucht. Fast alles war knallvoll. Letzendlich sind wir auf der Südwiener Hütte in den Radstädter Tauern gelandet. Ein absoluter Glücksfall, eine total nette Hütte mit hervorragendem Essen und einem herzlichen Hüttenwirt. Die Touren drumrum haben auch viel Spaß gemacht.