Hochalm

Autor Thema: 22.08.19: Chiemg. Alpen: Pidinger Klettersteig –Hochstaufen

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Offline geroldh

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22.08.19: Chiemg. Alpen: Pidinger Klettersteig –Hochstaufen
« Antwort #0 am: Sa, 24. Aug 2019, 21:03 »
Den Pidinger Klettersteig hatte ich auch schon viele Jahre auf meiner Wunschliste, mitunter ein Toureninteressent wollte sich nicht finden lassen. Impulsgeber war nun mein Bruder, der dort „mal schau‘n wollte, was so geht“...

Aus einer Tourenbeschreibung geht hervor, dass dieser Klettersteig im Jahr 2003 unter der Leitung eines Pidinger Bergsteigers in gut 1500 Arbeitsstunden errichtet wurde, wobei die Gemeinde Piding die Materialkosten finanzierte, aber die Arbeitszeit von den Erbauern ehrenamtlich eingebracht wurde. Weitere Infos finden sich in einer Pressemitteilung zur Eröffnung des Pidinger Klettersteigs, aus der „Jugendzeit“ des roBerge-Forums.

Als „spektakuläre Tour für Könner“ ist der Pidinger Klettersteig (Beschreibung, Topo und Video) technisch schwierig (D) und konditionell fordernd. Nach einem Anstieg von ca. 550 Hm sind in der Nordwand etwa 750 Hm im stellenweise senkrechten Fels zu überwinden. Im unteren Bereich bestehen zwei Notausstiege, dem Bruder zwar ernsthaft ins Gewissen geredet, hatte ich zusätzlich Band-/Trittschlingen und ein Seilstück zum Nachsichern im Gepäck.

Der nach dem BayernAtlas untere Parkplatz bei Urwies/Piding ist derzeit noch durch die Aufarbeitung des Bruchholzes aus dem „Jahrhundertwinter“ belegt, so dass wir gegen 8:45 Uhr den oberen Waldparkplatz (490m) anfahren – und gerade noch die letzte Parkmöglichkeit in einem Eck ergattern. Ist der Platz an sich groß genug, um beidseitig quer zu parken, so haben sich auf einer kompletten Seite Camper und VW-Busse in Längs-Richtung breit gemacht – und sind tw. bereits auf Tour gegangen. Und wie auf anderen Parkplätzen auch oft zu beobachten ist, belegen die Fahrer von SUFFs einen Stellplatz mit beiderseitigem „Sicherheitsabstand“, auf den sonst zwei PKWs abgestellt werden könnten...

Vorher einen Blick in die Wander-Karte geworfen, läst uns erkennen, dass der Zustieg nicht unbedingt auf der langweiligen Forststraße (u.a. Bergradler) erfolgen muß, sondern man bald nach dem Parkplatz auf einen alten Wirtschaftsweg von 1927 entlang des Leitengrabens einbiegen kann, der heute als Steig erhalten ist. Am Vortag hatte es zwar um die Mittagszeit mit dem (Dauer)Regnen aufgehört, doch der tiefliegende Hochnebel mit fast 100% Luftfeuchtigkeit im Wald bringt uns dennoch gehörig ins schwitzen.

Der Einstieg zum KS befindet sich auf etwa 1080 m – und mittendrin in der Nebelsuppe. Dennoch ist der nackte Fels überwiegend trocken und auch das Eisen ist mit den Gripphandschuhen gut zu fassen. Nur weniger „trocken“ sind die beiden Wasserblasen an Bruders Fersen, die er sich im Anstieg gelaufen hat – die neueren Bergschuhe mit dem besseren Sohlenprofil waren bei der heutigen Feuchtigkeit grundsätzlich schon die richtige Entscheidung, aber...
Der Einstieg beginnt nur kurz „leicht“, eine kleine Wandpassage ist etwas trittarm und muß bereits mit verstärkter Armkraft bewältigt werden. Mir hilft auch meine Kraxelerfahrung über diese erste Stelle hinweg, aber der wenig trainierte Bruder fühlt sich kurzzeitig schon wie der „Ochs vorm Berg“. Herausfordernd für ihn wäre sicherlich die senkrechte Wand zu Beginn des zweiten Teilstücks geworden, aber die offene Hautpartie an seinen Fersen und die Vorstellung des nötigen Abstiegs nimmt ihm jeden Spass, seine Entscheidung für die untere Ausstiegsmöglichkeit ist gefallen.

1_Pidinger Klettersteig_Wegweiser zum Einstiegsbereich.jpg


Neben der persönlichen Herausforderung ist der Pidinger Klettersteig auch für seine beeindruckenden Aus- und Tiefblicke beliebt, doch heute gilt vorerst mehr denn je das Motto „der Weg ist das Ziel“ – im dichten Nebel steige ich geführt vom Stahlseil in die senkrechte Wand des zweiten Abschnitts ein. An einem solchen Tag sind nur wenige andere Begeher unterwegs, jedenfalls nur solche mit entsprechender alpiner Erfahrung und Übung, einen „Stau“ wird es im weiteren Verlauf keinen geben. Mich verwundert es etwas, dass hier in diesem als schwer eingestuften Klettersteig auch die wenig ausgesetzten I‘er und II‘er Kraxelstellen mit einem Seil (A/B) abgesichert sind. Im weiteren Verlauf werde ich auch die Erkenntnis erlangen, dass der komplette Klettersteig inzw. durchsaniert wurde, denn sämtliche Anker der Ersterschließung sind abgeflext und durch Eisen mit doppelter und dreifacher Querschnittsfläche ersetzt. In gewisser Weise wurde der KS nun ein zweites Mal gebaut...

Am zwischenzeitlich höchsten Punkt vor der Schutzhöhle kann ich kurz die Sonne über dem Nebel erkennen, doch die A/B-Seilführung leitet mich erstmal knapp 50 Hm hinab, um eine größere Schuttrinne zu queren. Am eingenebeltem Bankerl im Schuttkessel mache ich kurze Trinkpause, bevor es in der Gipfelwand endgültig zur Sache geht. Motivierend wirkt auf jeden Fall bald der blaue Himmel über mir, die Nebelobergrenze liegt auf ca. 1550 m, leicht auf und ab schwankend.

2_August-Hochnebel am Hochstaufen.jpg


Etwas „Sorge“ macht sich breit, am Steig- bzw. Wandbuch vorbeigeklettert zu sein, doch an einer kleinen Felsschulter angebracht ist es kaum zu verfehlen. Zu Monatsbeginn (FR, 09. Aug.‘19) wurde das schöne Wandbuch mit Holzeinband durch den KS-Erbauer Sepp neu aufgelegt – es war genau der Tag, an dem ich mich bei der kleinen Zwiesel-Mittelstaufen-Überschreitung etwas arg kraftlos den Hochstaufen-Westgrat hochgemüht hatte. Weitere KS-Begeher haben am Auflagetag die erste Seite gefüllt, doch Tags darauf werden sich ein „Michi und Stefan“ mit dem Text „am 10.8.19 das erste mal da gewesen“ eintragen – doch vermutlich ist es auch ihre allererste Benutzung eines Gipfelbuches, denn der Eintrag findet ganz „jungfräulich“ auf der rechten dritten Seite statt – die linke zweite Seite bleibt komplett leer!! Ja warum Platz sparen, wenn das Buch doch noch sooo viele leere Seiten hat...

3_KS-Ausstiegsbereich_Eine-Sonnenblume-für-Steffi.jpg


Unweit des Gipfelkreuzes vom Hochstaufen (1771m) mache ich gegen 14:30 Uhr meine Rast, habe bei leichtem Südwind einen schönen Blick auf das Nebelspiel am Mittelstaufen und Zwiesel – und bald auch eine Scharr „Brotzeitgeier“ um mich herum. Es dauert nicht lange, bis sie mir auf Knie und Kopf sitzen, am Schuhbandl und an den Haaren zupfen. OK, ich gebe zu, so ganz unbeteiligt daran bin ich nicht, denn mit Studentenfutter lockt man ihn, den "Alpengeier"...

4_Der Alpengeier immer hungrig.jpg


Auch wenn ich es hier noch ein weiteres Stünderl ausgehalten hätte, dem Bruder hatte ich beim KS-Ausstieg beim Zusammenfunken zugesagt, drei Stunden später am Auto zurück zu sein. Deshalb wähle ich als Abstieg den direkten Normalweg – die Nordwestroute – hinab, die mich im Bereich mystischer Felstürmchen wieder in den Nebel hinein führt.

5_Steinerne Wächter der Nebelsuppe.JPG


Flott laufe ich an der Steiner Alm (bekannt aus dem Kinder-Frühstücksfernsehen "Anna auf der Alm" [BR, 2019]) vorbei und anschließend den vom Morgen bekannten Steig am Leitenbach entlang zum inzw. wenig belegten Parkplatz (ca. 17:30 Uhr).

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Offline BFklaus

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Am eingenebeltem Bankerl im Schuttkessel mache ich kurze Trinkpause, bevor es in der Gipfelwand endgültig zur Sache geht.
Ich bin den Pidinger im Juli 2012 mal gegangen. Damals an einem recht schönen Bergtag. Die Gipfelwand ist mir in bleibender Erinnerung geblieben, weil ich da meine letzten Kraftreserven mobilisieren musste. Ohne sehr gute Klettertechnik kommt man nämlich nur mit roher Gewalt hoch.
 
Pidinger_Ausstieg.jpg