3./4.08.2022: Mangfallgebirge: NaturNah auf den Wildbarren

Begonnen von geroldh, 06.08.2022, 22:28

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geroldh

Erster Urlaubstag! Da kann mich das sonnig-heiße Prachtwetter nicht zur ,,Frühschicht" an den Berg locken. Aber ich brauche zum ,,Umschalten" einen Kontrast – und den am besten mit einem kleinen ,,Erlebnis-Booster". Mit entsprechenden Vorerfahrungen ,,abgesichert" hat eine vorabendliche Idee beim Feierabend-Bier ihren Startpunkt:
,,Mikroabenteuer Barfußwandern* – Ohne Schuhe und ... auf den Wildbarren"  *(6 Min. / Video verfügbar bis 23.06.2023)

Es ist Nachmittag und eigentlich der Zeitpunkt der höchsten Temperatur, als ich mit dem (e-)Radl von Rosenheim aus starte. Der erste Badesee bleibt sprichwörtlich links liegen, ab der A8-Unterführung gelange ich auf den (westl.) Inn-Damm und fahre auf dieser ,,Radl-Autobahn" gen Süden – die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel, allein der Fahrtwind sorgt für eine angenehme Kühlung.
Auf der Höhe von Fischbach macht der Inn mit seinem Damm eine Ausbuchtung und hat dort einige Sand-/Schlamm-Bänke abgelagert, die ganz unterschiedlich eingewachsen sind. Es ist ein kleines Biotop mit farbigem Bewuchs und einigen Wildgänsen auf Zwischenstation – eine der Vorschlagstrassen des Brenner-Nordzulaufs sollte genau hier ihre Überbrückung des Inns finden...

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Auf der Südwest-Seite darf sich der Heuberg als unverletzter Berg zeigen

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Ein kleines Biotop zwischen den ansonsten geradlinigen Inn-Dämmen

Kurz darauf verlasse ich den dort neu sanierten Inn-Damm, um die Inntal-Autobahn zu unterqueren, und gelange an den Kirnsteiner See, einem kleinen und inzw. eingewachsenen Baggersee. Entlang des westseitigen Uferpfads gibt es einen unbesetzten Zugang und schon finde ich im herrlich kühlen Wasser meine wohltuende Erfrischung. Für die letzten Meter an den Berg wird nur kurz die Short übergezogen, dann wird in der Nähe auch die Inntal-Eisenbahnlinie unterquert, ein kleines Stück auf der Straße gefahren und an entsprechender Stelle das Fahrrad geparkt (ca. 470 m).

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Wie zwei Geschwister: Der Heuberg und das Kranzhorn

Die gesamte Ostflanke des Wildbarrens liegt nun im Schatten, es braucht somit keinen Sonnenschutz, die Luft ist sommerlich warm und es weht ein leichter Wind durch das Inntal. Nur mit dem Rucksack bekleidet wird anfangs einem Waldweg gefolgt, der alsbald in einen alten Steig übergeht und der zügig an Höhe gewinnt. Wenn der Baumbewuchs lichter wird, ,,verschwindet" der Steig im knie- tw. sogar hüfthohem Grasbewuchs und muss manchmal mehr ertastet werden. Eine Fallböe eines Gewitters hat auch hier schneisenartig die Bäume samt Wurzelwerk bergabwärts umgedrückt, eine Motorsäge hat noch nicht hierher gefunden und etwas kraxeln ist erforderlich. Die etwas ausgesetzte T4-Stelle macht mir auch barfüßig keine Probleme, das Gelände ist trocken und ich kenne den Steigverlauf ,,durch den wilden Osten" von früheren Begehungen. Die langsam untergehende Sonne spitzt erst oben im Bereich des Nordost-Grates zwischen die Bäume hindurch und begleitet mich auf der Traverse durch die Nordflanke – ein paar Gämsen haben um diese Zeit wohl nicht mehr mit Besuch gerechnet...
Auf etwa 1375 m angekommen, steht der gelbe Planet zwischen Wendelstein und Hochsalwand und senkt sich während meines Fast-Gipfel-Biers zunehmend dem Westgrat entgegen. Bei Windstille ist es immer noch angenehm warm, die letzten Feierabend-Gipfelbesucher steigen ,,schnatternd" zum Bichlersee hinab – aber ich bleibe in der Ruhe der Bergwelt zurück, mein Nachtlager vorbereitend...

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Wendelstein – Hochsalwand – Rampoldplatte – Farrenpoint – Sulzberg

geroldh

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Heuberg – Hochries – (Kranzhorn) – Spitzstein

In der Nacht hat sich ein Süd-Wind aufgebaut, der das ganze Inntal ausfüllt und bis hinauf über die Gipfelpartien reicht – am Morgen ist er unten im Inntal als ,,Erler Wind" zu spüren. Bei völliger Dunkelheit ist das Sternenzelt bestens zu bestaunen, die Milchstrasse absolut bewundernswert, eingestreut sind einige Sternschnuppen...
Die Morgendämmerung setzt zeitig ein, ein intensives Farbband am Horizont wie es sich nur in klarer und stabiler Atmosphäre ausbildet – und irgendwann ist es soweit: Der Brünnstein und das Traithen-Massiv bekommen ihren ersten rosa Farbton, dann spitzt auch schon die Sonne hinter der Kampenwand hervor – und die Schau ist vorbei.
Mit dem Kommen der Sonne geht der Wind, Zeit für ein kleines Frühstück, den Schlafsack gelüftet und eingepackt. Dann steige ich zum Gipfelkreuz des Wildbarren (1448 m) hinauf – und darf im Gipfelbuch erkennen, doch nicht der erste Besucher dieses noch jungen Tages zu sein: ,,Schöner Sonnenaufgang" ist darin von einem Paar zu lesen – dem kann ich nur noch ein ,,Sehr schöner Sonnenaufgang" hinzufügen...

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Sommerlich eingetrübter Blick vom Wildbarren-Gipfel auf Kaisergebirge und Alpenhauptkamm

Es wird bereits merklich wärmer, beim konzentrierten Abstieg – nun aber mit Schuhsohlen an den Füssen – komme ich auf dem steilen Südgrat bereits ins Schwitzen, der Tag soll heißer als der Vorherige werden. Die Felixalm (ca. 1050 m) – leider ohne erfrischenden Brunnen – sieht mich nur kurz, dann wird der markierte Wanderweg nach links verlassen, wieder einem alten, beinahe vergessenem Steig in die steile Ostflanke hinab gefolgt. Eigentlich schade, dass sich früher mit der Anlage des Steigs so viel Arbeit gemacht wurde und dieser heute immer mehr dem Verfall durch Erosion und umgestürzte Bäume preisgegeben wird. Wieder wird meine Aufmerksamkeit gefordert, wenn sich die Steigkehren unter dem hohen Gras zu verstecken versuchen. An einem zu querenden Graben gibt es tatsächlich noch etwas fließendes Wasser, dass an einer kleinen bemoosten Stufe hinunterfällt – ideal für eine kleine Duschpause – und trinkbar ist es obendrein. So könnte ich noch stundenlang unterwegs sein, doch bald wieder in den Aufstiegssteig einmündend bin ich wenig später auch am Bergfuß und damit dem Radl angelangt.

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Der Kirnsteiner See mit der wilden Wildbarren-Ostflanke

Die ersten Badegäste haben bereits an den Baggersee gefunden, ich steige nun am Ostufer ins erfrischende Wasser, dann fährt mich das Radl auf dem gleichen Weg wie am Vortag nach Rosenheim zurück.

Ach ja, ganz ohne Zecken geht eine solche NaTour nicht. Zwischendurch bei Pausen wird abgesucht, sofern man die (größeren) Viecher nicht ohnehin krabbeln spürt – mit einem Schnippen fliegen sie dann mit Kopfschmerzen wieder in ihr Habitat zurück. Im Licht der untergehenden Sonne war das Absuchen dann noch sorgsamer, Viecher (Nymphen) die sich bereits festgestochen haben, werden mit einem kleinen Zeckenhebel entfernt. Dennoch überraschen die Biester einen am nächsten Tag wieder...



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