25.06.2022: Leoganger Steinberge: Großes Rothorn -historisch

Begonnen von geroldh, 27.06.2022, 22:39

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Landler

 
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* großes Rothorn (113).jpg
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Blick von der Schafspitze übers kleine Rothorn zum Rothornhauptgipfel

Servus beinand,

war wirklich sehr schweißtreibend trotz frühem Aufbruch (6:00).
Weil i um 10:00 schon am Kreuzgipfel war, bin i übern 40m höheren Hauptgipfel zum kleinen Rothorn abgstiegn (II-III)
und noch auf de Schafspitzen.
Abstieg ins Ebersbergkar und aufpassen, das ma ned an unüberwindlichen Abbrüchen endet.
Zurück zur Jagdhütte durchs Ebersbergkar über Schneefelder und Steinplatten.
Absolut einsam, den ganzen Tag keine Menschenseele gesehen.  :)

Gruß aus Kufstoa - Robert


RADI

Respekt vor Eurer bergsteigerischen bzw. Wegfindungs-Leistung  #schoenetour#
ich könnte und wollte da um Längen nicht mithalten
gegoogelt um die nicht uninteressante Geschichte des Wegebaus bin ich auf folgenden Wikipedia-Eintrag gestossen
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Schmidtmann
irgendwie american dream
RADI

geroldh

#hallo#  schneerose und Traudl – es freut mich narrisch, dass ihr dieses abenteuerliche Konstrukt genauso pfundig in Erinnerung habt wie ich – und auch gleich noch je ein Foto herausgekramt habt  #danke1#

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Das breite Ebersberger Kar – im Hintergrund wird von den Wolken das Birnhorn freigegeben


Die Nordflanke des Großen Rothorn (Blick vom Lahnerhorn aus, gemacht vom "Koasakrax" (@hikr)

Durch verlatschtes Schrofengelände führen zuerst etwas links / östlich, bald aber direkt auf dem Geländerücken Trittspuren nach oben, ab und zu wird die Orientierung unterstützt durch kloane Stoamandl. Der Berg wird zunehmend stufiger, kleinere Felsaufschwünge verlangen hier und da eine kurze Handunterstützung. Als ,,die Schlüsselstelle" wird ein schmaler, unschwieriger Riss gesehen, dann wird das grasige Grün immer spärlicher und ein weniger steiles Gelände lässt uns zunehmend nach rechts / nordwestlich abdriften. Immer wieder schauen wir uns auch um, damit uns für den Abstieg diese Perspektive im Kurzzeitgedächtnis bleibt. Ein letztes Schneefeld taut in einer Rinne vor sich hin, aber hier ist es zunehmend das lose Geröll, das es etwas lästig macht – so weit als möglich bietet sich der festere, aber ungeputzte Fels für kleine Kraxeleinlagen an. Als das Gefühl aufkommt, dass sich der Aufstieg doch etwas arg zieht, ist das Gipfelkreuz zu erkennen und wenig später ist es erreicht, das Große Rothorn (2404 m / ca. 13:15 Uhr). Oder ist dies tatsächlich nur der Vorgipfel, denn in südlicher Richtung setzt sich ein felsiger Grat fort, der im Nebel der Wolke weiter aufsteigt. Die auskondensierende Restfeuchte der verregneten Nacht zuvor umspielt noch die Gipfelpartien, schränkt die Fernsicht stark ein, die bei klarem Wetter als grandios gepriesen wird.

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Am Kreuzgipfel vom Großen Rothorn – eine wolkenlose Sicht wird es erst am Spätnachmittag geben

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Im Hintergrund setzt sich der Grat in Richtung zur etwas höheren Schafspitze fort

Im Gipfelbuch, aufgelegt im Okt. 1991, geblättert zeigt uns, dass es überwiegend die Einheimischen sind, die immer wieder hier heraufkommen, jedenfalls fällt mir keiner der Klar-Namen als mir bekannt auf (obwohl dieser Gipfel in den vergangenen Jahren immer wieder von ,,hikr&Co" besucht wurde – und am gleichen Wochenende nun von 3x roBerge) :laugh:. Dieses Jahr hat es erst drei Eintragungen – die letzte ist nur wenige Tage alt und stammt am 19.6.22 vom Robert aus Kufstoa - Hikr. >Landler<. Ja, insbesondere der Sonntag vom vorherigen Wochenende war ziemlich heiß, da wird er wohl viel Schweiß im Aufstieg vergossen haben...
Nach gut einer Dreiviertelstunde machen wir uns an den vorsichtigen Abstieg – wo sind denn die kleinen Steinhaufen geblieben, die aufwärts irgendwie leichter zu erkennen waren? Mit der entsprechenden Umsicht gelangen wir wieder an die ,,technische" Schlüsselstelle, dem schmalen Riss, der aber mit festem, kompakten Fels aufwartet. Noch eine Variante durch die Latschen ausgetestet und das Haitzmannschartl (1846 m / ca. 15:15 Uhr) hat uns wieder.

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Blick vom Gipfel in das Aufstiegstal ,,Schidergraben", auf das Lahnerhorn und den Talboden der Saalach

Der Blick geht noch einmal zurück in die Aufstiegsroute – die trockenen Bachreißen werden vornehm verdeckt – dann steigen wir ostseitig auf Trittspuren die steile grasige, tw. auserodierende Rinne hinab, queren am Wandfuß kurz zum nächsten Grashang und steigen zunehmend flacher werdend in das Ebersberger Kar hinab. Beim Abstieg von der Scharte war nichts Historisches zu erkennen, aber hier scheint es wieder alte, verwachsene Steigfragmente zu geben – dann trotzdem irgendwie durch die aufblühenden Almrausch-Büsche in Richtung der ,,Boulder-Felsen" abgestiegen, denn dort ,,beginnt" wieder der alte grasige (Jagd-)Steig, der uns mit kleinen Serpentinen durch eine durchaus liebliche Landschaft zur Jagdhütte Ebersberg (1424 m / ca. 16:45 Uhr) hinabführt. Um die Mittagszeit hatten wir dort neben der Hütte eine zusammenstehende Gruppe von (Jung)Kühen gesehen, die nun relativ relaxt hinter der nahegelegenen und halbverfallenen ,,Block-Unterstandshütte" liegen.

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Die doppelstöckige Jagdhütte Ebersberg – mit versetztem Salettl (im Vergleich zum Video) – dahinter der Hochkranz

Wir halten uns nicht allzu lange dort auf und steigen auf dem alten Reitsteig nordseitig in den lichten Lärchen- und Fichtenwald hinein. So harmonisch die ersten Meter beginnen, so unschön wird es bald an der nächsten zu querenden Felswand: Vor wenigen Jahren wurde dieser historische Steig mittels Kleinbagger auf etwas über einen Meter Breite ausgebaut, so dass nun theoretisch ein Quad hier herauffahren könnte. Manche Passagen sind angenehm zu gehen, auf anderen liegen jedoch noch die größeren gebrochenen Steine herum – doch ganz frische Hinterlassenschaften und Trittspuren zeigen uns, dass dort erst heute das Jungvieh auf den ,,Kaser" heraufgetrieben wurde. An einer kleinen der unzähligen Kehren ist tatsächlich noch ein historisches Steigfragment zu sehen, vermutlich hat in den vergangenen Jahrzehnten auch hier die Erosion abschnittsweise dazu geführt, diesen als Wanderweg markierten Aufstieg zu ,,sanieren". Dieser mündet in eine breite moderne Forstautobahn ein, gegenüber ist das Gelände ziemlich steil, vermutlich hatte auch hier früher der Reitsteig eine größere Kehre gemacht, wurde dann aber leider ,,gefressen", denn ein anschließender (Abkürzungs)Steig führt uns alsbald wieder auf die historische Trasse, die aufwärts an der aufgeschütteten Straßenböschung der Kehre heute als Sackgasse endet. Hier folgen nun noch einige wahrhaftig traumhafte Höhenmeter – solche alten und in die Natur eingebetteten Wege müsste es noch viel mehr geben!
Mit der Einmündung beim Hackerbauer (668 m / ca. 18:00 Uhr) sind wir endgültig wieder in der ,,Zivilisation" angekommen, entlang der Saalach wandern wir auf dem stolperfreien Wirtschaftsweg am Ort Weißbach bei Lofer und auf dem geteerten Radweg an der Lamprechtshöhle vorbei zurück zum Auto (ca. 18:30 Uhr).

Zur Einkehr wurde in Sankt Martin bei Lofer der Steinerwirt ausgesucht, dort aber genau mittig der knapp zweiwöchige Betriebsurlaub erwischt – genau gegenüber im Gasthof zur Post erhalten wir vom freundlichen Personal auch zuerst ein zischendes #bier2# und anschließend ein hervorragend leckeres #essen1#.

Traudl

Zitat von: schneerose am 28.06.2022, 09:40
An dem Zustieg zur Haitzmannscharte hab ich mich vor 9 Jahren mal versucht, bei der besagten Leiter bin ich dann umgekehrt. #musik2#
vor etwa 3 Jahren war die Leiter das kleinste Hindernis zur Haitzmannscharte, auch die Wegfindung kein Problem, viel mehr dass man sich in der Botanik die Haxn ned zerkratzt  8)
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schneerose

Zitat von: geroldh am 27.06.2022, 22:39
Tatsächlich gelangen wir nun an eine Stelle, die ich bereits im Luftbild als eine ,,gewollte" Latschengasse ausgemacht habe, nur eine kleine Grabenquerung führt hinüber auf die nächste ,,Insel", durchquert diese eindeutig – und endet an einer ,,Aluleiter am Strick".

Sieh an, hängt diese ,,lustige" Leiter immer noch ,,irgendwo im Nirgendwo" umanand. #lacher#

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An dem Zustieg zur Haitzmannscharte hab ich mich vor 9 Jahren mal versucht, bei der besagten Leiter bin ich dann umgekehrt. #musik2#

Wie´s der Zufall so will, war ich einen Tag nach euch, am Sonntag, auf´m Rothorn. Über den üblichen Zustieg von der Ebersberger Jagdhütte aus. ;)


geroldh

...oder: Die Umrundung vom Lahnerhorn via der Haitzmannscharte mit ,,Nebengipfel"  #mountain#

Auch bereits länger im Hinterkopf mit mir ,,herumgetragen", hatten almrausch und ich uns das Video
Haitzmannscharte, Vergessene Wege in den Leoganger Steinbergen
bis zur Minute 5:15 als skizzierte Vorlage genommen, um eine bislang uns unbekannte Ecke zu erkunden.
ZitatAuf den Spuren eines deutschen Großindustriellen, im nördlichsten Teil der Leoganger Steinberge.
Um die Jahrhundertwende 1900 wurde für die Jagd ein umfangreiches Wegenetz angelgt, im Ebersbergkar ein großes Jagdhaus und sogar ein Reitsteig gebaut.
Der Ersteller dieses für Bergpuristen anregenden Videos ist der ,,kleine" Werner Herzog (werner herzog) – eine ganze Weile hatte ich aufgrund der Professionalität und Qualität durchaus die Überlegung, ob es sich hier vllt. um den ,,großen" Werner Herzog (ist übrigens im roBerge-Kerngebiet aufgewachsen) als Privatperson handeln könnte... – doch erst kürzlich hatte almrausch bei einem Kletterkurs an der Steinplatte zufällig von einem ehemaligen Schüler erfahren, dass es sich hier um einen Namens-Vetter handelt, der an der Mittelschule Leogang als Lehrer unterrichtet.
Apropos: Das Video ,,verharmlost" ein wenig bzw. zeigt die anspruchsvollen Stellen nicht so gut – und als klassische Warnung muss an dieser Stelle verdeutlicht werden, dass diese Route NICHT für den Feierabend und schon gar nicht für (größere) Schulklassen, insbesondere aus dem unerfahrenen Flachland, geeignet ist. Mit überwiegend T3 und einzelnen T4-Stellen, v.a. im Abstieg von der Haitzmannscharte, kann es vor allem bei Nässe kritisch werden, die Gipfelbesteigung des Großen Rothorn verlangt obendrein erweiterte Kraxel-Fähigkeiten (T5 / UIAA I-II) mit gutem Orientierungsvermögen (v.a. im Abstieg) und zuverlässiger Trittsicherheit im lockeren Schutt.

Screenshot_YouTube-Haitzmannscharte_Route.jpg
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Bildschirmfoto aus dem Video mit der Auf- und Abstiegs-Route (ohne ,,Nebengipfel")

Wie schnell wächst eigentlich eine ,,kultivierte" Latsche?
Die Veröffentlichung im Video-Portal war im Dez. 2010, doch meine Vermutung ist, dass die Entstehung des Films bereits um die ,,Jahrtausendwende" herum gewesen sein könnte, denn im Video gibt es vor der kleinen Jagdhütte noch kein solches ,,Gestrüpp" wie nun bei mir auf dem Foto.

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Die (obere) Jagdhütte im Bereich des Vorderkasergrabens

Dieser Tour vorausgegangen war eine intensivere Vorbereitung am Rechner, um insbesondere in der Westflanke der Haitzmannscharte die ,,Try-&-Error"-Erfahrung so weit wie möglich zu reduzieren. Da das Kartenmaterial – v.a. das heutige – in der Aussagekraft recht dürftig daherkommt, hatte ich versucht, am Orthofoto vom SAGISonline - Land Salzburg einige mögliche Anhaltspunkte für den ,,geordneten" Aufstieg zu finden, doch das Ergebnis war im Wesentlichen, für eine gewisse Vor-Ort-Überblicksorientierung wenigstens einen Ausdruck von dieser ,,Vogelperspektive" mitzunehmen.

Auch ein Ergebnis dieser Vorbereitung ist, dass wir am Morgen in gewisser Weise ,,wegeoptimiert" eine große (kostenfreie) Parkbucht an der B311 (ca. 660 m / ca. 7:30 Uhr) ansteuern. Um nun ,,distanzoptimiert" unterwegs zu sein, überqueren wir den etwas darüber verlaufenden Tauernradweg und steigen etwa 50 Höhenmeter weglos durch den Wald auf, um darüber die Kehre einer Forststraße zu erreichen, die uns oberhalb des Schidergrabens mit zügigem Höhengewinn dem bezeichneten Zwischenziel ,,Jagdhütte" näherbringen soll. Umso höher wir kommen, bzw. tiefer in das Tal hinein wir gelangen, desto kleiner (und naturnaher) wird diese Zufahrtsmöglichkeit, nach einer Wendeplattform ist es nur noch ein grasiger Waldweg (ideal zum Barfußlaufen) – und auch dieser endet schließlich, um unscheinbar in einen verfallenen (Reit)Steig überzugehen. Darauf wird die kleine, alte Jagdhütte mit der Jahreszahl ,,1924" im Türstock erreicht (ca. 1280 m / ca. 9:00 Uhr), die zu einer ersten kleinen Rast auf dem Hüttenbankerl einlädt. Inwieweit es hier noch einen alternativen Zustieg gibt, vgl. die Tonspur im Video, bleibt erst mal unentdeckt, ein kleiner Pfad führt in erster Linie zu einem nahegelegenen Jagd-Ansitz.

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Die Reste der vorabendlichen Wetterstörung umschmeicheln noch die Loferer Steinberge

Nun beginnt das eigentliche Abenteuer, den alten und inzwischen verfallenen Jagdsteig hinauf auf die Haitzmannscharte zu finden. Direkt oberhalb der kleinen Jagdhütte wurde vor vielen Jahren großzügig abgeholzt, das nun einfallende Licht hat die Bodenvegetation üppig gedeihen lassen, ein möglicher alter, aber jahrzehntelang ungepflegter Steig ist hier erstmal überwuchert und unsichtbar. Schließlich treffen wir rechterhand / südlich im Bereich des Graben-Randes auf eine deutlichere Trittspur, die mitunter aber auch vom Wild ,,gepflegt" wird, doch darauf lässt sich ganz gut Höhe gewinnen und eine (aktive) Salzlecke deutet wenigstens auf rudimentäre menschliche Existenz hin. Uns bleibt erstmal nichts weiteres übrig, als diesem ,,Pfad" zu folgen, zumal die Richtung stimmt und alte Schnittstellen an den Latschen eine gewisse Zuversicht ausstrahlen. Bald ist eine erste ,,kleine" Schuttrinne zu durchqueren, um auf die nächste ,,grüne Insel" zu gelangen. ,,Aktive" Markierungshinweise gibt es bisher keine, und wird es auch bis hinauf zur Scharte keine geben, ausreichend Erfahrung bei anderen ,,Orientierungstouren" bildet hier neben Aufmerksamkeit die elementare Basis. Tatsächlich gelangen wir nun an eine Stelle, die ich bereits im Luftbild als eine ,,gewollte" Latschengasse ausgemacht habe, nur eine kleine Grabenquerung führt hinüber auf die nächste ,,Insel", durchquert diese eindeutig – und endet an einer ,,Aluleiter am Strick". Beides soll die brüchige Grabenflanke entschärfen und ist mit Sicherheit ein ,,Fortschritt aus der Neuzeit". Auf der anderen Seite wird eine (heute) schmale Latschenzunge erklommen, an der Flanke etwas am Grabenrand entlang gehangelt, um dann – im Bereich eines größeren Felsens – den ausgeschnittenen Gang ,,in das Latschen-Innere" zu finden. An dieser Stelle wird recht deutlich, wie der ,,Zahn der Zeit", bzw. die heftigen Regenfälle, am Gelände und diesem alten ,,Steig" nagen. Möglicherweise gab es bereits um die vorherige Jahrtausendwende hier Entwässerungsrinnen, doch waren diese mit Sicherheit kleiner und wurden im Rahmen eines Jagdsteig-Neubaus vllt. etwas ,,scheuklappenmäßig" überwunden. Insbesondere die heutigen in größerer Häufigkeit auftretenden Starkregen-Niederschläge mit ,,Sturzfluten" lassen diese alte Aufstiegsmöglichkeit immer stärker erodieren und damit auch verfallen. In einigen Jahren könnte dieser Graben die markanteste ,,Schlüsselstelle" dieser Route darstellen.

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Die Westflanke des Lahnerhorns – mit Aufstiegsrinnen für ,,vierhaxige Kraxler"

Nun gilt es in dieser zweiten größeren Vegetationsinsel weiter aufzusteigen: Gesteigerte Aufmerksamkeit hilft, in einer kleineren Lichtung den (ausgeschnittenen) Abzweiger rechterhand zu erkennen. Die Gämsen schneiden keine Latschenäste ab, aber sie haben inzwischen ihre eigenen ,,Verkehrswege" herausgebildet – nicht ganz einfach also, die ursprünglich historische Routenführung aufzuspüren. Ob uns dies stets gelungen ist, möchte ich nicht garantieren. Als eine größere grasige Stelle erreicht wird, habe ich erstmalig den Eindruck, dass eine geradlinige Gelände-Deformation auf eine alte Steigbautätigkeit hinweist, doch nach wenigen Metern ist dieser Eindruck bereits wieder zu Ende. Ein nächster kleiner Graben muss gequert werden, neben dem ,,Bauchgefühl" orientieren wir uns insbesondere an die latschen- und geröllfreien, also grasigen und gut begehbaren Flächen – und tatsächlich, etwas unterhalb der Scharte lässt sich eine große Kehre mit typischer Pfad-Steigung erkennen, die (noch) nicht von dem Latschen-Gestrüpp vereinnahmt worden ist. Da dort seit Jahrzehnten keine (menschliche) Pflege stattgefunden hat, aber die Gämsen möglicherweise ihre eigenen ,,Wege" gehen, verlieren wir die historische Route wieder und ,,eiern" inklusive einem sprichwörtlichem Latschenvollbad nun der (südlichen) Einschartung entgegen. Ach, da ist er ja, ein größeres Stoamandl – wir haben das Haitzmannschartl (1846 m / ca. 11:15 Uhr) erreicht, haben nun einen guten Rückblick in unser Aufstiegstal und sehen auf der anderen Seite in das breite Ebersberger Kar hinab bzw. hinein – und machen dort etwa eine halbe Stunde (Mittags)Pause.

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Bildschirmabbildung des Orthofotos aus dem Kartendienst SAGISonline - Land Salzburg mit der skizzierten Aufstiegs-Route

(Fortsetzung folgt)