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Autor Thema: Lablkopf über Watzmannscharte am 14.09.2016  (Gelesen 1547 mal)

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Offline BFklaus

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Lablkopf über Watzmannscharte am 14.09.2016
« am: 15.09.2016, 12:22 »
Diese sehr einsame, anstrengende, teils weglose Tour (W6/II) kann man in beide Richtungen gehen. Die Wegfindung beim Aufstieg übers Watzmannlabl ist sicher deutlich einfacher, weil das steile Gelände besser einsehbar ist. Dafür ist man fast durchgehend der Sonne ausgesetzt und sollte den Abstieg über die Watzmannscharte ins Kar gut kennen. Ich entschied mich wegen der angekündigten Hitze für den Aufstieg durchs schattige Watzmannkar und die Scharte.

Im Kar orientierte ich mich nach links, am Fuß des Kleinen Watzmann entlang, und stieg dann das mit kleinen Steindauben sparsam markierte Band zur Watzmannscharte hoch (Stellen I). Am Ausstieg taucht man in die Sonnenseite ein und genießt einen ersten Blick auf den Königssee (Foto 01). Links im Bild sind die Ausläufer des Kleinen Watzmann zu erkennen, rechts der Lablkopf. Göll bis Fagstein geben den Hintergrund.

Nach einer längeren Verschnaufpause stieg ich weglos über Geröllfelder und Felsblöcke zum Lablkopf (Foto 02) ab. Im Bereich der Felsrippe in westlicher Verlängerung des Labelkopfs trifft man auf Steindauben, die den Weg über eine Durchtrittsscharte zur Abstiegsrinne weisen. Von der Scharte klettert man in 10 min luftig auf den Lablkopf (Stellen II), der von einem gebogenen Gipfelkreuz geziert wird (Foto 03). Um Diskussionen über „Gipfelkreuzverbieger“ vorzugreifen: Das Gipfelkreuz ist nachweislich schon seit vielen Jahren verbogen, lange vor dem Auftreten von Gipfelkreuzvandalismus, vermutlich durch Blitzschlag, Eis oder Schnee. Das Gipfelbuch von 1982 dürfte noch für einige Jahrzehnte gut sein, man genießt hier Einsamkeitsgarantie.

Ich machte es mir auf einem Sitzkissen aus Moos und Gras mit einer ideal geneigten Felsblockrückenlehne bequem. Der Ausblick ist überwältigend (Foto 04). Man sitzt direkt über dem grün-gelben Watzmannlabl mit Sichtkontakt zum belebten Sankt Bartholomä, hört aber gar nichts. Vollkommene Stille! Jedes Zivilisationsgeräusch hätte diesen wunderbaren Augenblick zerstört. Weit über eine Stunde verbrachte ich auf diesem winzig kleinen Zipfelchen vom Paradies.

Für den Abstieg zum Watzmannlabl muss man wegloses Gehen in grasigem und gerölligem Steilgelände mögen. Belohnt wird man mit spektakulären Tiefblicken. Diesmal verstieg ich mich nicht, weil ich das einzige Steinmännchen, das den gefahrlosen Weg durch eine schmale Latschengasse zeigt, nicht übersah. Vor mir breitete sich das Watzmannlabl aus (Foto 05), eine grüne, jetzt in Herbstfarben übergehende Oase im Felsenmeer des Watzmanns.

Beim Verlassen des Labls trug ich mich brav ins Wandbuch ein. Auch da ist noch viel Platz.
Der Weiterweg zum Rinnkendlsteig ist kaum zu verfehlen. Auf Kühroint ließ ich den herrlichen Tag dann mit einer Halben ausklingen, bevor ich nach Hammerstiel zurück lief.

roBerge.de

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« am: 15.09.2016, 12:22 »