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Autor Thema: Gramaijoch am 19.06.21  (Gelesen 329 mal)

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Offline MANAL

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Gramaijoch am 19.06.21
« am: 20.06.2021, 16:38 »
Feuchtheißes Wetter mit Gewittergefahr und schlechter Fernsicht. Also mal wieder eine passende Tour gesucht die sich bei diesen Bedingungen einigermaßen eignet. Die Wahl fiel auf das Gramaijoch im Karwendel, einem recht unbekannten Gupf oberhalb des Großen Ahornbodens. Weitgehend nord- bis westseitige Lage um nicht in den heißen Südhängen rumzurennen, nicht allzuweit für mich zu fahren und die Nahblicke überzeugen. Zudem findet sich im Internet kaum was, was normal ein Garant ist um Ruhe zu haben.  ;)

Start war am Parkplatz bei der Plumsjochstraße nördlich des Großen Ahornbodens auf ca. 1120m (Risstal Mautstraße 4,50€/Auto). Von dort auf der Plumsjochstraße bis zu einer Schleife wo es unmarkiert raus und über den Bach aus dem Gramaigraben geht. Auf der anderen Seite dann der Wegweiser "Faule Eng" der mit 3h angegeben ist.

Durch schönen und wilden Bergwald geht es steiler werdend in langen Serpentinen aufwärts und in den Gramaigraben rein. Der Weg ist schmal und wohl nicht sehr frequentiert, aber er ist gut markiert und problemlos zu gehen. Es gibt nur wenige leichte Kraxelstellen und ist kaum ausgesetzt, da es fast durchgehend durch teils dichten Bergwald nach oben geht.

 
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Ungefähr 400 Höhenmeter über dem Rißtal zieht dann der Pfad westseitig oberhalb des Ahornbodens nach Süden wo man in den Latschenbereich kommt, der Wald zurückgeht und erst sehr schöne Ausblicke über den Ahronboden und das Talende in der Eng mit seinen Felswänden bekommt.

 
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Hier erblickt man auch erstmals das kleine Hochtal östlich vom Bärenwandkopf, der von hier sehr mächtig wirkt, aber ansonsten ein völlig unerheblicher Latschenrücken ist. Der Weg verläuft meist nur leicht aufsteigend durch die Hänge und biegt schließlich in das schöne und einsame Hochtal der Faulen Eng ein. Dort geht es über Schutt und letzte Schneefelder zwischen Bärenwandkopf und Sonnjoch aufwärts.

 
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Am Ende geht es über Gras in einen Latschenriegel rein den man über Gassen durchquert und schließlich den weiten Grameier Kessel erreicht in dem man von Murmeltiere begrüßt wird. Dahinter das Gipfelziel, das Gramaijoch, ein grasiger Latschenbuckel. Statt den Normalweg über den Ostseite quere ich nun weglos über die Wiesen durch den Grameier Kessel und steige über nicht allzusteile Grashänge zum Rücken und weiter zur weiten Grasfläche am Stoanblamlkopf (1954m, Name findet sich nur auf der AV-Karte).

 
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Anschließend geht es von hier über den aussichtsreichen Verbindungsrücken zum Grameijoch. Weglos arbeite ich mich zuerst über Gras und zwischen Latschen einen kurzen Steilaufschwung nach oben. Die Ausblicke über die blumenreichen Hänge runter zur Eng runden die Tour ab.

 
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Danach geht es durch mehrere Latschengassen (Latschenkampfklasse 1-2, je nach Wegwahl) und/oder südlich der Latschen nahe der steileren südseitigen Grashänge bei trockenen Verhältnissen unschwierig (Trittsicherheit erforderlich, Schwindelfreiheit angehem) hoch zum kreuzlosen Gipfel des Grameijochs (2017m).

Da das Grameijoch deutlich niedriger als alle Nachbargipfel ist wird man sich mit Fernblicke schwer tun, die am gestrigen Samstag wegen Dunst und Saharastaub sowieso nicht vorhanden waren. Dafür überzeugen die Nahblicke auf die massiven Felswände des Karwendelhauptkamms vom Hochnissl bis zur Birkkarspitze, auf das benachbarte Sonnjoch und Gamsjoch.

Der Abstieg erfolgte dann über den Normalweg nach Südosten zum Binssattel und von dort runter zur grausig und aus verschiedenen Gebäudenen zugebauten Binsalm. Scheinbar gefällt den Bergtouristen die furchtbare tirolerische Touristenarchitektur?  #gruebeln# 
Dort bin ich dann nicht auf der Fahrstraße runter zur Eng, sondern auf dem Panoramaweg nochmal etwas aufwärts und dann aussichtsreich unter den beeindruckenden Felswänden der Spritzkarspitze runter zur Eng. Von dort dann am Rissbach entlang durch den Ahornboden zurück zum Ausgangspunkt.

Im Gegensatz zu den bekannten Nachbargipfel hat man am Gramaijoch viel Ruhe. Am Gipfel war ich alleine, drei Wanderer sind vor meiner Ankunft schon im Abstieg gewesen und die nächsten sind mir erst im Abstieg entgegen gekommen. Der Aufstieg über die Faule Eng lohnt sich auf jedem Fall, zuerst geht es hoch über dem Ahornboden dahin und dann in das wunderschöne idyllische und unbekannte Hochtal rein.

Wer will kann statt dem Gramaijoch auch auf das Sonnjoch oder den Hahnkampl steigen oder mehrere Gipfel kombinieren. Der wegloser Aufstieg über den unbedeutenden Stoanblamlkopf und weiter zum Gramaijoch ist die Ideallösung für ruhesuchende Individualisten die auch vor Latschenkampf oder Wegsuche nicht zurückschrecken.

Einzig der Rückweg durch den Ahornboden zieht sich etwas, zumal man am Anfang den Trubel um sich hat und danach entweder an der mit Autos, Krawallmotorräder und rasende (E-)Radler vielbefahrenen Straße entlang zurück geht oder sich weglos durch den Ahornboden schlägt. Irgendwie pervers, dass es keinen vernünftigen Wanderweg durch den Großen Ahornboden gibt und der markierte Weg die Straße ist.

Gesamtlänge: 17,3 km
Höhenmeter: ca. 1200m

Fazit: Schöne einsame Rundtour die ideal für Tage ist an denen es keine Fernsicht gibt. Der Aufstieg durch die Faule Eng zum Binssattel/Gramaijoch/Hahnkampl/Sonnjoch ist wunderschön und praktisch unbekannt. Das Gramaijoch ein toller Aussichtsberg um die Schönheit der wilden Felswände um die Eng zu bewundern. Auch geeignet wenn die Bergtouristen alle anderen bekannten Gipfel drumherum bestürmen.

roBerge.de

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« am: 20.06.2021, 16:38 »