"Planungsfehler" mit "Wander-App" AV-/OutdoorAktiv - aber nicht nur...

Begonnen von geroldh, 11.01.2026, 14:54

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geroldh

Die roBerge-Suchfunktion zeigt mir, dass die Handhabung von "Wander-Apps" immer wieder "ärgert" oder Fragen aufwirft:
- Schon wieder / Ärgernis alpenvereinaktiv aus dem Jahr 2020
und sozusagen bereits fast "roBerge-historisch"
- Genauigkeit von online-Kartendiensten? aus dem Jahr 2016

Ich nutze natürlich auch die heute online zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Tourenplanung, aber soweit bisher erkennbar, kann ich mit dem mir bekannten "Service" solcher "Wander-Apps" wenig anfangen. Die Basis für mich ist allerdings, im Karten- und Gelände-Lesen geübt zu sein und auch bergsteigerisch das Können zu haben, in einem unerwartet anspruchsvollerem Gelände gut zurecht zu kommen.
Doch für viele Einsteiger zum (Berg-)Wandern können diese Apps eine einfache und praktische Möglichkeit darstellen, zügig zu einer Tour zu kommen, ohne Routenbeschreibungen zu lesen... Idealerweise bleiben die App-Nutzer in ihrer Bequemlichkeit nicht bei einem solchen Kenntnisstand stehen, sondern reflektieren nach ihrer Tour die Route mit der Planung, um daraus persönliche Erfahrung zu generieren.

Diese Tage bin ich auf einen YT-Kanal "Rucksack-Taxi" aufmerksam geworden, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seit wenigen Jahren "bekannte" Wander-Gipfel bzw. -Touren (bis T3) im Chiemgau (und Umgebung) als Video zu dokumentieren. Bei einer Tour in den Chiemgauer Bergen ist von ihm ein "Planungsfehler" der App aus meiner Sicht gut aufbereitet dargestellt - und nebenbei läßt sich hier auch recht gut der südbayerische Dialekt lernen... ;)

Dem Autor nach sollte diese Tour etwas ruhiges werden, eine "normale Wanderung", die aber (automatisch) geplant (bzw. geroutet) mit AV-/OutdoorAktiv, dann eher eine Abenteuer-Tour wurde und damit gezeigt hat, daß man sich nicht auf (s)ein "Wander-Navi" verlassen kann.
Allerdings kann diese (theoretische / virtuelle) Anwendung natürlich nichts dafür, wenn in der Realität durch den frühen und heftigen Schneefall Mitte Sept. 2024 viele Steige und Wege durch abgebrochene Äste und umgestürzte Bäume kreuz und quer "blockiert" sind...

Ausgangsbasis dieser "Lerneinheit" ist seine Tour
Von "Oberwössen" zur "Rachelspitz" Eine verrückte Tour (19 Min. / 13.11.2024),
gefolgt von der Reflexion
zweifelhafte Planung zur Rachespitz, so ist sie entstanden (11 Min. / 24.11.2024).
Norbert, alias "Rucksack-Taxi", schreibt dazu:
ZitatVor zwei Wochen ging ich auf die Rachespitz.
Ich nutze Outdoor Aktiv für die Planung.
Nachdem ein Stück Weg enthalten war, das nicht mehr auffindbar war, habe ich angekündigt mich darum zu kümmern.
Ich erzähle Dir wie die Planung entstand, und was ich mit Outdoor Aktiv bis jetzt erreicht habe. ...

Hinweis: In seinem Kommentar erwähnt er eine frühere Tour, die "für's normale Wandern" von dieser Wander-App (auch) falsch, eben weil zu anspruchsvoll geplant bzw. geroutet wurde. Dabei handelt es sich - aus der Anfangszeit seiner Dokumentationstätigkeit - um den Pendling über den Jägersteig (3:30 Min. / 06.07.2022) mit der Ergänzung: Ich revidiere meine Aussage, zum Pendling und der App Alpenverein Aktiv (2 Min. / 26.11.2022).

Hinsichtlich der Auswahl einer (angebotenen) Route steht natürlich ein Automatismus bzw. ein programmiertes "Regelwerk" im Hintergrund, dass ab einer bestimmten Steigschwierigkeit (nach SAC-Skala) diese anspruchsvolleren Möglichkeiten nicht mehr berücksichtigt. Dies gilt sinnvollerweise für das "Routing" selbst, aber offenbar auch für die Anzeige auf der App-eigenen Wanderkarte, möglicherweise um die Anwender nicht zu irritieren.
Allerdings ist dann im Gegenzug draußen bei der Wanderung die Verwunderung gegeben, dass eben in der Natur sichtbare Steige in der Karten-Darstellung der App nicht auftauchen (aber in der OSM hinterlegt sind). Auch bei einer späteren Tour von ihm von Grattenbach zur Rossalm, dachte ich, dann kam alles anders (22 Min. / 07.05.2025) wurde dieses "Phänomen" sichtbar.

Nun, überlicherweise führt ein solch wenig anspruchsvoller Routenvorschlag dann zu einem Umweg, z.B. auf einer Forststrasse, doch wie einleitend an der Rachelspitz geschehen, werden in der "Wander-App" AV-/Outdoor-Aktiv auch Steige angeboten bzw. geroutet, die es draußen nicht (mehr) gibt.

Ich wollte es daher genauer wissen und habe das im Video dargestellte Gebiet "analysiert":

Als erstes erfolgte die Überprüfung in der
"Standard"-Darstellung der OSM-Datenbank
bzw. äquivalent in einer
"komfortableren" Darstellung "Tracestrack Topo" der OSM.
Ergebnis: Die OSM zeigt diese (verfallene) Verbindungsmöglichkeit nicht (mehr?) an - und hat es bzgl. der Wege-Historie wohl auch nie getan.

:-\ Doch woher nimmt die "Wander-App" dann ihr "Wissen"!?

Tja, dieser "Schmarrn" ist heute (noch) auf BayernAtlas - und wahrscheinlich ebenso auf der DAV-Karte - als (anspruchsvollere, da kurze Striche) Verbindung eingezeichnet:
BA-Topo-Karte (aktuelle Darstellung, Stand Jan. 2026)

An dieser Stelle wird ersichtlich, warum ich solche "Wander-Apps" für meine Touren nicht brauche, denn die Nachforschung in der BA-Zeitreise Funktion zeigt mir, dass diese Verbindung zu Zeiten der Papierkarte (bis ca. 2004) wohl mal für die "Lackenbergwand-Umrundung" häufiger begangen wurde und damals vielleicht "wichtig" war:
BA-Topo-Zeitreise (z.B. Darstellung / "Stand" 1972)

Ein solches vorab in meiner Tourenplanung mit mehr Zeitaufwand erworbenes Wissen nehme ich ins Gelände mit, und wundere mich dann weniger, wenn es "anders kommt" und ich mich mal wieder weglos durchs Gelände arbeiten darf.
Doch wer dagegen mit der (kostenpflichtigen) "Inteligenz" einer App plant, hat womöglich eine andere Erwartungshaltung, nach dem Motto: "Auf die Technik muß Verlaß sein"...

Immerhin hat dieses Erlebnis von "Rucksack-Taxi" dazu geführt, wenig später auch ein Video zu Vor- und Nachteile von Papierkarten oder Onlinekarten sowie Wander-Navis zu machen:
Papierkarte oder Digitalkarten, was ist besser. Am Beispiel, in Outdoor Aktiv, erklärt (25 Min. / 18.12.2024)


Nachfolgend können Interessierte erkennen, zu welchen Mittel ich greife, wenn eine Passage unklar ist und mir vorab eine möglichst genaue Einschätzung wichtig ist:

Zum direkten Vergleich "früher-vs.-heute" (mit "Schieberegler") ist diese heutige Online-Funktionalität super:
Zeitreise (z.B. 1972) vs. Topo-heute

"Gelände-Spezialisten" nehmen "zum Forschen" auch noch das Geländerelief (Schummerungsbild) mit dazu - und können damit (was im Luftbild verborgen bleibt) zum Beispiel eine Steig-Breite abschätzen - und erkennen, was das heutige Kartenbild "unterschlägt":
Gelände-Struktur vs. Topo-heute

Je nach Darstellung, z.B. auch Gelände-Struktur vs. Luftbild-heute (Anm.: Wenn noch Bäume wachsen können, ist oft auch ein T4-Steigen oder T5-Kraxeln möglich), lassen sich ergänzend die Höhenlinien als Überlagerung hinzu schalten (etwas versteckt) und ein geübtes Auge mit Erfahrung im Gelände braucht dann nicht unbedingt eine (kostenpflichtig aufbereitete) farbige Hangneigungskarte einer App.