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Autor Thema: Hoher Seeblaskogel (Stubai/Sellrain) am 03.09.16  (Gelesen 1225 mal)

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Offline MANAL

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Was für ein großartiger Spätsommer nach diesem durchwachsenen und instabilen Hochsommer. Da kommt man ja kaum mehr zum Ausruhen... aber so soll es sein  #sonne6#

Da die Tage langsam merklich kürzer werden ist es Zeit noch einige längere Touren zu machen. Gestern ging es mit einem guten Freund ins Sellrain auf den Hohen Seeblaskogel.

Anfahrt von Kematen östlich von Innsbruck Richtung Kühtai. In Gries biegt man dann ab ins Lüsenstal und fährt bis ans Ende nach Lüsens (1634m). Dort großer Parkplatz (4 EUR/Tag).

Über den schönen Sommerweg zum Westfalenhaus geht es ansteigend auf der Westseite des Tals aufwärts bis man auf ca. 2000m nach Westen ins Längental einbiegt. Man sieht bereits am Anfang des schönen Längentals das Westfalenhaus und dahinter im Felsmassiv den Gipfel des Seeblaskogel rausschauen. Aber es ist noch ein langer Weg. Nach 1,5 Stunden passieren wir das Westfalenhaus auf 2276m. Bis hierher ein sehr schöner und angenehmer Weg (T2).

Der Weg geht direkt an der gut bevölkerten Terasse vorbei weiter. Einkehren werden wir erst im Abstieg. Der Weg führt weiter gemächlich ansteigend das Längental weiter und biegt nach Süden ab. Am Ende des Tals sieht man die Reste des Längentaler Ferner dahinkümmern. Kaum vorstellbar dass der mal das Tal geformt hat.

Eine Stunde nach dem Westfalenhaus erreichen wir im hinteren Teil des Längentals auf ca. 2400m einen Wegweiser der nach rechts auf einen steilen Schutt- und Blockhang zeigt. Jetzt ist es Schluß mit lustig und dem gemütlichen Dahinwandern. Hier am Anfang muss man aufpassen und genau schauen wo die Markierungen sind. Ca. 50-100m nach(!) dem Wegweiser findet sich der Anfang auf einem großen Steinblock mit Beschriftung "Seeblaskogel". Es geht nun direkt durch das Blockwerk auf den steilen grasbewachsenen Hang zu. Hier muss man manchmal wirklich genau schauen wo die nächste Markierung ist. Hat man den Grashang erreicht ist der Weg wieder eindeutig und gut erkennbar.

Man steigt nun ca. 1 Stunde lang den immer steiler werdenden Hang auf einem immer schlechter werdenden Weg in vielen Serpentinen und am Ende teilweise ziemlich gerade durch unangenehmen Schutt und Brösel hoch bis man den Eingang in das abgeschiedene Kar des Grünen Tatzenferner auf ca. 2900m erreicht. Hier flacht es ab und man erreicht ein etwas unübersichtliches Blockgelände. Hier endet auch der markierte Weg, ab jetzt gibt es nur noch Stoamandl die man im Blockchaose teilweise schwer erkennt. Allerdings ist das Gelände deutlich besser begehbar als es den Anschein hat, die Steine sind sehr stabil und man findet manchmal auch deutliche Pfadspuren. Sinnvoll ist es den markantesten Stoamandl zu folgen. Nach der ersten Stufe sieht man dann auch das Ende des Tälchens mit dem kläglichen Rest des Gletschers. Ebenfalls erkennt man den Gipfel des Seeblaskogel mit Gipfelkreuz.

Den Gletscher kann man entweder linkerhand (westseitig) im Firn und Blockgelände umgehen oder man hat Steigeisen dabei und geht gerade aus sehr bequem über den flachen ansteigenden Gletscher. Von Versuche den Gletscher ostseitig (rechts) zu umgehen kann man abraten. Ein Bergkamerad hat recht bald den Versuch im Blockgewühl abgebrochen und die Seite gewechselt. Wir hatten auf Anraten mancher Tourenberichte die Steigeisen dabei und sind gemütlich über den ausgeaperten Gletscher hochspaziert. Ich kann jedem nur empfehlen Steigeisen mitzunehmen, das ist es auf jedem Fall wert.

Am Ende des Gletschers hält man sich möglich Richtung der Scharte östlich vom Seeblaskogel. Die letzten ca. 50 Höhenmeter zum Gipfel muss man nun selbständig den besten Weg durch Buch, Bänder und Kraxelstellen finden. Man sieht diverse unterschiedliche Pfadspuren und Stoamandl. Entweder man probiert es möglichst nahe am Grat oder auch auf eines der aufsteigenden Bänder drunter. In jedem Fall muss man immer aufpassen den Bruch nicht loszutreten. Wer IIer-Stellen oder aufwärts findet hat einen weniger optimalen Weg gewählt. Auf einfach begehbare Routen hat es maximal Ier-Stellen.

Nach etwas über 4,5 Stunden haben wir den Gipfel des 3235m hohen Seeblaskogel erreicht. Die Wegstrecke sind 9,5 Kilometer und man hat 1600 Höhenmeter hinter sich gebracht. Sonderlich viel Platz hat man nicht auf dem Gipfel, denn westseitig geht's ziemlich steil in den 1000 Meter tieferen Kessel in dem die Winnebach-Seehütte erkennbar ist. Auch von hier kann man zum Seeblaskogel aufsteigen.

Die Aussicht Richtung Südwesten ist hervorragend. Man sieht praktisch die kompletten Ötztaler Alpen, weiter nördlich ist der Kaunergrat erkennbar und dahinter das Verwall mit dem markanten Hohen Riffler. Von Süd bis Ost sieht man unzählige Stubaier Gipfel welche die Fernsicht stark einschränken. Allerdings ist dessen Anblick auch beeindruckend, darunter fällt vor allem der massige Schrankogel auf. Nach Norden geht der Blick über die grünen Grasgipfel des Sellrain hinweg, dahinter die hellen Kalkgipfel des Karwendel.

Wir genießen das schöne Fönwetter und die angenehmen Temperaturen. Außer einen weiteren Bergsteiger war sonst niemand mehr oben.

Nach ausreichender Pause geht es wieder auf dem gleichen Weg zurück. Auf dem gemütlichen Westfalenhaus kehren wir nochmal ein. Der Kaiserschmarrn kann bedenkenlos empfohlen werden.

Über den ebenfalls sehr schönen und gut begehbaren Winterweg steigen wir zum Parkplatz ab den wir nach ca. 10 Stunden zur Dämmerung wieder erreichen. Den Tag haben wir gut genutzt.

Fazit:
Anstrengende Tour mit vielen Höhenmeter die nichts mehr mit Wandern zu tun hat. Es müssen steile und sehr geröllige Wegabschnitte bewältigt werden. Anschließend wegloses Gelände und die Reste eines Gletscher. Schlußanstieg zum Gipfel im steilen und leicht ausgesetzen Gelände ohne jegliche Markierung. Den geeignete Weg muss jeder selber finden. Erfahrene Bergsteiger werden keine Probleme haben und die Tour genießen.
Bei ausgeaperten Gletscher sind Steigeisen oder Grödel sehr empfehlenswert.

Fotos:
- Eingang ins Längental. Rechts der Mitte der höchste Punkt ist der Gipfel des Seeblaskogel.
- Bei diesem markiertem Stein endet die gemütliche Wanderung. Die nächsten 500 Höhenmeter geht es den steilen Schutthang nach oben.
- Den üblen Schutthang hat man hier hinter sich. An dieser Stelle enden die Markierungen. Nun folgt man den Stoamandl durch das Blockgelände. Hinter der nächsten Stufe beginnt dann der Gletscher(rest).
- Der Grüne Tatzen Ferner. Ein spaltenloser sterbender Gletscher. Der Gipfel des Seeblaskogel ist der von hier unscheinbare Vorsprung links der Scharte.
- Rückblick über den Gletscher. An der Scharte rechts kommt der Weg von der Winnebach-Seehütte herein.

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« am: 04.09.2016, 23:14 »

Offline MANAL

  • roBergler
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Re: Hoher Seeblaskogel (Stubai/Sellrain) am 03.09.16
« Antwort #1 am: 04.09.2016, 23:19 »
Fotos:
- Über dieses Gelände geht es die letzten 50 Höhenmeter steil hoch zum Gipfel.
- Schöne Wolkenstimmung
- Blick zu den Ötztaler. Links der Mitte die Wildspitze. Im Vordergrund und 1000 Meter tiefer die Winnebach-Seehütte samt See.
- Blick in die Stubaier. Das dunkle Dreieck rechts der Mitte ist der Schrankogel. Im Vordergrund der Grüne Tatzen Ferner über den wir aufgestiegen sind.
- Der äußerst empfehlenswerte Kaiserschmarrn auf dem gemütlichen Westfalenhaus.