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Autor Thema: Mindestens 50 Tierarten in Wendelsteinhöhle dokumentiert  (Gelesen 2161 mal)

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Offline Reinhard

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Biospeläologie am Wendelstein
Mindestens 50 Tierarten in Wendelsteinhöhle dokumentiert

 
 
Brannenburg / Bayrischzell - Die Wendelsteinhöhle war am vergangenen Wochenende Schauplatz eines ungewöhnlichen Symposiums. Bereits ab Freitag tagten auf der Mitteralm 15 Höhlenkundler aus ganz Deutschland, Wissenschaftler und Laienforscher, um sich in der Biospeläologie fortzubilden. Die fachliche Leitung hatte Stefan Zaenker aus Fulda, einer der anerkanntesten Spezialisten für Höhlentiere in Deutschland. Eingeladen hatte der Verband der deutschen Höhlen und Karstforscher, dessen Vorsitzende Bärbel Vogel ebenfalls anwesend war. Die Wendelsteinbahn hatte die Veranstaltung finanziell gefördert.
 
Nach einleitenden Vorträgen führte der Oberaudorfer Höhlenforscher und Initiator des Projektes „inntaler unterwelten“ Peter Hofmann die Fachleute in alle Winkel des Höhlensystems: „Unsere Erwartungen waren groß, bislang waren nur vereinzelt Tierfunde aus der Höhle bekannt – abgesehen von Fledermäusen. Dieses Mal suchten wir nach Kleinstlebewesen. Im Eingangsbereich sind das Schnecken oder eingeflogene Insekten. Im tiefen Bereich der ewigen Dunkelheit findet man auf Wasserpfützen oder an feuchten Stellen der Höhlenwände echte Höhlentiere, oft Spinnentiere oder Insekten zwischen einem und drei Millimeter Größe.“
 
Das Ergebnis überraschte dann selbst die Experten: In gut vierstündiger Arbeit sammelten die Forscher insgesamt 217 einzelne Tierchen ein, am Abend auf der Mitteralm begann unverzüglich die Bestimmung unter dem Mikroskop. Auf Anhieb konnten mindestens 31 (!) verschiedene Arten unterschieden werden – und sind damit erstmals in der Wendelsteinhöhle dokumentiert.
 
Dabei blieben jedoch jede Menge Fragen offen. Viele Tierfamilien oder Gattungen können nur von darauf spezialisierten Bestimmern bearbeitet werden, an solche Wissenschaftler werden die Funde nun weitergeleitet, dann werden noch einige Arten dazukommen.
 
Stefan Zaenker: „Die Welt der Höhlentiere ist eben noch weitgehend unbekannt. Nimmt man die bislang nachgewiesenen 11 Fledermausarten dazu, leben in der Wendelsteinhöhle vermutlich mehr als 50 Tierarten! Damit ist sie durch unsere Untersuchung auf einen Schlag die biologisch besterforschte Höhle der gesamten deutschen Alpen.“ Dass sich die Veranstaltung gelohnt hat, stand für alle Beteiligten ohne Zweifel fest. „Der Wendelstein hat wieder einen Teil seiner Geheimnisse preisgegeben  - was er noch alles birgt, werden wir vielleicht nie ganz erfahren“, so Höhlen-Experte Peter Hofmann aus Oberaudorf abschließend.
 
Bild:
Eine Laufmilbe frisst ein kleineres Höhlentier, eine Collembola (Springschwanz)
Die Milbe ist etwa 3 mm groß.
Foto: Peter Hofmann

Offline Peter Hofmann

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Das Biosymposium auf der Mitteralm und die Feldarbeit in der Wendelsteinhöhle waren zweifellos ein voller Erfolg.
Die Auswertung der Funde ist noch lange nicht abgeschlossen. Man muss bedenken, dass es für manche Insektenfamilien in Europa gerade einmal eine Handvoll Spezialisten gibt, die die einzelnen Arten auseinanderhalten können.
Die Zwischenergebnisse haben aber bereits die ersten Überraschungen hervorgebracht.
Alleine von den aufgesammelten Collembolen (Springschwänze, winzige weiße Tierchen ca 1-2 mm, kommen oft in Blumenerde vor, bewegen sich ruckartig) wurden 9 verschiedene Arten bestimmt, davon eine erstmals in Deutschland nachgewiesen.
Eine kleine Fliege, eine Scheufliege, stellt einen weltweiten Zweitnachweis dar, d.h., bislang war nur ein einziger Fund dieser Art belannt, von einem Berg in der Nähe von Sarajewo.
Ist es nicht erstaunlich, was sich buchstäblich unter unseren Füßen verbirgt und wir haben keine Ahnung davon ??
Ich gestehe, dass mir die Beschäftigung mit diesen Kleinstlebewesen die Augen für eine Welt geöffnet hat, die mir völlig unbelkannt war.
 
Das Bild zeigt einen ebenfalls aufgesammelten Fledermausschädel, ca 11 mm groß die Aufnahme ist eine so genannte Stacking-Aufnahme, Makro-Bilder mir verschiednenen Schärfeebenden werden so zusammengerechnet, dass das Bild von vorne bis hinten scharf ist, was mit einer einzigen Aufnahme nicht möglich ist.