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16.08.18: Kaisergebirge: Kufsteiner Klettersteig mit Westkaiser-Überschreitung 1

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Offline geroldh

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  • "Berg ist niemals Alltag"
    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Vor genau zehn Jahren wurde im Kaisergebirge das jüngste Klettersteigprojekt (Infos mit Topo) realisiert (vgl. roBerge-Forum) und vor Jahren bereits wollte ich diesen anspruchsvollen, etwas abgelegenen Sportklettersteig (Übersicht: Rot=Klettersteig, Gelb=Güttlersteig) angehen, doch der erste Versuch mit Zustieg „von oben“ wollte aufgrund eines Gewitters nicht klappen – und danach ist er mir etwas aus dem Bewußtsein gerückt, hatte ich doch das „richtige“ Felskraxeln für mich entdeckt.
Die Wetterbesserung zum Feiertag „Mariä Himmelfahrt“ hatte sich verzögert, doch für den nächsten Tag war super-stabiles Sommerwetter angesagt – und dieses wollte ich nun nutzen, um zuerst den im kühlen Schatten der Nordwand gelegenen Klettersteig und anschließend vom Sonneck aus die komplette Gratüberschreitung nach Westen zu machen.

Mit dem Meridian geht es gleich mit dem ersten Zug des (Werk-)Tages nach Kufstein (480 m) und um 06:35 Uhr beginnt meine Solo-Tour am Bahnhof. Zuerst marschiere ich durch die morgendlich ruhige Fußgängerzone, um dann in nordöstlicher Richtung am Parkplatz des Brentenjoch-Liftes vorbei möglichst schnell den Ortsteil Sparchen zu erreichen (7:00 Uhr). Ein kurzer Blick auf die dortige Bushaltestelle zeigt mir, dass es womöglich auch eine (passende?) Busverbindung ab dem Bahnhof gegeben hätte (Stadtbus Nr. 2; Linie 4030), aber damit habe ich mich im Rahmen der relativ spontanen abendlichen Vorbereitung nicht beschäftigen mögen...

In der morgendlichen Kühle geht es zügig die Stufen zum Kaisertal hinauf und auf dem Fahrweg passiere ich den Pfandlhof. Kurz dahinter wähle ich den oberen Weg an der bekannten Antoniuskapelle (ca. 860 m; 8:15 Uhr) vorbei, denn beim nahegelegenen Hinterkaiser-Hof beginnt der historische Zugang in das hintere Kaisertal, sogar als „schöner Wanderweg“ ausgeschildert. Der Brunnen der Klaushütte (ca. 740 m; 8:45 Uhr), wieder unten am heutigen Hauptfahrweg, bietet mir eine kühle Erfrischung, doch die beiden Wasserflaschen bleiben weiterhin leer. Gleich nach dem gepflegten Karg-Gartl möchte ich den „markierten“ Aufstieg etwas abkürzen und wähle in südl. Richtung den Wirtschaftsweg in den Straßwalchgraben hinein. Am Wendepunkt parkt der „Jaga-SUV“, den ich zuvor unter mir vorbeifahren sah, hier beginnt ein unmarkierter, aber gut zu findender (Jaga-?)Steig hinauf zur direkt am Bettlersteig gelegenen Straßwalch-Jagdhütte (1117m; 9:45 Uhr). Ausgerechnet dort macht auch gerade eine größere (holländische?) Wandergruppe etwas lautstark Rast, doch während ich durch den Zaun hindurch meine beiden 1-Liter-Wasserflaschen am Brunnen befülle, ziehen sie weiter zur nächsten Berghütte...
Meine ältere AV-Karte verrät mir von der Jagdhütte aus eine „dünn-gepunktelte“, unmarkierte Abkürzung, um auf den Güttlersteig zu gelangen, ich suche etwas – und tatsächlich, auch der Jäger hat seit Urzeiten keine Lust das spitze Eck der markierten Wanderwege auszugehen. Zügig geht es im lichten Bergwald hinauf und ich hole einen anderen „Soloisten“ ein, dessen am Rucksack befestigter Klettergurt mir verrät, dass Andi und ich das selbe Ziel ansteuern. Gemeinsam steigen wir über das Schuttkar zum Einstieg des Kufsteiner Klettersteigs (ca. 1600 m; 11:15 Uhr).

Dieser beginnt im unteren Teil relativ zahm, ohne Klettersteig-Seil ist es I-er und II-er Kraxelgelände – und so suche ich mir meine Route beiderseits des Seiles bis unterhalb der sog. „Schwarzen Wand“ meißt selbst. Den Klettersteig jeweils alleine zu durchsteigen wäre mental etwas anspruchsvoller, so aber haben wir uns zusammen geschlossen, sollte irgend etwas passieren, wäre Unterstützung nahe. Ich versuche möglichst viel an den Fels zu greifen, doch einige glatte Passagen verlangen den beherzten Griff ans Stahlseil oder den Tritt auf die Stahlbügel. Nach gut zwei Stunden steigen wir hinter dem Gipfelkreuz aufs Untere Gamskarköpfl (1975 m) hinaus und machen dort etwa eine halbe Stunde Pause, die Ausrüstung wegpackend. Kurz zum Normalanstieg Güttlersteig absteigend geht es auf diesem etwa eine Stunde hinauf zum Gipfelkreuz des Sonnecks (2260 m; 15:00 Uhr) – dort werden sich unsere Wege wieder trennen.

(Fortsetzung folgt)

Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Wenige Tage vorher hatte sich jemand unten am Gamskarköpfl mit den Worten „von Kufstein nach Kufstein“ ins GB eingetragen – aber welche Route er wohl für den Rückweg gewählt hatte? Für mich jedenfalls bildet das Sonneck heute den östlichsten (Umkehr-)Punkt meiner Runde und ich habe mir überlegt den kompletten Westkaiser bis hinüber/-unter zum Hochegg zu überkraxeln. Die Überschreitung von Wiesberg und Hackenköpfe habe ich bereits mehrmals von der anderen Richtung aus gemacht und den weiteren Gratverlauf über den Scheffauer hinaus habe ich im Vorjahr bei zwei Touren erkundet – einmal bei meiner anderen großen Solo-Rundtour via Zettenkaiser (18.06.17) und das andere Mal als (weitere) “Abstiegsalternative“ vom Scheffauer (06.07.17).

Immer gen Westen, der Sonne entgegen, geht es mit kleineren Kraxeleinlagen über den Westkamm, um diese Zeit hätte ich kaum mehr mit „Gegenverkehr“ gerechnet, doch an der "Scheffauer Lucke" kommt mir ein älterer Bergsteiger entgegen, der immerhin noch via dem Güttlersteig und das Kaisertal hinaus zurück nach Kufstein möchte. Wenig später trage ich mich am Scheffauer (2111 m; 17:30 Uhr) in das GB ein, überprüfe kurz meine Konstitution und noch bevor die wohl letzten Tagesgäste zum Kreuz hochsteigen breche ich auf, um westlich in die „Grübler Lucke“ (ca. 1850 m; 18:15 Uhr) hinabzusteigen. Über den „Weg der Gämsen“ kraxele ich vorsichtig in der Südflanke und stehe wenig später ein weitere Mal in diesem Sommer am Gipfelkreuz des Zettenkaisers (1968 m; 18:45 Uhr). Dort nochmals die Konstitution geprüft ist für mich schnell klar den weiteren Westgrat noch „mitzunehmen“, schließlich habe ich extra für die kleine Schlüsselstelle noch den kurzen 11m-Strick als Abstiegserleichterung eingepackt. Im Vorjahr beim Versuch zu traversieren noch etwas verhauen kenne ich nun den Zacken über den es leichter oben drüber geht und nun stehe ich tatsächlich auf den Grüblerkaiser (1866 m; 19:45 Uhr). Inzwischen liegt der Hintersteiner See bereits im Schatten und im weichen Licht der demnächst untergehenden Sonne geht es geschwind über den letzten Gratausläufer, die Latschengasse und den Grat hinab zum Hochegg (1470 m; 20:15 Uhr) – just zu dem Zeitpunkt als die Sonne den entfernten Horizont berührt.
Endlich wieder ein „vernünftiger Weg“... – das Jaga-Brünndl spendet mir wieder das nächste Wasser, schmeckt aber ein wenig fad, ich freue mich auf ein kühles (und schnelles) Bier auf der Walleralm. Doch welche Enttäuscheung, dort ist um 20:45 Uhr alles verlassen, es gibt wohl keine Übernachtungsgäste, und auch bei der Stöffelhütte sind die Bänke bereits hochgeklappt. Schade, aber es hilft nix – ich überlege anhand der Karte welche weitere Route mich wohl am schnellsten nach Kufstein zurück bringt, entscheide mich dann aber doch für den aus dem Vorjahr bekannten Weg, den ich nun fast vollständig mit der Hirnbirn als Nachtwanderung über das Gehöft Köllenberg und die Locherer Kapelle zurücklege. Inzwischen merke ich auch die Höhenmeter des Tages und die zwei kleineren Gegenanstiege empfinde ich als unnötige Schikane. Es ist (doch erst) kurz nach 22:00 Uhr als ich die Innbrücke in Kufstein überquere, den vorletzten Zug habe ich damit knapp verpasst – dadurch aber die Zeit erhalten meinen Energiehaushalt mit einem Liter Bier und einer Pizza wieder aufzufüllen, bevor mich der letzte Zug des Tages kurz nach Mitternacht in Rosenheim absetzt.

Wahnsinnstour! #respekt#

Ich frage mich schon seit langem, wie viel Kaiser wohl ein "Normalbergsteiger" von Kufstein aus mit den Öffentlichen an einem Tag schafft. Bisher kenne ich nur Naunspitze und Stadtberg. Der Kaiser blieb mit sehnsüchtigem Blick außen vor!

Offline Zeitlassen

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  • ...und immer schön zeitlassen...
Wahnsinnstour! #respekt#

Ich frage mich schon seit langem, wie viel Kaiser wohl ein "Normalbergsteiger" von Kufstein aus mit den Öffentlichen an einem Tag schafft. Bisher kenne ich nur Naunspitze und Stadtberg. Der Kaiser blieb mit sehnsüchtigem Blick außen vor!
Da schließe ich mich an:
 #respekt# und danke für die schönen Fotos

GeroldH und "Normalbergsteiger" - zwei Welten treffen aufeinander... #hihi#

Offline eli

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  • Bergeinsamkeit ist Ewigkeit
Da kann ich mich auch nur voll und ganz anschließen: Da Wahnsinn! #danke1# #super1#

Obwohl,   #gruebel# die letzte Stunde der Runde hätte ich auch geschafft !  #hihi#

Na hawedere

eli