Hochalm

Autor Thema: Trubel und Bergeinsamkeit hoch überm Königssee am 05.09.2018

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Offline BFklaus

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Trubel und Bergeinsamkeit hoch überm Königssee am 05.09.2018
« Antwort #0 am: Fr, 07. Sep 2018, 13:13 »
Der verregnete Septemberanfang hatte die geplanten Bergaktivitäten mit meiner Tochter stark eingeschränkt. Nach einigen kurzen, nassen Touren in den Chiemgauern wollten wir den ersten schönen Tag für eine gescheite Tour in den Berchtesgadenern nutzen.

An der Bootsanlegestelle Seelände passierten wir die langen Warteschlangen und liefen dann am noch menschenleeren Malerwinkel entlang, hoch zur Rabenwand. Der Königssee unter uns versteckte sich unter einer dicken Nebeldecke, von St. Bartholomä war nichts zu sehen. Der Weiterweg zu den oberen Königsbachgumpen war zwar durch einen Baumstamm „versperrt“, oben hatte sich aber trotz der Schikane und der Morgenkühle eine Handvoll offenkundiger YouTube-Jünger eingefunden, die fleißig filmten und fotografierten. Ein junger Mann traute sich sogar in die überaus erfrischende, natürliche Badewanne mit Königsseetiefblick.  #zitter
Die Nationalparkverwaltung hat jetzt im Bereich des dicht bewaldeten Gumpenplateaus ein großes, gut sichtbares Hinweisschild angebracht.
01_Königsbachgumpen.jpg

Einen Steinwurf davon entfernt sind zwei ziemlich frische Feuerstellen mit angekohlten Ästen, runtergebrannten Kerzenstummeln und Zigarettenkippen zu bewundern. Die Dummheit und Ignoranz mancher „Naturfreunde“ kann schon wütend machen.

Über den „vergessenen“ Jägersteig ging es dann steil aufwärts zum Wanderweg Richtung Königsbachalm, vorbei an einem esoterischen Steinkreis mit bunten Fähnchen. Mein geschultes Pfadfinderauge  ;D registrierte dabei messerscharf, dass hier seit meinem letzten Besuch höchstens drei Bergsteiger gelaufen sein können. Die im Forum kürzlich geäußerte Befürchtung einer „Erschließung“ der Gumpen vom Hochbahnweg aus hat noch nicht begonnen  ;).

An der Königsbachalm ging es zu, wie auf dem Viktualienmarkt am Samstagvormittag  #bier2#. Endlose Karawanen von Seilbahnwanderern fluteten den Wanderweg von der neuen Mittelstation zur Alm. Viel Betrieb war auch an der Grassl-Enzianbrennhütte und sogar die Priesbergalm war extrem gut besucht. Letztere wird seit Kurzem übrigens von Franken betrieben. Die Burschen hatten den Massenansturm souverän im Griff, der Kaffee ist trinkbar, das gemischte Speck-Almkasbrot war lecker #essen1#.

Etwas ruhiger wurde es dann auf dem Weg zum Seeleinsee durch den Stiergraben. Trotz fehlender Seilbahnunterstützung kamen uns immerhin noch etwa zwanzig Kloane-Reibn-Wanderer entgegen, die Hälfte davon mit Hunden.

Der Steig zum Hochgschirr war noch weniger begangen. Richtig einsam wurde es aber erst ab dem Frauenwandl, vis-a-vis zum bewölkten Kahlersberg.
Am sonnigen La(a)feldkopf war eine längere Verschnaufpause dringend notwendig. Langsam machten sich die Höhenmeter und Kilometer bemerkbar. Obwohl die meisten der hohen Nachbargipfel in Wolken lagen, war die Aussicht immer noch beeindruckend schön.
02_Laafeldkopf.jpg


Leidlich erholt begaben wir uns auf den „kurzen“, unbezeichneten Weg durch die Rosengrube zur Gotzenalm, die im Telezoom zum Greifen nah scheint. Das unschwierige Steiglein (W3) ist zumindest im oberen Teil ganz ordentlich mit Steindauben markiert, etwas Orientierungssinn schadet aber nicht.
03_Gotzenalm.jpg


Der absolute Höhepunkt der Tour war die Begegnung mit einem Prachtexemplar von Steinbock, der sich minutenlang in Position stellte, während er sicherheitshalber schon mal sein Revier markierte.
04_Steinbock.jpg


Da war die Gamsherde erheblich schreckhafter. Die stark bejagten Tiere teilten sich in zwei Gruppen auf, die in entgegengesetzte Richtungen flohen, sobald sie erkannt hatten, dass sich unsere Wege kreuzen würden. Die nordwärts flüchtende Gruppe erwischte ich gerade noch mit dem Tele.
05_Gams.jpg


Mit einer halbstündigen Verspätung zur gewohnten Kaffeetrinkzeit erreichten wir die Gotzenalm. Dort ergatterten wir die letzten Kuchenstücke, was meiner leicht unterzuckerten Tochter die gute Laune rettete. Für die Rückfahrt per Boot ab Salet oder Kessel waren wir leider zu spät dran. Da blieb nur noch der elend lange Fußmarsch übrig.

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Offline Reinhard

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Danke, BFKlaus, für diese Information  ...

Passend zu Deinen Anmerkungen hinsichtlich der Youtube-Jünger und der letzten Diskussion über die Königsseeostuferrunde erschien heute dieser Artikel auf bgbland24.de:
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Mit Flip-Flops zum "Influencerbecken"


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