26.08.2022: Chiemgauer Alpen: NaturNah auf bzw. über das Ristfeuchthorn

Begonnen von geroldh, 28.08.2022, 14:44

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geroldh

Zufällig auf den Tag genau fünf Jahre nach dem reich bebilderten Bericht 26.08.17 - Ristfeuchthorn und Weißbachschlucht vom Gaisbergsteiger hatte ich mir diese bereits länger angedachte Tour zur Umsetzung auserkoren. Aber ganz so ,,einfach" wollte ich es mir auch nicht machen, denn mit dem Hinweis von AlexH nach dem o.g. Bericht sowie einer kleinen Diskussion zwei Jahre später hier auf roBerge zu AV-Führer Chiemgauer Alpen / Ristfeuchthorn Beschreibung gab es für mich eine (Abstiegs)Option in der steilen Nordflanke des Berges zu erkunden.


Mit dem Wochenende soll das Wetter kippen – und auch das attraktive 9-Euro-Ticket hat sein Ablaufdatum in wenigen Tagen... Daher an diesem ,,letzten" Werktag der Woche den Zug nach M. ohne mich abfahren lassen und stattdessen drei Gleise weiter in die Gegenrichtung nach Sbg. eingestiegen. In Traunstein problemloser Umstieg in den RVO-Bus 9526 (Bad Reichenhall), der mich nach gemütlicher Fahrt (abschnittsweise sogar als einziger Fahrgast im Bus) via Inzell gegen 8:15 Uhr in Schneizlreuth (516 m) in die eher ruhige Chiemgauer Bergwelt entlässt.

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Ristfeuchthorn von Schneizlreuth – steiler Steig in der rechten Bildhälfte

Direkt hinter dem Gasthaus Schneizlreuth beginnt der steile Steig (T3) durch die schroffe Südost-Flanke des Berges, den ich barfuß und naturnah angehe. Es geht im lichten Bergwald, der immer wieder einen Blick in die Umgebung zulässt, gleich steil hinauf. Kein windiges Lüftchen umweht mich und so bringt mich die schwüle Luft, die am Nachmittag zu tw. heftigen Gewittern führen soll, gehörig ins Schwitzen. Es ist fast wie Sauna – und ich freue mich bereits jetzt auf die Erfrischung nach der Tour im kalten Bergbach.

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Auch in der Ostflanke bleibt es steil – und ruhig

Als Rast- und Zwischenstation wird auf 1267 m (ca. 10:15 Uhr) eine kleine Lichtung mit ebenso kleiner Hütte erreicht. Bisher, und auch im weiteren Aufstieg des Steiges bis zum Abzweig, der hinauf zum Gipfelkamm leitet, begegne ich nur einigen schüchternen Gämsen. Dies ist kein ,,Mode-Berg" und die Hauptattraktivität dürfte er vor allem in den beiden Übergangszeiten Frühjahr und Herbst bekommen, wenn die höheren Gipfelziele noch oder schon wieder Schnee haben.
Ich traue mich auf dem nun splittrigen Steig durch die ausgeschnittenen Latschen weiter hinauf, noch fehlt mir hierfür die Lederhaut an den Fußsohlen, lasse den unscheinbaren Hauptgipfelpunkt (1569 m) links liegen und gelange schließlich zum Ristfeuchthorn Kreuzgipfel (1566 m / 11:30 Uhr), den ich für mich ganz allein habe.

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Am Kreuzgipfel mit Ausblick auf den kompletten Staufen-Kamm

Das Gipfelbuch zeigt mir zwei Einträge vom Vortag und dass erst drei Tage vorher ein Arbeitseinsatz zur Erhaltung von Gipfelkreuz und Aussichtsbank stattgefunden hat. In den Sommermonaten sind es wohl eher Feriengäste, die hier heraufkommen – (nur) ein Eintrag hat den Zusatz ,,Überschreitung" und zwei ,,Burschen" stellen ihre ,,direkte Nordwand-Kraxelei" als mögliche Erstbegehung in Frage.

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Ristfeuchthorn Nordost-Grat mit Staufen-Kamm im Hintergrund

Nach einer Stunde packe ich zusammen und beginne meinen Abstiegsversuch – nun mit Schuhen – über den verlatschten Nordost-Grat des Berges. Die Vorbereitung mittels BayernAtlas lässt auf der Topo-Karte und dem Luftbild den möglichen Verlauf erahnen, zeigt aber auch, dass es einen nur etwa 50 m breiten bewaldeten ,,Schlupf" durch die Nordflanke gibt, rundherum ist das Gelände felsig und steil abbrechend. Eher rustikal geht es anfangs durch die Latschen hinab, mit dem Erreichen des steilen Bergwaldes ist dann gute Trittsicherheit und vor allem Orientierung gefragt, um den möglichen ,,Ausgang" nicht zu verpassen. Immer wieder schaue ich von unten nach oben zurück, um mich zu vergewissern noch richtig zu sein, denn üblicherweise wird diese Variante – der AV-Führer schreibt von einem ,,weglosen Bergsteig, einst besonders von Einheimischen gelegentlich begangen" – sinnvollerweise eher im Aufstieg gemacht (Markierungen, durchgängig T4), sofern man unten den vermutlich unscheinbaren Einstieg kennt. Ganz ohne Mini-Verhauer komme auch ich nicht aus, insbesondere wenn weiter unten die Vegetation höher wird und die vorhandenen Trittspuren verdeckt. Auf etwa 860 m wird neben einem kleinen Bachlauf der in der Topo-Karte (noch) verzeichnete historische (Alm?)Weg erreicht, der in angenehmer und früher üblicher Steigung in Richtung Weißbachschlucht hinabführt.
Da für mich ausreichend Zeit ist, sehe ich mich in dieser abgeschiedenen Gegend auf Basis der alten Topo-Karte etwas um – wird doch auch hier manchmal ,,alpiner Unfug" angestellt:
Radfahrer sitzt in Steilhang über der Weißbachschlucht am Ristfeuchthorn fest (Aug. 2017)
Der Scharnbach oberhalb der alten, inzw. einsturzgefährdeten ,,Bergfuzzi"-Brücke (,,Wo waren die 8 Pfoten?") bietet mir mit einer kleinen Gumpe endlich die ersehnte Erfrischung.

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Ristfeuchthorn von Mauthäusl / Weißbach – noch steilere Spur in der Bildmitte

Dann gilt es den Weißbach zu überqueren, um entweder auf dem Wanderweg durch die Schlucht hindurch wieder nach Schneizlreuth zum geparkten Auto zurückzukehren oder um beim Mauthäusl (ca. 630 m) einzukehren und dort an der Alpenstraße in den Bus nach Inzell/Traunstein einzusteigen. Hierzu bietet sich eine kleine Brücke (ca. 580 m) direkt unter dem ,,Mauthäusl" an, die man aber im aktuellen Kartenmaterial von AV und BayernAtlas vergeblich sucht, obwohl diese existiert und in OSM die Notiz ,,Neue Brücke (10/2017)" trägt. Diese ist mit einer Kette und einem Schild ,,Lebensgefahr" von der Touri-Seite her abgesperrt, weil auf der anderen Uferseite der frühere Steig, vgl. BayernAtlas, auf ,,Zeitreise" umschalten mit Karten-Stand 2008, weggespült wurde und sich eine Neuanlage in ein aufgelassenes, für Touristen ungeeignetes Gebiet (vgl. Unfug oben) wohl nicht mehr lohnt.
Da für mich keine Notwendigkeit besteht, durch die Weißbachschlucht den Ausgangspunkt zu erreichen und sich das Wetter so langsam auf Gewitter umstellt, entscheide ich mich für eine ergänzende ,,innere Erfrischung" im ,,Gasthaus - Hotel Mauthäusl" und eine anschließend frühere Busverbindung. Ein hopfiges Getränk kann ich auf der Terrasse mit Blick in die Ristfeuchthorn-Nordflanke erhalten, doch für ein ,,Schnitzel mit Pommes" hätte ich eine Übernachtung dazu buchen müssen, nur um ,,Hotel-Gast" zu werden, denn – auch die Homepage weist darauf hin – ,,das Restaurant ist für Ausser-Haus Besucher bis auf weiteres geschlossen"...
Etwa um 16:45 Uhr – die ersten Blitze zucken bereits über die Reiter Alm – steige ich am Mauthäusl in den Bus (die letzte gute Verbindung wäre ca. eine Stunde später), kann gegen 17:30 Uhr am Traunsteiner Bahnhof mit einem kulinarischen Döner den aufkommenden Hunger bekämpfen – und danach im (,,Dank" dt. Grenzkontrolle) etwas verspäteten und überbesetzten ,,9-Euro-Express" die Heimfahrt ,,in vollen Zügen genießen" (Zitat Zugbegleiter).



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