29.06.2023: Chiemgauer Alpen: Via'd Schlösselschneid auf‘d Hörndlwand
 

       

29.06.2023: Chiemgauer Alpen: Via'd Schlösselschneid auf‘d Hörndlwand

Begonnen von geroldh, 30.06.2023, 20:45

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geroldh

Hinweis: Benedikt Böhm  #guteidee#

Es ist der letzte schöne Tag vor einem Wetterumschwung vorhergesagt – die Natur kann den angekündigten Regen wieder gut gebrauchen – und im Job kann heute ein Bla-bla-Meeting ebenso gut ohne mich auskommen. Daher kurzfristig eine weitere Tour mit @Maiwanderer vereinbart #danke1#, die uns auf die Spur von Walter Schmidkunz (1887-1961) führen soll.

Über Ruhpolding fahren wir am üblichen Ausgangspunkt, dem (kostenpfl.) Parkplatz Seehaus (745 m) vorbei und stellen das Auto am (kost-nix) ,,P2" (783 m / 07:20 Uhr) direkt neben der Deutschen Alpenstraße (B 305) im Bereich des Lödenbodens ab.

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Noch wirkt die morgendliche Kühle, als wir vom Talboden in den südseitig ausgerichteten, meist noch schattigen Anstieg auf den Seehauser (Hoch-)Kienberg einsteigen. Mit dem lichter werden des Waldes endet auch der Ausbau dieses kleinen Steiges, anfangs durch Geröll, bald doch in festeres, wenn auch steiles Gelände ausweichend (T4-5), wird eine Einsattelung erreicht und wenig später stehen wir auf dem kleinen bekreuzten Gipfel der Schlösselschneid (1416 m / ca. 9:00 Uhr), deren Name eigentlich den scharf nach Süden abbrechenden Geländerücken Richtung Osten bezeichnet. Ein kleines Gipfelbüchlein aus dem Frühjahr 2020 – also ohne meine Einträge aus den ,,Pre-Covid-Jahren" und inzwischen auch schon wieder halb voll – wartet auf mich:
Ein Spruch, den ich kürzlich bereits auf einem anderen Chiemgauer Gipfel gelesen habe, fällt durch seine Schreibschrift besonders auf (Eintrag vom 19.12.2020):
,,I kannt vor Freid in'd Hos'n scheißen, wo i hi schaug koane Preisn!" (Tamara & Eva)
Einige Seiten weiter vom Sept.'21 eine Abwandlung:
,,Es is so schee, i kannt grod scheiß'n, weit und breit sig i koan Preis'n" (Markus?)
Doch auch eine wertvollere Lebensweisheit lässt sich darin finden:
,,Genieße den Augenblick, denn der Augenblick ist dein Leben.#geheim#

Anfang März 2021 ist ein Eintrag von Frank Steiner #gruebeln# zu finden, der berichtet, vom Ende des neuen Wegs nach dem ,,T-Ende" noch auf den Grat geklettert zu sein – und dies keine gute Idee sei, die nicht zur Nachahmung empfohlen wäre. Aha und interessant – genau diese Erkundung hatte ich mir im diesjährigen ,,Vorfrühling" auch ausgedacht, es hatte dann aber nicht funktionieren wollen.
Mitte Mai 2021 richtet @schneerose eine Info an die ,,Wintergeher" der Schlösselschneid, dass diese ein WWS-Gebiet (Wald-Wild-Schongebiet) ist. Doch wie lange ,,gilt" der Winter – und dauert dieser südseitig genau so lang wie nordseitig?

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Als wir aufbrechen kommen noch zwei ,,Mädels" zum Gipfel herauf, wir haben sie bereits von Gegenüber kommen sehen, denn ihre Route wird unser Weiterweg sein. Es ist ein kleiner Steig, der uns zuerst nach Westen und dann in nördlicher Richtung nach unten führt. Doch bevor wir zu tief in den Bereich der Brander Alm kommen, verlassen wir diesen, den steilen Waldhang direkt absteigend. Dann, welch eine kleine Überraschung: Hierbei stoßen wir auf einen noch kleineren Jäger(?)steig, der sogar sanft markiert weiter nach unten führt. Dort wird der ausgetrocknete Ostertalgraben(bach) gequert und auf der Forststrasse, etwas später auf dem Standard-Wanderweg, wird die unbewirtschaftete Hörndlalm (ca. 1425 m / ca. 10:15 Uhr) erreicht. Hier lädt uns das Hüttenbankerl zu einer kleinen Pause ein, den strukturierten Felsaufbau der hier felsigen Hörndlwand studierend – wird diese unsere weitere Aufstiegsroute bereithalten. Nach der Alm bleiben wir noch ein kurzes Stück auf dem Jägersteig, dann führt ein kleiner Zustiegsweg an den Wandfuß der nordostseitig ausgerichteten ,,Hauptwand". Eine kleine grasige Terrasse mit zahlreichen Gedenktafeln ist unser Anseilplatz (10:45 Uhr), der Einstieg in den ,,Alten Schmidkunzweg" (III+ [Schlüssel-Stelle] / ca. 280 Klettermeter) befindet sich gleich oberhalb. Als Erstbegeher werden W. Schmidkunz und H. Geyer im Jahr 1906 angegeben.

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geroldh

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Da wir nicht genau wissen, was uns in der Route erwartet, stecken unsere Füße in Kletterschuhen – damit ,,reduziert" sich die ,,gefühlte" Schwierigkeit gleich mal um einen Grad, die verwendete Seilsicherung dient vor allem der physischen Sicherheit. Die Route gemäß dem Topo zieht nach rechts in die Nordflanke und vereinigt sich in der 5. ,,Seillänge" mit dem ,,Neuen Schmiedkunzweg", der wohl anfangs noch durch Latschen führt und bis hierher etwas weniger Felskontakt haben dürfte. Gleich darauf beginnt mit der kurzen (10 m) 6. SL die Schlüsselstelle der Route: In einer kleinen Verschneidung wird etwas Höhe gemacht, dann folgt die inzw. stark abgespeckte III+ Stelle, an der der Körper an einem Klemmblock vorbei auf einen kleinen ,,Balkon" mit einer Halbhöhle zu ,,hieven" ist. Ähnlich zu vorher ist der Weiterweg geprägt von eher leichterem Kraxeln – so wie es sich darstellt, hat der ,,alte" Schmidkunz vor etwas über hundert Jahren hiermit die natürliche Schwachstelle (Linie) dieser sonst durchaus steilen Seite von der Hörndlwand gefunden. Genau nach Angabe in der Routenbeschreibung im Bergführer-Büchlein (A oder B) wird nach knapp zwei Stunden der ca. 1675 m hohe Ostgipfel erreicht, unter dessem Gipfelkreuz wir uns während einer halbstündigen Pause erst mal ein hopfiges Erfrischungsgetränk gönnen.  ;)

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Nun lässt sich auch rückblickend der angegebene Routen-Charakter mit ,,Leichte, stellenweise aber durchaus luftige Kletterei durch die gestufte Nordwestwand. Von sicheren Kletterern kann die Route auch seilfrei begangen werden." beurteilen: Ich für meinen Teil habe mit dieser ,,Kraxel-Route" eine durchaus für mich machbare zukünftige Aufstiegsalternative gefunden.

Über den mit Latschen bewachsenen Grat steigen wir zum kartenverzeichneten und ,,touristischen" Hauptgipfel der Hörndlwand hinüber (1684 m / 13:15 Uhr), halten uns dort aber nicht mehr auf, sondern steigen flott zum Hörndl-Plateau ab – und von dort in südwestliche Richtung weiter zur ehem. Hochkienbergalm. Dort führt ein steiler ,,Serpentinen-Steig" zu einem Verzweigungspunkt auf ca. 1250 m hinunter, von dort wählen wir den durch die nun ziemlich warme Südflanke querenden Steig zum Lödensee hinab, den wir gegen 14:30 Uhr erreichen und an dessen Ostende wir uns abschließend noch ein wohltuendes textilfreies Bad ,,gönnen".  #hihi#

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Schön war's! Wieder mal ein gelungener Tag!  :)