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Autor Thema: Schafsiedel - (...) - Salzachgeier Überschreitung, am 18.-19. August 2016  (Gelesen 4132 mal)

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Schafsiedel - Aleitenspitze - Schwebenkopf - Fünfmandling - Molterfeldgeier - Salzachgeier Überschreitung, am 18.-19. August 2016

Grüß Gott liabe Leut',

Den nun folgenden Tourenbericht will ich eigentlich schon seit Ende August schreiben, und die Fotos dazu stehen auch schon längst bereit, aber meine spärliche Freizeit erlaubte es mir (letztens auch wegen des Montagsrätsels) leider nicht mehr, den Bericht dann auch tatsächlich zu schreiben. Durch den aktuellen Nikolaus-Contest extra angespornt, habe ich mich heute endlich aufgerafft, meine Erlebnisse mit euch zu teilen.

Nur selten schreibe ich Tourenberichte im Forum, erstens weil ich generell nur wenig Besonderes zu berichten habe, und zweitens weil ich damit meistens zu spät dran bin wodurch meine Berichte nicht mehr aktuell wären. Doch dieser verspätete Bericht behält seine Relevanz, da er im Grunde einige alte und noch unbeantwortete Fragen im Forum beantwortet, und zwar eine Frage aus dem Jahre 2006 (Link) und eine aus 2015 (Link).

Dieser Tourenbericht beschreibt eine (von vielen) meiner langgehegten Wunsch-Bergtouren, nämlich die Schafsiedel - Salzachgeier Gratüberschreitung in den Kitzbüheler Alpen, im Alleingang. Obwohl die Tour schon seit langem in meinen Gedanken schlummerte, erfolgte die Umsetzung dann relativ spontan und unvorbereitet, als für die letzten 2 Tage meiner Sommerferien etwas unerwartet noch zwei wettermäßig sonnige und stabile Tage vorhergesagt wurden: Eventuelle Restwolken der vorhergegangenen Kaltfront würden sich am frühen Vormittag des 18. August auflösen und darauf würde es in ganz Tirol warm und sonnig werden, mit geringer Chance auf vereinzelte Regenschauer am späten Nachmittag, gefolgt von einem ganztägig stabilen und klaren Sommertag.

Mein Plan war: Spaß statt Stress, daher am ersten Tag erstmal ganz gemächlich zur Neuen Bamberger Hütte ('NBH') zu gehen, dort meine Schlafausrüstung zu deponieren und dann "erleichtert" über die Streitfeldenalm weiter bis auf den Tristkopf (2361 m) zu steigen. Sollte am späten Nachmittag eventuell doch (unwahrscheinlich) Regen einzetzen, dann müsste ich schon lange wieder im Abstieg oder sogar schon wieder zurück in der NBH sein. Am Kröndl war ich zuletzt 2013 noch oben, den konnte ich also dieses Mal auslassen.
Der zweite, stabilere, Tag war für die Gratüberschreitung mit anschließendem Abstieg nach Königsleiten (!) vorbehalten. Ich wollte während dieser anspruchsvollen und teilweise weglosen Unternehmung im Alleingang ja nicht in dichten Nebel oder gar in den Regen (wg. Rutschgefahr) geraten! Und deswegen brauchte ich mir am zweiten Tag wohl keine Sorgen zu machen - voraussichtlich jedenfalls......

Forsetzung folgt...

roBerge.de

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« am: 03.12.2016, 17:54 »

Offline Brixentaler

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Weiter geht's mit der 1. Fortsetzung:

1. Tag

Nachdem ich am Abend zuvor telefonisch auf der NBH (die im letzten Frühjahr generalsaniert und umgebaut wurde: DAV Pressemitteilung) einen Lagerplatz reserviert hatte, und am darauffolgenden Morgen zuerst noch ein kurzer Termin und ein Einkauf zu erledigen waren, war erst um 10:15 Abmarsch beim Gh. Wegscheid (1148 m) im Kurzen Grund.
Doch bereits bei der Anfahrt in den Kurzen Grund zeigten sich die Wolken und Nebel hartnäckiger, als vorhergesagt. Von Sonne war zum Abmarschzeitpunkt noch nichts zu sehen und alle Gipfel steckten in dichten Wolken. Aber wenigstens war es trocken.

#noproblem#  #passtscho#

Auf halbem Weg zur Hütte lockerte es dann doch noch auf und es wurde direkt sehr schwül-warm aufgrund der vielen Feuchtigkeit im Boden. Meine Ankunft auf der 1756 m hoch gelegenen NBH war um 12:30, d.h. bis hierher hatte ich seelenruhig 2 Std. 15 Min. gebraucht. Spaß statt Stress!
Ich belegte mein Lager und sah mich in der neulich sanierten Hütte um. Es ist wirklich schön geworden: alles aus (Fichten)Holz, das gefällt mir. Nur... das Matratzenlager hat von der Sanierung leider wenig abbekommen - und die Matratzen sind zudem stark in der Zahl reduziert: nur mehr 6 brauchbare Lagerplätze gibt es auf der NBH, wenn man die 2 vollkommen unbrauchbaren Lagerplätze nur wenige cm unterhalb der schiefen Decke nicht mitzählt. Schade!

Kurz nach 13:00 setzte ich meinen Weg in Richtung Tristkopf fort. Ich hatte erwartet, dass die Bewölkung inzwischen weiter abgenommen hätte, doch stattdessen hatte sie nur zugenommen und war zudem vielmehr in die Höhe gewachsen. Was denn jetzt tun, es schaut fast nach Gewitter aus? Ach Schmarrn, das wird schon gut, es sollte ja noch ganz aufheitern und frühestens erst am späten Nachmittag möglicherweise vereinzelt regnen, wie es die Herren und Damen Meteorologen der ZAMG (ORF & ÖAV) versprochen hatten... #angel#

Doch aller meiner positiver Energie und Gedanken zum Trotz... die Wolken wurden nur dichter bzw. es entwickelte sich eine drohende Gewitterstimmung. Auf der Streitfeldenalm sah ich im Rückblick über der Wildschönau und über Wörgl bereits heftige Regenschauer niedergehen. Am Nadernachjoch (2100 m), keine Stunde mehr vom Gipfel des Tristkopfes entfernt, angekommen, zog ein kräftiger kalter Wind auf und dichte Wolken jugen über den Salzachgeier und Schafsiedel; es zog rapide zu. Mir war nicht mehr ganz geheuer, und weitergehen machte aufgrund der nun fehlenden Aussicht am eingehüllten Gipfel sowieso keinen Sinn mehr, also trat ich um 14:15 den Rückzug an.
Do ko ma nix mochn!

Lediglich ein paar Regentropfen hatte ich noch abbekommen bevor ich um 15:15 wieder die NBH erreichte, rundum war mittlerweile alles eingehüllt und es war kalt geworden. Schnell rein in die Hütte. Zum Glück hatte ich (nicht umsonst, wie sich jetzt zeigte) einen National Geographic-Magazin zum Lesen mit heraufgeschleppt. Als um etwa 18:00 die erste Gruppe (eine Familie) sich zum Abendessen hinzetzte, fand ich es auch an der Zeit.
Aufgrund der m.E. nicht geringen Preise für ÜN+Frühstück auf der NBH, hatte ich Befürchtungen für die Menüpreise. Aber sowohl bzgl. der Preise, als auch bzgl. der Auswahl, wurde ich positiv überrascht: Beides fand ich sehr angemessen für eine Berghütte. An meinem Bergsteigeressen (Spaghetti Bolognese) mit Salat für nur €8 gab es nichts zu bemängeln und es war auch genug.

Nach dem Essen kam ich noch ausführlich ins Gespräch mit einer geführten Bergwanderergruppe, von denen sich die Itterer Bergwanderführerin zufällig als Bekanntschaft entpuppte. Eine überraschende Begegnung und ein unterhaltsamer Abend; es war mir ein Vergnügen!

Fortsetzung folgt...

Offline Brixentaler

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Und schon die 2. Fortsetzung:

2. Tag

Die Nacht habe ich - dank Ohrenstöpsel ;) - gut überstanden, obwohl nicht im Dornröschenschlaf, aber immerhin besser als in einer windigen Unterstandshütte (also waren meine bisherigen nächtlichen Berg-Erfahrungen ::)).
Das Frühstück ab 7:00 war einfach aber völlig ausreichend: Braunbrot, Käse und verschiedene Wurstsorten, verschiedene Aufstriche wie Marmeladen, gekochte Eier, einfache Cornflakes mit Milch, und Kaffee und Tee, alles so viel man haben wollte.

Erst kurz nach 8:30 war ich "im 2. Anlauf" wieder unterwegs, nachdem ich zuvor nach 10 Minuten wieder umkehren musste, weil ich den Lagerschlüssel noch in der Hosentasche hatte! Was man nicht im Kopf hat... genau :-[.
Der Weg an den Wildalmseen vorbei zum Schafsiedel gehört zu den schönsten Wanderrouten in den Kitzbüheler Alpen - und was mich betrifft zu den schönsten Wanderrouten in den Alpen überhaupt. Bei diesem Wetter (leicht wolkig, aber kristallklare Luft) und zu diesem (ruhigen) Zeitpunkt einfach Genuss pur 8)! Mit zahllosen Abstechern und Umwegen zum Fotografieren, erreichte ich um 11:15, also nach gut Zweieinhalb Stunden, den Gipfel des Schafsiedels (2447 m). Spaß statt Stress - der Tag ist noch lang!
Nach einer kurzen (Jausen- und Foto-) Pause ging es über Steigspuren über den Grat weiter zur Aleitenspitze (2449 m). Diesen Abschnitt ging ich etwas zügiger und dafür brauchte ich kaum 20 Minuten. Von hier hat man zum ersten Mal einen unbeschränkten Blick auf die gesamte noch folgende Gratüberschreitung...... es sah zwar nicht wirklich problematisch aus, aber vielleicht doch etwas weiter als gedacht. Also keine Zeit mehr verlieren.

Von der Aleitenspitze führen, anfangs ziemlich steil, gut erkennbare Steigspuren vom Gipfel in südliche Richtung in die östliche Gratflanke hinunter. Somit umgeht man einige Felsen am Grat und nach wenigen Minuten wird der Steig flacher und steigt wieder leicht an, um zum Grat zurückzukommen. Allmählich lösen sich die Spuren aber auf.
Bald nähert man sich ein paar wilden Felsköpfen, die den Gipfelbereich des Schwebenkopfes markieren, und die ich abermals östlich in der felsdurchsetzten Steilgrasflanke umgangen habe - Allgäuer wären hier voll auf ihre Kosten gekommen. Dabei kam ich vielleicht etwas weiter als nötig vom Grat ab und musste dadurch leider wieder (in der prallen Mittagssonne #sonne1+) ziemlich weit zurück hinaufsteigen.
Abwechselnd über Gras, Geröll und einfaches Blockgelände, kommt man dem von weitem erkennbaren Grasbuckel des Fünfmandlings (mit fünf Steinmandln obendrauf) immer näher. Nach einer Scharte und einem letzten steilen Aufschwung stand ich um 13:30, gut eineinhalb Stunden nach dem Verlassen des Schafsiedels, auf dem Fünfmandling (2403 m). Hier machte ich dann erst mal wieder eine Jausenpause.

Bis hierher war das Gelände allgemein gut begehbar, bzw. Hindernisse waren umgehbar, und das Wetter war überwiegend sonnig und warm, wenn auch leicht bewölkt. Doch das alles änderte sich ab jetzt ziemlich schnell und unerwartet.
Erstens gab es unmittelbar nach dem Fünfmandling-Gipfel die erste "Schlüsselstelle", nämlich einen knapp 10 m hohen grasdurchsetzten Felsabbruch (UIAA II+?), im Abstieg zu bewältigen. Im Nachhinein fand ich zwar heraus, dass es durch die (steile) Westflanke des Fünfmandlings eine fast waagrecht verlaufende Umgehungsmöglichkeit gegeben hätte - aber wenn man von Norden kommt, ist die Flanke nicht einsehbar! Trotzdem war der Felsabbruch bei den herrschenden (trockenen) Verhältnissen mit einem kleinen bisschen Klettergeschick nicht schwer zu meistern - bei Nässe jedoch äußerst unangenehm und für mich wohl ein Umkehrpunkt gewesen. Doch das war erst der Auftakt zur bald folgenden allgemeinen Geländecharakteristik, aber dazu später mehr.
Zweitens schien sich das Wetter zusehends zu verschlechtern: Die Wolken reichten immer weiter herunter und wurden dichter (siehe letztes angehängtes Foto), die Sonne ließ sich nicht mehr blicken und die vorhin sehr schwache Brise von Westen wurde zu einem lebhaften frischen Wind. Aber keine Sorge, das Wetter sollte heute ja stabil und sonnig bleiben...... ???

Fortsetzung folgt (morgen)...

Offline Brixentaler

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Und schließlich das Finale:

Der Abstieg vom Fünfmandling und der gleich anschließende Aufstieg zum Molterfeldgeier (2422 m) waren zusammen in genau 15 Minuten geschafft. Der von Wolken getrübte Blick über den weiteren Routenverlauf (schmaler Blockgrat) beunruhigte mich aber doch etwas. Das Problem war für mich nicht die technische Schwierigkeit sondern vielmehr die Routenfindung, angesichts der Tatsache, dass immer mehr Nebelfetzen über den Grat wehten und nur mehr kurzzeitige Durchblicke zuließen - gerade wenn das Gelände anspruchsvoller und unübersichtlicher wird! Und unangenehm frisch wurde es auch noch dazu :(. Also schluss mit "Spaß statt Stress". Zum Glück blieb es wenigstens trocken... vorerst mal.

Der Weiterweg ab dem Molterfeldgeier zum Salzachgeier, mit kurzen Kraxeleinlagen am Blockgrat, war anfangs noch nett, da abwechslungsreich und etwas abenteuerlich. Links und Rechts des Grates geht es anfangs zwar recht tief und steil hinunter, doch bald weitet sich der Kamm wieder und die Flanken neigen sich etwas zurück. Eine Route durch das Blockgelände muss man sich schon selber suchen - dabei musste ich verschiedene Male größere Blöcke oder Abbrüche umgehen, was unbemerkt viel Zeit kostet. Die Felsen (Quarzphyllit bzw. -Schiefer) sind bei trockenen Verhältnissen oberflächlich zwar rauh, weisen an Bruchflächen jedoch kaum Unebenheiten auf und sind daher in der Senkrechte meistens zu glatt um abzuklettern.
Ab und zu wurde ich komplett von Wolken eingehüllt, dann wieder löste sich der Nebel etwas auf. In der Nebelsuppe, bei stark eingeschränkter Sicht, fühlte ich mich ehrlich gesagt ziemlich hilflos und orientierungslos, das gefiel mir überhaupt nicht. Da die Wolken sich überwiegend an der West- und Südseite des Westlichen Salzachgeiers stauten, hielt ich deswegen vorzugsweise links, d.h. ich blieb an der Oststeite und später an der Nordseite des Grates, damit ich doch die meiste Zeit voraussehen konnte. Somit bin ich wenige Meter nordseitig unterhalb des (kreuzlosen) Gipfels des Westlichen Salzachgeiers gequert. Das Blockgelände wurde jedoch zunehmend schwieriger begehbar, in der Nordflanke zudem auch steiler, mit tückischen Spalten zwischen den z.T. wackligen Felsblöcken - alles andere als angenehm :-\.

Aber jetzt hab' ich das Schwierigste wohl geschafft...... denkste. Denn gerade auf halber Strecke zwischen Molterfeldgeier und Östlichem Salzachgeier, also im Bereich des Westlichen Salzachgeiers, fing es an zu regnen! Zuerst leicht, aber langsam doch stetig immer intensiver.
Das konnte ich jetzt überhaupt nicht gebrauchen >:(. Regen ist an sich ja nicht so schlimm, aber dadurch wurden die vorhin so schön rauhen Felsen, ebenso wie Gras, auf einmal gefährlich rutschig.

Es war eine mentale Erprobung, um mit der Unsicherheit des immer schwierigeren und gefährlicheren Vorwärtskommens klarzukommen, mit dem Wissen, dass ich ganz auf mich alleine gestellt war; die letzten Besucher am nahen Gipfel des Östlichen Salzachgeiers waren schon vor einer Dreiviertelstunde abgestiegen.
Jetzt hatte ich die Wahl aus drei Optionen: entweder durch das unbekannte heikele Blockgelände weitergehen, oder den bekannten Weg über den gesamten Grat bis zur NBH wieder zurückgehen (nun bei nassen Verhältnissen!), oder gar unter einem Felsen (davon gäbe es hier genug) den Regen abwarten - allerdings auf die Gefahr hin dann wegen eintretender Dunkelheit notbiwakieren zu müssen. Ich hatte aber nur mehr einen Muesliriegel übrig und mein Trinken ging auch schon sehr zur Neige - letzteres wollte ich ja an der Salzachalm wieder auffüllen.

Letztendlich wählte ich die erste Option (weitergehen) und die ist gut ausgegangen. Doch kurz und ehrlich gesagt, war die letzte Dreiviertelstunde bis zum Östlichen Salzachgeier viel mehr Stress als Spaß :'(. Außerdem muss unbedingt noch eine letzte Hürde erwähnt werden. Denn die schwierigste Schlüsselstelle der ganzen Tour wartete erst in unmittelbarer Reichweite des Gipfels des Östlichen Salzachgeiers, und zwar in Form einer 3-4 m hohen nahezu senkrechten Felsstufe. Diese wäre entweder rechts (südwestseitig) sehr ausgesetzt über steile grasdurchsetzte Felsplatten zu umgehen (bei triefender Nässe, von wegen!), oder mehr links (nordseitig) durch einen kurzen aber ebenfalls ziemlich ausgesetzten und klatschnassen Felsspalt zu überklettern. Mir erschien der Spalt als die "handfestere" und damit sicherere Option, sie hat mir jedoch psychisch ziemlich den letzten Rest abverlangt. Wenn man das überwunden hat, steht man auch schon am Gipfel.

#willsonne#

Am Gipfel angekommen um 14:45, buchstäblich am Höhepunkt (2466 m) meiner Zweitagestour, setzte ich mich im strömenden Regen zuerst mal ein paar Minuten lang auf einen Stein, um den "Moment zu genießen". Den diesjährigen Abschied vom tiroler Bergsommer hatte ich mir eigentlich anders vorgestellt...
Aber ich tröstete mich damit, dass es ab jetzt viel einfacher auf markierten Wanderwegen und später sogar über Forstwege nur mehr bergab gehen würde. Alles war zwar rutschig und batzig; der Dreck spritzte mir bis über die Knie, aber was soll's #wurscht#. Weniger als eine Stunde nach meinem Abmarsch vom Gipfel, erreichte ich um 15:45 die Erste Brücke über die Salzach (ca. 1950 m), nahe dem Forstweg der vom Salzachjoch herunterführt.
Zu diesem Zeitpunkt wurde es auch langsam wieder heller, der Regen ließ nach, und um 16:00 war es wieder trocken und heiter. Ich informierte gleich meine Familie, dass ich wie vereinbart innerhalb von zwei Stunden die Alte Gerlosstraße östlich von Königsleiten erreichen würde. Über den Weg Nr. 718 an der Salzachjochhütte vorbei, erreichte ich 1 Std. 45 Min. später tatsächlich die Alte Gerlosstraße, etwa einen halben Kilometer westlich vom Ronachwirt. Unterwegs konnte ich auf der Salzachalm und dann nochmals bei der Mülleralmquelle meine Trinkwasservorräte auffüllen.

Ursprünglich wollte ich mit dem Linienbus sogar noch nach Mittersill fahren, um mich dort abholen zu lassen, damit meine Familie nicht so weit in den Pinzgau zu fahren brauchte. Es war jedoch sehr gut, dass ich mich an der Alten Gerlosstraße abholen ließ, denn es stellte sich heraus, dass auf dieser Straße gar kein Bus fährt! Wahrscheinlich fährt der nur auf der neuen Gerlosstraße durch Krimml bis nach Königsleiten. Um Punkt 18:00 wurde ich abgeholt; bis nach Hopfgarten brauchten wir nochmals gut 1 Std. 45 Min.

So hat mein kleines Abenteuer in den Kitzbüheler Alpen ein glückliches Ende gefunden. Hauptsächlich wegen des unvorhergesehenen Regenwetters ist es viel anspruchsvoller geworden als erwartet und als gewollt. Ich glaube, bei guter Witterung wäre die Tour bis zum Ende hin ein Genuss gewesen, aber jetzt ist mir leider doch ein etwas bitterer "Nachgeschmack" davon übriggeblieben. Trotzdem freue ich mich, dass ich die Tour durchführen konnte und auch habe ich wieder viel daraus gelernt - vor allem, dass ein Berg zwei ganz unterschiedliche Gesichter hat, abhängig vom Wetter!

Allzeit wunderschöne Bergerlebnisse und gesunde Heimkehr wünscht euch,
Brixentaler

Offline steff

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Sehr schöne Tourenbeschreibung. Ich war dieses Jahr auf dem Schafsiedel und hab mir den Weiterweg zum Salzachgeier mal in real angeschaut. An einem Tag ist es schon eine anstrengende Tour. Bei uns war das Wetter auch nicht stabil.
Und so bleibt diese Tour in meiner noch meiner Liste stehen.
Ist die Tour in beiden Richtungen gleich schwer oder würdest Du eine bevorzugen?

An scheenan Dog
Steff

Offline elli pirelli

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schmunzel*

was für ein Bericht!

Super Klasse!  :)

 #schoenetour#

war auch mir ein Vergnügen dich zu treffen ;-) :-)

lg
elli

Offline Brixentaler

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... Ich war dieses Jahr auf dem Schafsiedel und hab mir den Weiterweg zum Salzachgeier mal in real angeschaut. An einem Tag ist es schon eine anstrengende Tour...

Das wäre mir definitiv viel zu weit an nur einem Tag :o. Inklusive Abstecher auf das Nadernachjoch am 1. Tag, habe ich insgesamt nämlich 28 km Strecke und ca. 2350/2050 Höhenmeter im Auf- bzw. Abstieg zurückgelegt; davon die Gratüberschreitung größtenteils weglos.
Wenn ich außerdem vom Salzachgeier wieder zum Ausgangspunkt Gh. Wegscheid im Kurzen Grund hätte zurückgehen müssen, wären es schätzungsweise noch 2-3 km Gehstrecke und 50/300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg mehr gewesen!

Ist die Tour in beiden Richtungen gleich schwer oder würdest Du eine bevorzugen?

Ich glaube, dass es nicht sehr viel ausmacht. Einen leichten Vorzug für die von mir gewählte Richtung habe ich dennoch, erstens aufgrund der wunderbaren Landschaftsimpressionen im Aufstieg zum Schafsiedel wenn man noch "frisch und munter" ist, und zweitens aufgrund des steilen Gipfelaufbaus des Salzachgeiers, der als schwierigste Schlüsselstelle sicherlich im Aufstieg am leichtesten zu bewältigen ist. Andererseits wäre der Fünfmandling von Süden her etwas leichter zu überschreiten bzw. zu umgehen.

Klar, dass der Blockgrat-Abschnitt zwischen Molterfeldgeier und Östl. Salzachgeier (besonders bei Nebel und Regen :() technisch der einzige wirklich anspruchsvolle Teil der Tour bildet. Jedoch wäre es bei besseren Sichtverhältnissen vielleicht Möglich, eine etwas günstigere bzw. einfachere Route zu wählen als die ich gewählt habe.
Bei Nässe wären übrigens auch die paar kurzen Grashangquerungen weiter nördlich entlang des Grates sehr gefährlich gewesen! Da hatte ich zum Glück noch trockenen Boden unter den Füßen.

Danke euch beiden für die Komplimente, und Elli: vielleicht auf Wiedersehen!

Servus,
Brixentaler

Offline BW

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Besser mit Ski bei sicheren und guten Verhältnissen
Aufstieg:  Langer Grund - Schafsiedel, Gratüberschreitung bis zum Ochsenkopf oft südseitig unter den Gipfeln.
Abfahrt über Pallscharte Frommgrund oder auch auch über die Pallspitze in den Langen Grund.
Aus den einzelnen Gipfeln, Scharten kann auch direkt in den den Frommgrund abgefahren werden ( Nur bei ganz sicheren Lawinenverhältnissen und mit Ortskunde )

WE