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Autor Thema: Franz Weinberger (Alpinist)  (Gelesen 2233 mal)

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Franz Weinberger (Alpinist)
« am: 29.01.2016, 20:11 »
Franz Weinberger - Der Franei vom Brentenjoch

Franz Weinberger wurde am 16.1.1899 geboren und stammte aus einem Jahrhunderte alten Kufsteiner Geschlecht. Er lernte Sattler, war aber von seiner Jugend an Skifahrer und Bergsteiger aus Leidenschaft. Im 1. Weltkrieg ging er als Kaiserschütze an die Dolomitenfront (Marmolata und Ortler) und war 1917 bereits Heeresbergführer. Im 2. Weltkrieg verlor er in Russland auf einem Spähtrupp ein Auge, was ihn aber bei seinen Unternehmungen nicht beeinflußte.


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Franei, wie er weit und breit genannt wurde, bleib zeitlebens aufrichtig, bescheiden, bärenstark, trinkfest und galt als Idealist. Er diente als Lehrer an der Hochgebirgsschule in Fulpmes. Zu seiner Zeit brach er alle Rekorde im Schnellgehen und dies sogar bei schwierigen Extremtouren. Schon 1923 schuf er sich sein Denkmal mit der Fiechtl-Weinberger-Route (V+) am Predigtstuhl. Der jüngere Franei führte damals als 24-jähriger die Tour, weil Fiechtl einfach einen schlechten Tag hatte.

Fritz Schmitt schreibt hierzu in seinem Klassiker „Das Buch vom Wilden Kaiser“:

Der Franei knüpfte sich ans Doppelseil und klinkte sechs oder sieben Haken mit den Schnappringen an die Brustschlinge. Er wollte sich jetzt nicht mehr lange hin- und herreden, sondern probieren. Der Hannes bückte sich, da rutschte ihm aus der Tasche das Flaschl mit dem Extraschnaps für die Nordgipfel-Westwand. Ein Vierteljahr hatte er den besonders guten und starken Schnaps für die Tour aufgespart, und das wollte bei „Onkel Fickel“ schon wirklich etwas heißen. Jetzt war das Flaschl zerschlagen, und das edle Feuerwasser rann zwischen den Scherben über die Felsen. Aber der Hannes gönnte es dem Predigtstuhl nicht allein, und er leckte aus einer kleinen muschelartigen Vertriefung, was noch zu retten war.

War der verschüttete Schnaps schuld oder die Malaria - Fiechtl hatte keinen guten Tag, der Franei aber in der Vollkraft seiner 24 Jahre einen um so besseren. Er spürte, dass es um die bedeutendste Kaisertour seines Bergführerlebens ging, und er kletterte vom Einstieg bis zum Gipfel voraus. Das war eine außergewöhnliche Leistung, denn wohl bei allen anderen schwierigsten Kaiserfahrten der Neuzeit wechselten bei der Erstbegehung die Seilkameraden in der Führung ab.


Von allen Kufsteiner Bergführern soll er der originellste gewesen sein. Sein Geld bewahrter er meist in seinen Hosentaschen auf. Wenn er dann unterwegs war, verlor er öfters einiges davon, so dass man „Franei’s“ Weg verfolgen konnte. Bei einigen Filmen von Luis Trenker wirkte er ebenfalls mit, so zum Beispiel in „Liebesbriefe aus dem Engadin“. Er war es übrigens auch, der den Himalaya-Peter (Peter Aschenbrenner) zum Klettern brachte.

Franz Weinberger war über 50 Jahre Mitglied der Sektion Kufstein. Von 1945 bis 1952 war er Hüttenwirt von Hinterbärenbad, an einem der landschaftlich schönsten Plätze in den Nördlichen Kalalpen; 1953 erbaute er am Gipfel des Brentenjochs die Brentenjoch-Hütte (später Weinbergerhaus). Nach seinen Touren saß er oft mit Gästen am Tisch, den Kopf aufgestützt, das gesunde Auge geschlossen, schlief und ließ die am Tisch sitzenden Bergkameraden glauben, er würde gespannt der Unterhaltung folgen.

Am 7. Juni 1970 verstarb Franei. Seine Frau konnte das Haus allein nicht weiterführen, sie verkaufte es deshalb an das Ehepaar Obholzer, die es weiter verpachtete.

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Weinbergerhaus