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30.04.17: Chiemg. Alpen: Via „Zeitreise“ auf'n Laubenstein – Entdg. „Blödelwand"

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Offline geroldh

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  • "Berg ist niemals Alltag"
    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Nach einem (zu) warmen März #fruehling1# folgte ein (zu) feuchtkalter April  #schnee#  – und das Ergebnis ist derzeit viel Neuschnee in den Bergen... So läßt sich entweder die „Schneeschuhsaison“ verlängern – oder man kann sich nasse Bergstiefel im tw. über knietiefem Schnee holen.
Uns in große Höhen hinaufwühlen wollten wir nicht, wo es herunten doch so schön Frühling ist  #butterfly#  – und so sollte unser Tagesziel der „Weg“ sein: Wir wollten uns auf „Zeitreise“ begeben (vgl. „Zeitmaschine BayernAtlas“) und schauen, was im Waldbereich an alten Pfaden noch wie vorhanden ist – und erst zweitrangig sehen, ob es eine vernünftige Spur auf den Laubenstein gibt...

Am großen Parkplatz „Lederstube“ bei Frasdorf waren wir an diesem Sonntag mit tiefblauem und wolkenlosem Himmel  #sonne6#  natürlich nicht alleine, aber die Massen kennen sowieso nur eine Richtung...  #hihi#  – wir wechseln auf die andere Bachseite und steigen einsam zum verfallenen Einödhof Waizenreit auf (Bilder 1), von dem aus wir einen alten Weg im Hang begehen wollen, der noch heute in der Topographischen Karte des BayernAtlas verzeichnet ist. Anfangs sind wir noch ganz bequem auf einem Waldweg unterwegs, aber ab einem Quellgebiet werden wir zu Pfadfindern und müssen über einiges an Totholz und in einem durch Abholzung lichten Grabenbereich durch dichten Bodenbewuchs steigen. Von der alten Wegtrasse (ab 1974 verzeichnet) sind im Gelände noch leichte Spuren zu erkennen, aber dieser „Höhenweg“ ist heutzutage nur noch etwas für „Naturpuristen“ mit Orientierungssinn...

Wir kreuzen die „Wanderpiste zur Frasi“ (ggfs. seit 1911, sicher seit 1936 verzeichnet) und auch den Bach Ebnater Achen und steigen am gegenüberliegenden Hang auf. Dort wollen wir nach einem alten Höhenweg schauen (ab 1936 verzeichnet), der das auf der Anhöhe gelegene Gehöft Soilach mit dem Zellboden verbindet. Entgegen der aktuellen Topo-Karte im BayernAtlas wurde der erste (kurze) Teil in den letzten Jahren von einem neuen Forstweg „gefressen“, aber ab dem ersten Graben ist der Steig, der der 840er Höhenlinie folgt, auch mit der heutigen Schneeauflage gut begehbar (Bild 2 unten) – hölzerne Stege und Geländer zeigen an, dass er noch gepflegt wird. Etwas westl. der Häuser von Zellboden mündet der Steig in eine Forststrassenkurve ein, aber gegenüber des Baches ist im Gelände noch eine kurze, heute ungenutzte Fortsetzung auszumachen.

Von Zellboden nutzen wir den heute noch als Wanderweg markierten Pfad (seit 1911 verzeichnet) an der Kapelle bei der Schmiedalm (früher Richteralm; Bild 3 oben), dem Almkreuz und dem „Paradies-Esel“ (Bild 3 unten) vorbei hinauf in die Senke (ca. 1120m) zwischen Riesenberg und Laubenstein. Seit 1995 verzeichnet, verschandelt dort eine Forstautobahn das inzwischen ziemlich freigeholzte Gelände und hat dabei noch einen (mittleren) Teil des historischen Weges (seit 1911 verzeichnet) hinab zur Hofalm „gefressen“. Ein Stückchen weiter, am Wegweiser „Taferlbaum“, gabelt sich die ausgetretene Schneespur auf in Richtung (geschlossene) Riesenhütte und zu den Laubensteinalmen (Bild 4 oben). Auf unsere Erkundung hin erhalten wir die Auskunft, dass auf den Laubenstein hinauf gespurt ist, und so wird dieser Aussichtsgipfel (1350m; Bild 4 unten) doch noch unser Tagesziel.

In Anbetracht des tiefen Schnees neben der ausgestapften Spur verwerfen wir die spontane Idee mit dem einsameren Abstieg durch den Graben mit der Hammerbachquelle und steigen die nun in der Nachmittagssonne immer weicher werdende Spur zurück. Es ist schon erstaunlich, wie „heiß“ es im windstillen Südwesthang oberhalb des Eiskellers werden kann: Der Schnee reflektiert die bereits hochstehende Frühjahrssonne – und in knapp zwei Monaten ist sowieso schon wieder Sommersonnenwende...  ::)

Unterhalb der 1000m-Höhenlinie nimmt die Schneedicke rapide ab, wir nähern uns auf dem bereits erwähnten historischen Weg (Bild 5 oben) der Hofalm (Weidebetrieb im Sommer) – und erkennen, dass diese „Weißbierquelle“ heute doch tatsächlich geöffnet hat – kurz darauf stoßen wir auf einem sonnigen Bankerl auf den schönen Tag an...  :azn: 

Den „alternativen“ Abstieg von der Hofalm (z.B. nach Sagberg) kennen wir bereits, und da wir heute doch auf „Zeitreise“ sind, wollen wir uns das Gelände unterhalb des Aschauer Kopfs anschauen, ist doch bereits 1911 ein Steigerl in nördliche Richtung verzeichnet. So folgen wir dem heute vorhandenen Wirtschaftsweg, der sich am freigeholzten Grat vor dem Aschauer Kopf zuerst in Spurrillen und anschließend im Gelände verliert – von einem ggfs. früher vorhandenen Steig (ohne Hangabgrabung!) ist hier leider nichts (mehr) zu erkennen. So müssen wir selbst schauen, die unterhalb der Rettenwand verlaufende Almstrasse (erstmals  1911 verzeichnet) zu erreichen, doch immerhin könnte wenig später ein kleiner neuzeitlicher Ausholzungsweg hinab helfen...

Fazit dieses Tourentages: Als weitere Ergänzung zur pers. Bereitschaft (und Fähigkeit!) die üblichen Wanderwege zu verlassen, können historische Karten helfen, zusätzliche „Wandermöglichkeiten“ zu erkunden. Solche „Erforschungserlebnisse“ bieten meißt eine zusätzliche Abwechslung, resp. „Würze“, in einem oftmals bekannten Gebiet – und das, ohne weit fahren zu müssen, um persönliches „Neuland“ zu erreichen.
Doch so manche Entdeckung oder Überraschung hält ein Gebiet für den aufmerksamen und neugierigen Bergler ganz ohne Karten bereit: Auf dem Weg zurück zum Parkplatz konnten wir ein am Morgen zufällig gesehenes Steigerl (mit)nutzen, das sich wohl die Einheimischen in all den Jahren ausgetreten haben – und zwischendurch konnte ich zufällig an einem schwer zugänglichen Ort ein Holzbrettchen entdecken (Bild 5 unten), das die eingebrannte Aufschrift „Blödelwand“ trägt...  #lacher#

Wir haben uns heute auf die Suche nach der Blödelwand  ;)  gemacht und waren erfolgreich !
Gefallen haben uns dann beim Abstieg von der Blödelwand  der urwüchsige Mischwald mit vielen alten riesigen Buchen, schönen Bauformatationen und Totholz.
Vom Bauernhof Weizenreit sind nun nach einem Jahr nur noch Mauerreste zu finden. Der Ziehweg der sich vom Hof nach Süden zieht, wird dann ein schöner Pfad der durchgängig zur Forststraße führt, die Sagberg mit dem Zellboden verbindet.
Zurück sind wir den netten Steig der vom Zellboden bis fast nach Soilach führt.
Zwischenzeitlich habe wir uns auf die weglose Suche nach der Blödelwand, die gemäß Bayernatlas natürlich nicht so heißt begeben. Auf der Rückseite der Wand befindet sich nicht ganz einfach erreichbarer potthäßlicher mit Planen (Tarnung ?) abgedecker Jägerstand. So was habe ich noch nie hier in den heimischen Bergen gesehen. Auf dem Aufstiegsweg/Kletterstelle (recht einfach, aber ausgesetzt) prangt ein kleines Schild "Felssturz"

Fazit: schöne Tour für das Frühjahr in der Einsamkeit (aber nah an den Massen die sich Richtung Frasdorfer Hütte wälzen), wunderschöner Natur, mit kleiner kurzer und recht einfacher (aber ausgesetzer) Klettereinlage, die man in so einem Gebiet gar nicht erwarten würde..
Almrausch