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Autor Thema: 10./11.09.16: Kaisergebirge: Zweimal auf den Scheffauer... (1)  (Gelesen 4054 mal)

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Offline geroldh

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Auf den Spuren von Ameranger, Ostler und Leuchs  8)

Zweimal am gleichen Wochenende auf den selben Gipfel steigen? Dies ist vllt. eher ungewöhnlich und wie ich bereits gehört habe, auch für so manchen Zeitgenossen (geschlechtsneutral) grundsätzlich „unsinnig“, gibt es doch noch soo viele Berggipfel und ist das Leben doch relativ kurz...  ::)

Am SA war ich auf einer Rundtour unterwegs, die MANAL und einen Bergspezl erstmalig und mich ein weiteres Mal von Süden her und von Bärnstatt/Steiner-Hof ausgehend über die Steiner-Hochalm auf den Scheffauer und anschließend als Überschreitung der Hackenköpfe und Kopfkraxen hinüber zum Gipfel des Sonneck geführt hat (Verknüpfung zu MANALs Tourenbericht ? folgt). Wie ich an den beiden Gipfelbucheinträgen erkennen konnte, war ich damit auch auf den frischeren Spuren von Ameranger (28.08.16) unterwegs...  #hihi#
Nach dieser ausfüllenden Tagestour vermeldete das Handy-GPS von MANAL etwa 1500 hm bei rund 15 km Luftlinie.

Für den SO stand der Scheffauer im Wilden Kaiser wieder als geografischer Höhepunkt in der Tourenplanung. Diesmal sollte es die (kühlere) Nordseite sein und mit dieser „Runde“ werde ich auch zum „Wiederholungstäter“: Vor zwei Jahren hatte ich bereits die Möglichkeit gehabt, die Ostlerroute (Übersichtsfoto) mitzu“gehen“ und am 12.Aug.2015 hatte ich einen roBerge-Beitrag von daniel zum Anlass genommen, die von ihm gekletterte und mir bis dahin unbekannte Leuchsführe (Übersichtsfoto) auch eigenständig (und erfolgreich) zu erkunden.

So sind ein mittlerweile 76-jähriger, den die Schöpfung mit hervorragender körperl. Fitness beglückt hat, und ich am Morgen in Kufstein-Mitterndorf gestartet, um mit dem „Radl“ auf der „Rodelbahn“ hinauf am Berghaus Aschenbrenner und dem Brentenjoch vorbei zur Kaindlhütte zu „strampeln“. War vor zwei Jahren bei uns beiden das Hilfsmittel „Rad“ noch einigermaßen ausgewogen (aber an „Opa’s“ Fitness kam ich damals schon nicht heran), so steht nun teures E-Bike mit günstigem Angebots-Ersatz-Supermarkt-Mountainbike in ungleicher Konkurenz – aber trotz der zerrenden Vortagestour habe ich den Ehrgeiz, zwar zwischenzeitlich stehend zu verschnaufen, aber dennoch die komplette Strecke durchzufahren.
Bin ich doch meist auf unfahrbaren Steigen unterwegs, so scheint es inzwischen tatsächlich (alpine) Realität zu sein, dass die Motorunterstützung v.a. beim Bergradl nun der „Status Quo“ geworden ist. Auf halbem Weg werden wir u.a. von zwei einheimischen Paaren „so-um-die-fünfzig-herum“ locker daherredend („Ist das da vorn dein Vater?“) überholt, die wir dann an der Brentenjochalm vorbeifahrend bei ihrer Vormittagsjause wieder „gezwickt“ haben – na ja, selbst mit dem E Bike bleiben die pers. Tagesziele doch ganz individuell...

Ab der Kaindlhütte steigen wir, anstatt auf dem markierten, aber längeren Standardweg „Scheffauer“ [DAV 814], zuerst dem Wegweiser „Zettenkaiser“ folgend auf, um nach einem kleinen Abzweiger auch hier unterhalb der Scheffauer-Nordwand an den Einstieg unserer Klettertour zu gelangen: Direkt am kleinen Hubschrauberlandeplateau beginnt die Ostlerführe, die an mehreren Stellen mit UIAA III bewertet ist (die Ausstiegs-UIAA IV werden wir wieder auslassen) und an den anspruchsvolleren Abschnitten mit alten Schlaghaken und auch neueren Klebehaken ausgestattet ist. Entsprechend unserer Klettererfahrung werden wir auch heute nur mit der „kleinen Kletterausrüstung“ unterwegs sein und da „Opa“ diese Route seit etwa 20 Jahren mind. einmal jährlich „macht“, sind wir ohne Topo gleich zügig unterwegs. Noch bevor wir den „Schuttkessel“ erreichen, surren ein, zwei Steine geräuschvoll über uns hinweg – war es eine Gams, die uns heute damit „begrüßt“ oder kommen die von der Seilschaft, die wir akustisch von oben herab gehört haben? – doch (fast) egal, das Ereignis ist vorbei und ja auch nochmal gutgegangen...
Wenig später machen wir „Ramadama“ in der Wand, wollte doch irgendein „Zipfe“ sein Gipfelbier nicht nach oben tragen und hat stattdessen seine 05er-Bierdose halbgefüllt und fast provokativ „zur Deko“ abgestellt, daneben noch die Rinde einer halben Scheibe Brot. Die Dose wird entleert plattgemacht und eingesteckt, um das Brot werden sich die „Alpengeier“ (Dohlen) kümmern...
Kurz darauf haben wir die Zweierseilschaft eingeholt, die von der Führe an der „kleinen Ostlerplatte“ falsch abgebogen ist und bereits dabei war, sich um eine volle Seillänge zu versteigen: „Wisst ihr wo der nächste Standplatz ist?“ ...
Spätestens an der heiklen Stelle „nasse Nische“ merken wir, dass die Route heute einiges feuchter (und damit rutschiger) ist als „sonst“ – bei unserem Abstieg werden wir erkennen, dass die höhere Luftfeuchtigkeit am kalten Felsgestein der Risse und Rinnen teilweise tröpfchenweise auskondensiert.
Ach ja, den (gebrauchten?) Slip am Beginn des Querrisses in der „großen Ostlerplatte“ werden wir leicht empört ignorieren – vielleicht ist dieses Kleidungsstück auch von oben, dem üblicherweise stark frequentierten Gipfel, heruntergefallen...

Hatten wir am Vortag noch vergleichsweise gute Aussicht vom in diesem Jahr erneuerten Gipfelkreuz, so steckte heute gegen 15:00 Uhr und nach rund 2 Std. Kletterzeit der oberste Teil des Scheffauers in Wolken.

Bild 1: An der Quelle „Petersbründl“ kurz vorm Berghaus Aschenbrenner
Bild 2: erleuchtende Lichtstimmung über dem  „Wuid‘n Koasa“ kurz vor der Kaindlhütte
Bild 3: „Bike-Parkplatz“ Kaindlhütte
Bild 4: oben: strukturiertes Gelände hinauf zur kleinen und großen Ostlerplatte
          unten: Einstieg Ostlerführe (linke Bildhälfte) und Leuchsführe (rechte Bildhälfte)
Bild 5: Hinterlassenschaft vom Alpenschwein „Zipfe-Urtyp“

Offline geroldh

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Der „Abstieg“ via Leuchs  ???

Dass die Kommunikation „Botschaft senden - Info empfangen“ manchmal mißverständlich sein kann, kennt sicher jeder. Bei „Opa’s“ Vorschlag am Telefon, wir könnten die Ostlerroute anschließend wieder hinuntersteigen (anstelle des üblichen Widauersteigs; Die Ostlerführe hat regelmäßig „Doppel-Klebehaken“ als Standplätze) hatte ich statt „gemeint abseilen“ „verstanden abklettern“ und geantwortet: „Also bevor ich die Ostler runter klettere, gehe ich lieber die benachbarte Leuchs!“ – Was die kennst du noch gar nicht? – Super, dann kannst du auch noch was neues von mir kennenlernen...

Die Leuchsführe ist zum größten Teil UIAA II, eine Stelle im oberen Wanddrittel wird mit UIAA III-, oft feucht, angegeben und mit meinem letztjährigen Erfolg und der damit(!) verblassenden Erinnerung war für uns ein alternativer „Abstiegsweg“ geboren...
Die größten Schwierigkeiten liegen in der Schlucht im oberen Teil („zur Not kehren wir halt um“), aber das Abklettern hat in diesem Bereich seine ganz besondere, mir bisher unbekannte Herausforderung: Hinabblickend „verzerrt“ die Perspektive, man meint die Möglichkeit sei zu steil, die Griffe/Tritte zu weit auseinander, doch schließlich lösen sich die kompliziert aussehenden Stellen im meist strukturierten oberen IIer-Gelände auf. Dennoch ist vollste Konzentration und Umsicht gefordert, schließlich haben wir an den Füßen keine (Hühner)Augen um den ersten Felskontakt zu beurteilen – letztendlich eine interessante und sicher auch wertvolle Erfahrung, die wir hiermit machen.
Nach etwa 2½ Std. ab Gipfel und fast am Wandfuß angekommen, grummelt ein kleines Gewitter vom Chiemgau herüber und läßt einige Tropfen fallen – bei weiter hoher Konzentration werden wir etwas flotter und ich schwitze nun mehr als beim „Aufstieg“...
Bei „Grenzgängen“ kann man durchaus interessante Lebens-Erfahrungen machen: Mit einem gewissen Maß an mentaler Erschöpfung bzw. Müdigkeit merke ich, wie sich die Konzentration am liebsten „verabschieden“ würde – und ich muß diese nun ganz bewußt zurückholen, um auch die letzten Höhenmeter zum „Einstieg“ noch gut zu überstehen. Dort angekommen spüre ich das Weichen der Anspannung – und dann meine innere Erleichterung, als wir gut am Landeplateau ankommen und die Gurte ausziehen.

Es tröpfelt immer noch leicht, als wir nun den flacheren, längeren markierten Steig hinunter in Richtung Kaindlhütte absteigen und müssen dabei extrem aufpassen, dass es uns auf dem schlüpfrigen Weg nicht noch die Beine wegzieht. Auf der von Kühen perforierten Almwiese (früher Skipiste) finden die Schuhe nun guten Halt und diese vorletzte Etappe wird an der Kaindlhütte mit einem Bier erfolgreich abgeschlossen.

Während die Übernachtungsgäste gerade ihr Abendessen serviert bekommen, sind wir wohl die letzten Tagesgäste, die sich nun mit den Rädern an den weiteren „Abstieg“ machen. Wer die Strecke kennt, weis dass sich in der Auffahrt die kurzen erholsamen Abfahrtsstücke nun zum Gegenanstieg entwickeln, aber zur Dämmerung stehen wir unten am Auto – und der Akku von „Opa’s“ E-Bike ist dank der „Motorbremse“ auch schon wieder auf ca. 50% aufgeladen...

Zuhause springe ich noch schnell in die Lederhose, denn am letzten Tag der „kleinen Wiesn“ möchte ich meinen „Akku“ mit einer dunklen Märzen-Maß und einem „halben Abendessen“ aufladen. So stell´ ich mir ein erfülltes Berg-Wochenende vor!

Bild 6: Das im Sommer 2016 erneuerte Gipfelkreuz auf dem Scheffauer
Bild 7: Abstieg durch die (feuchte) „Leuchsschlucht“ im oberen Wanddrittel
Bild 8: „Blick aus der Wand“ in der Leuchsführe auf Steinbergalm und Kaindlhütte, im Hintergrund das Brentenjoch
Bild 9: „Gewitterstimmung“ über dem Inntal...
Bild 10: ...und hinter dem Scheffauer – schee war’s!

Offline Ameranger

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Servus geroldh,

Auf den Spuren von Ameranger, Ostler und Leuchs  8)

Werde ich da mit Berghoheiten wie Leuchs und Ostler verglichen ?  :azn: - Ich denke die haben noch weitaus mehr erreicht als ich erreichen werde  ;)

Sehr schöne Runde habt ihr da gedreht, ärgert mich ein wenig das ich nicht Zeit hatte. Aber ich habe mich auch schon länger mit den beiden Führen beschäftigt, die kommen auch noch mal dran.... ;)

Ich hatte mich sehr ausführlich mit einem anderen "Projekt" der anspruchsvolleren Art im Kaiser beschäftigt, das mir aber nun jemand in einem anderen Forum " weggeschnappt " hat  ::)

Vg Ameranger

Offline MANAL

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Gerold hat es ja schon erwähnt dass ich mit ihm und einen weiteren Freund die Hackenkopfüberschreitung angegangen ist.

Da ich ordentlich Respekt vor der Tour hatte (und nach wie vor habe) hat es mich gefreut dass er mir vor einigen Monaten angeboten hatte mich auf der Überschreitung zu begleiten. Vergangenes Wochenende war es soweit und die Tour hat sich ergeben.

Vorab muss erwähnt werden dass ich selber kein großer Freund ausgesetzter Passagen und schwierigeren Kletterpassagen bin. Bisher waren die Ackerlspitze, der Hochkalter, Wörner oder die (weitgehend versicherte Watzmannüberschreitung) das Maximum was ich mir zugetraut habe. Alles Touren im schweren T4-Bereich mit Kletterstellen bis II und luftigen Stellen. Bei der Hackenkopfüberschreitung schwanken die Bewertungen zwischen T4 und T5 mit zwei Stellen II, davon der Schlüsselstelle gleich am Anfang. Eindeutig war es nicht was mich erwarten würde.

Der Aufstieg zum Schaffauer erfolgte über die Steiner-Hochalm und dem Normal weg zum Gipfel. Alles in allem ein schöner Weg mit leichten und teilweise gesicherten Kraxeleinlagen. Alles Bereiche die ich als Genussbergsteigen empfinde. Das kurioseste war kurz vor der Steiner-Hochalm ein "deutscher Wegpolizist" der uns drei vorgeworfen hat den Boden zu zerstören und Dreck zurückzulassen weil wir den verblichenen Markierungen des alten Wanderwegs zur Steiner-Hochalm gefolgt sind statt fünf Meter daneben bei ihm auf der Almautobahn zu laufen. Dass der Weg über eine Kuhweide geht die sowieso permanent von Rindviehern zusammengetreten wird hat er vermutlich nicht verstanden...
Zumindest hat er für Spaß (auf unserer Seite) gesorgt.  :D

Aufstieg: ca. 1200 Höhenmeter / 4,3km / 2h 15min

Am Gipfel mit recht neuem Kreuz wuselt es ordentlich, verständlich bei diesem schönen Wetter und der weiteren Aufstiegsmöglichkeit über den Widauersteig von Norden. Wir machen Pause und genießen die schöne Aussicht. Zwar nicht mehr das klare Wetter wie unter der Woche, aber trotzdem sehr schön. Auch bestand keinerlei Gewittergefahr für die nächsten Stunden auf dem Grat.

Nach ausreichend Pause geht's dann los an den zweiten Abschnitt den man bereits vom Scheffauergipfel komplett bis zum Sonneck übersehen kann. Ein paar Bergsteiger waren direkt vor uns unterwegs und wir konnten sie am ersten Hackenkopfgipfel noch sehen.
Vom Sattel wo der Normalweg und der Widauersteig zusammenkommen geht es auf Steigspuren über den ersten Wiesengupf. Dahinter dann runter in die Scharte und gleich zur Schlüsselstelle der Überschreitung. Eine kaum ausgesetzte Felsrinne mit einer IIer-Stelle über wenige Meter. Griffe sind ausreichend vorhanden und etwas Kraft schafft man es auch ohne Klettertechnik da hoch (links oben ist ein super Griff für die linke Hand  ;) ). Die dort angebrachte Bandschlinge gibt für den nicht so kletteraffinen Bergsteiger zusätzlich Sicherheit, ist aber nicht wirklich notwendig. Der weitere Aufstieg zum ersten Hackenkopfgipfel ist nicht mehr sonderlich schwer. Allerdings sollte man wirklich bei jedem Schritt aufpassen wo man hinsteigt, rechts und links geht es ordentlich steil über Schrofen abwärts, ein Fehltritt kann der letzte sein.

Der "Gratspaziergang" (zumindest für Gerold, ich war da nicht so entspannt) geht nun einige Zeit dahin bis man zum nächsten Hackenkopf kommt. Dort geht es definitiv nicht mehr am Grat weiter. Der "Weg" (immerhin finden sich immer wieder ausgeblichene rote Punkte und diverse Stoamandl) zieht an dieser Stelle in die steilen südseitigen Schrofenhänge. Man quert unterhalb einer recht gewagt aufragenden Felsnase zu einem kurzem steilen Kamin die wohl eine weitere der IIer-Stellen sein müsste. Allerdings kann man sich innerhalb des Kamins recht einfach nach oben stemmen (ein Klettertechniker schaut vermutlich da mit Grauen weg, weiß nicht wie Gerold das ertragen hat ::) ) über den folgenden steilen Schrofenhang kommt man wieder zum Grat hoch und steigt über diesem zum nächsten Gipfel rauf.

Es folgt nun wieder das für die Hackeköpfe übliche Gratgelände über das man munter "weiterspaziert" (bei mir immer noch eher verkrampft). Auch die nächsten Zwischengipfel lassen sich ohne große Überraschungen überschreiten, hier ist das Gelände teilweise auch deutlich zahmer als am Anfang.
Auf einem der Gipfel, dürfte der höchste der Hackenköpfe gewesen sein, machen wir dann auch unsere wohlverdiente Gipfelpause und genießen den schönen Tag. Zwar etwas diesiger und überall bauen sich die Wolkentürme auf, trotzdem noch ein wunderbarer Bergtag.

Irgendwann geht es wieder weiter, wir haben ja noch einiges an Weg vor uns. Von unserem "Pausen-Hackenkopf" geht es nun steiler in die nächste Scharte runter zum nächsten Kopf. War das Gelände zwischenzeitlich leichter wird es hier nochmal deutlich steiler und luftiger, klettertechnisch aber keine größeren Hindernisse.
Nach dieser anspruchsvolleren Passage erreicht man den letzten "echten" Hackenkopf (hier findet sich zum ersten mal eine rot-weiße Wegmarkierung) bevor der Grat langsam breiter, immer grasiger wird und in den sanften Grasrücken des Wiesberg übergeht.

Die Schwierigkeiten und die Ausgesetztheit gehen jetzt praktisch auf Null zurück. Nun heißt es den sinnvollsten Weg durch das Karstlabyrinth des westlichen Teils des Wiesbergs zu finden. Es geht permanent rauf und runter und wir schwitzen hier oben bei Windstille ziemlich vor uns hin. Zudem geht es nun auch beständig nach oben bis der Rücken schmäler wird und in einem Wiesengrat bei der Kopfkraxen endet.

Von der Kopfkraxen geht es nun an einem Seil gesichert luftig und steil teilweise nordseitig in die Scharte zum Sonneck runter und weiter über einen schmalen Grat zum Sonneck rüber. Dort geht es nun die letzten Höhenmeter zum Gipfel des Sonneck rauf. Ich war selber ziemlich ausgelaugt, die vielen Höhenmeter und die längere Passage bei der volle Konzentration angesagt war kosteten ziemlich Kraft.

Insgesamt sind es 4 Kilometer vom Schaffauer zum Sonneck, 2 Kilometer davon sind die anspruchsvolle Hackenkopfüberschreitung (wir haben dafür ca. 2 Stunden benötigt). Die weiteren 2 Kilometer sind der recht einfache Aufstieg vom tiefsten Punkt des Wiesberg bis zum Gipfel des Sonneck (1 Stunde).

Vom Sonneck bieten sich nun schöne Einblicke in die Felswände vom Ellmauer Halt und vom Treffauer und ein schöner Rückblick über unseren Aufstiegsweg. Immer wieder erstaunlich dass man vergleichsweise einfach die Hackenköpfe überschreiten kann.

Der Abstieg vom Sonneck erfolgt nun über den Normalweg auf der Südseite des Wiesberg. Zuerst zurück zur Kopfkraxen und dann noch ein Stück am Wiesengrat zurück bis eine Markierung in die steilen südseitigen Grashänge zeigt. Dort heißt es konzentriert abzusteigen. Es ist zwar alles deutlich weniger anspruchsvoll als das bisherige am Tag aber es liegt genügend lockeres Geröll rum. Ca. 300 Höhenmeter geht es so runter bis man den Rücken des Sonnenstein erreicht der sich nun nord- wie südseitig umgehen lässt, zudem kann man hier zu den Wegscheid-Almen absteigen.
Wir wählen den südseitigen Abstieg und erreichen schließlich die Kaiser-Hochalm bei der zum ersten Mal seit der Steiner-Hochalm beim Aufstieg wieder eine Möglichkeit zum Wassernachfüllen besteht.

Wir verpassen irgendwo den Abzweig zur Steiner-Niederalm und landen stattdessen bei der Kaiser-Niederalm, finden dort aber einen schönen Weiterweg durch Wald und Almwiesen runter zur Hinterschießlingalm. Dort entdecken wir dann eine weitere neue Wegvariante über die kleine Rehbachklamm wo man viel Aufwand einen Weg errichtet hat. Man kann unterwegs sogar einen alten engen und nassen Bergwerksstollen besichtigen. Der Weg endet schließlich an einem kostenfreien(!!!) Parkplatz an der Straße zwischen Stein und Schießling.

Für uns ging es noch die letzten Meter auf der Straße zurück zum Auto. Nach 14,5 km, 1500 Höhenmeter und 9,5 Stunden (inkl. Pausen) waren wir recht erschöpft wieder zurück. Während ich froh war den Sonntag zum ausruhen und erholen zu nutzen habe ich über die Fitness von Gerold gestaunt der stattdessen den Scheffauer einen weiteren Besuch abgestattet hat... Respekt.


Fazit:
Die Hackenkopfüberschreitung ist eine anstrengende und anspruchsvolle Gratüberschreitung vom Scheffauer zum Sonneck. Auch wenn es sich um eine schwierige Tour handelt ist es erstaunlich dass die Hackenköpfe von jedem erfahrenen Bergsteiger überschritten werden können. Es müssen mehrere Stellen (jeweils nur wenige Meter) im II. Schwierigkeitsgrad bewältigt werden. Geht man vom Scheffauer zum Sonneck hat man die schwierigen Stellen jeweils im Aufstieg. Die schwierigsten Stellen sind kaum ausgesetzt. Jedoch gibt es ausreichend Passagen wo man direkt auf dem schmalen Schrofengrat geht. Es handelt sich dabei um technisch unschwieriges Gehgelände, allerdings geht es auf beiden Seiten über sehr steile Schrofenhänge abwärts. Ein Fehltritt ist fast immer verboten.
Die Wegführung ist bis auf wenige Stellen immer sehr eindeutig zumal man bis auf wenige Ausnahmen immer am Grat ist. Wer sich umschaut findet auch ausreichend Stoamandl und kann auch diverse ausgeblichene rote Punkte erkennen. Allerdings sollte man immer zweimal hinschauen, es gibt auch diverse rötliche Kleckse die sich bei genauerem Hinschauen als Flechte enttarnen ;) .
Nach Betrachtung der Definition der Schwierigkeitsgrade der SAC-Skala (https://de.wikipedia.org/wiki/SAC-Wanderskala) würde ich der Hackenkopfüberschreitung eine T5, II geben. "Oft weglos. Einzelne einfache Kletterstellen. Exponiert, anspruchsvolles Gelände, steile Schrofen. " trifft genau auf den schwierigen Teil der Überschreitung zu.

Was von den Skalen nicht erfasst wird und aus meiner Sicht bei Tourenbeschreibungen zu kurz kommt ist die psychische Beanspruchung. Ich musste mich die zwei Gratkilometer durchgehend ziemlich konzentrieren um mich gut zu fühlen und hab deshalb an solchen Passagen nur wenig Spaß. Es war gut, es mal gemacht zu haben, etwas mehr Übung und Erfahrung in solch einem Gelände hilft bei der zukünftigen Bewältigung schwerer Passagen auf anderen Touren ungemein. Aber ich werde wohl nie der leidenschaftliche T5- und T6-Liebhaber werden die es z.B. Hikr.org ausreichend gibt. Für mich ist eine Bergtour ein Weg um Ruhe und Entspannung zu finden vom Arbeitsalltag in dem ich genügend Konzentration benötige. In der Freizeit bevorzuge ich daher lieber Touren wo nicht jeder Schritt der letzte sein kann.

Was für diese Tour auch wichtig ist, ausreichend Flüssigkeit mitnehmen. Zwischen Steiner- und Kaiser-Hochalm gibt es KEIN Wasser und südseitig kann es v.a. beim Aufstieg ordentlich warm werden!!! Ich hatte ca. 3,5 Liter dabei und es hat gerade so gereicht.

Fotos:
- Blick vom Scheffauer auf die Überschreitung
- Aufstieg zum ersten Hackenkopf mit der Schlüsselstelle (etwas links der Mitte bei dem kleinen Felszahn mit einer schattigen Rinne links davon)
- Relativ luftiger "Gratspaziergang" nach dem ersten Hackenkopf (es geht bis zum nächsten massiveren Felsturm immer am Grat entlang)
- Die nächste anspruchsvolle Stelle. Hier geht es nicht mehr am Grat weiter, man quert in die steile Südflanke und steigt hinter der im Foto schlecht einsehbaren Felsnase in einer steilen Schrofenrinne zum Gipfel rauf.
- Die markante Felsnase, rechts geht es den steilen Schrofenhang hoch.

Offline MANAL

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Mehr Fotos:
- Über uns Wolkentürmchen die sich am Kaiser aber nicht halten konnten
- Beeindruckende Schichtungen auf der Nordseite vom Wilden Kaiser
- Auch über dem Kaiser hatten manche ihren Spaß ;)
- Nocheinmal ein anspruchsvoller Abstieg zu einer Scharte bevor es dann einfacher wird
- 2 Kilometer anspruchsvoller Grat liegen hinter uns. Man glaubt kaum dass man da fast ohne Klettern durchkommt.

Offline MANAL

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Und die restlichen Fotos:
- Ab jetzt zieht es sich bis zum Sonneck...
- Rückblick vom Sonneck zurück auf den bisherigen Weg.
- Abendlicher Ausklang am Hintersteiner See

Offline Patago

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Servus Geroldh,

da waren ja wirklich viele Robergler am Scheffauer unterwegs. Sorry  #sorry# nochmals für die Steine die wir in den Abgrund beförderten, leider war bei unserem Verhauer sehr viel loses Zeug auf dem Fels.
Vielen Dank  #danke1# nochmals für die Standplatzauskunft  ;) und respekt, diese Tour ohne Seil  #respekt#.
 

Offline BFklaus

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Bei der Hackenkopfüberschreitung schwanken die Bewertungen zwischen T4 und T5 mit zwei Stellen II, davon der Schlüsselstelle gleich am Anfang. Eindeutig war es nicht was mich erwarten würde.
Im aktuellen AV-Führer wird die Tour unter Randzahl 431 recht präzise beschrieben. Als Kurzbewertung geben die Autoren "Stellen II, oft auch Gehgelände" an.
Ich habe die Überschreitung der Hackenköpfe vor ziemlich genau elf Jahren mal gemacht und fand sie - wie du auch - großartig. Danke für deinen schönen Bericht. Ein Foto von damals habe ich rausgekramt und angehängt.

Offline Ameranger

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Servus Beinand,

Da sich wie schon erwähnt, anscheinend das "Halbe Forum " die letzten Augusttage um den Scheffauer herum versammelt war, will ich auch meinen " Senf " dazu geben.....

Der hervorragenden und ausführlichen Beschreibung von geroldh und MANAL gibt es nicht das Geringste hinzuzufügen, außer vielleicht einen "erweiterten Bilderband ", den ihr bei mir unter http://ameranger.blogspot.de/2016/08/scheffauer-hackenkopfe-sonneck.html nachschlagen könnt.
Eine sehr schöne Überschreitung, die ich mit den Varianten von geroldh unbedingt mal wiederholen werde..... #danke1#

Vg Ameranger

Offline Zeitlassen

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  • ...und immer schön zeitlassen...
Werde ich da mit Berghoheiten wie Leuchs und Ostler verglichen ?  :azn: - Ich denke die haben noch weitaus mehr erreicht als ich erreichen werde  ;)
Aber du fotografierst besser als die zwei...