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Autor Thema: Biathlon aus der Gams-Perspektive am 17.01.2020  (Gelesen 545 mal)

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Offline BFklaus

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Durch die grünen Täler von Traun und Weißer Traun fuhr ich mit meinem Stromradl zum größten Wintersportspektakel im Chiemgau, dem Biathlon-Weltcup 2020 in Ruhpolding. 16.500 Zuschauer waren gekommen, die für eine Tageskarte im Vorverkauf zwischen 55 € (Sitzplatz Sonnentribüne) und 26 € (Strecke) löhnten. So viel Geld waren mir die modernen Gladiatorenkämpfe :-\ nicht wert. Von der Raffneralm stieg ich auf teils eisglatten Wegen zur Unternbergschneid auf und weglos zu den Gschoßwänden ab, wo ich mir eine passende Gratis-Aussichtsloge #victory# suchte.
 
01_Aussichtsloge.jpg

Von meinem sonnigen Sitzplatz schaute ich hinab auf die schattige Arena, die von starken Scheinwerfern etwas aufgehellt wurde.
Es war 13:50 Uhr, der Wettkampf hatte noch nicht begonnen. Trotzdem war die Lärmkulisse gewaltig. Schlager- und Blasmusik, gemischt mit Lautsprecherdurchsagen, vielfach reflektiert an den Steilhängen des engen Tals, erzeugten einen schwer erträglichen Schallbrei. In mir wuchs die Sorge, dass sich die Restpopulation heimischer Gämsen in Panik von den Felsen stürzen könnte: lärminduzierter Suizid sozusagen >:D.
Im Ernst, die Arena grenzt unmittelbar an das Naturschutzgebiet „Östliche Chiemgauer Alpen“ und ist dort ein hässlicher, störender Fremdkörper. Die ohnehin stark angeschlagene Natur eine Woche lang mit höllisch lautem Partylärm zu malträtieren und einem immensen Verkehrsaufkommen auszusetzen, fällt zunehmend schwerer zu verstehen.
Während mir solche Gedanken durch den Kopf schwirrten, hatte der Wettkampf bereits begonnen. Das auseinandergezogene Feld fing ich fotografisch gerade noch kurz hinter der Brücke ein (Bildmitte). Leider reichte die Tele-Brennweite nicht aus, um die Nationen zu unterscheiden, von Weitem sind halt alle gleich ;).
 
02_Start.jpg


Trotz tief stehender, blendender Sonne war der Blick nach Süd-Westen unvergleichlich schöner als zur tristen Arena im Süden. Das blaue Auge des Förchensees blitzt zwischen Seekopf (links) und Schlösselschneid (rechts) hervor. Unverkennbar ist das Hörndl (rechts oben).
 
03_Seekopf_Förchensee_Schlösselschneid.jpg


Schön anzuschauen war auch ein Gleitschirm im Tandemflug, der sich auf den Saurüsselkopf zu bewegte.
 
04_Gleitschirmtandem.jpg


Den Ausgang des Rennens erfuhr ich abends aus den TV-Nachrichten, weil ich es vorgezogen hatte, auf einen Kaffee mit Apfelstrudel in Vanillesoße zur Unternbergalm aufzusteigen 8). Dort fasziniert mich der Blick auf Watzmann und Hochkalter, eingerahmt von Aibleck und Hochgern, immer wieder aufs Neue.
 
05_Watzmann_Hochkalter.jpg

roBerge.de

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« am: 18.01.2020, 13:42 »

Offline MANAL

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Re: Biathlon aus der Gams-Perspektive am 17.01.2020
« Antwort #1 am: 18.01.2020, 15:40 »
Ich frage mich gerade bei dem Panoramafoto der Biathlonanlage wo die "Sonnentribüne" sein soll?  #gruebeln#

 :laugh:

Offline Bergautist

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Re: Biathlon aus der Gams-Perspektive am 17.01.2020
« Antwort #2 am: 18.01.2020, 15:44 »
Trotzdem war die Lärmkulisse gewaltig. Schlager- und Blasmusik, gemischt mit Lautsprecherdurchsagen, vielfach reflektiert an den Steilhängen des engen Tals, erzeugten einen schwer erträglichen Schallbrei. In mir wuchs die Sorge, dass sich die Restpopulation heimischer Gämsen in Panik von den Felsen stürzen könnte: lärminduzierter Suizid sozusagen >:D.
Im Ernst, die Arena grenzt unmittelbar an das Naturschutzgebiet „Östliche Chiemgauer Alpen“ und ist dort ein hässlicher, störender Fremdkörper. Die ohnehin stark angeschlagene Natur eine Woche lang mit höllisch lautem Partylärm zu malträtieren und einem immensen Verkehrsaufkommen auszusetzen, fällt zunehmend schwerer zu verstehen.
Ja, ja, der Ballermann ist überall. Oder soll ich sagen, München ist überall? Dort meint selbst der DAV, seine Kletterwettbewerbe mit Stadtteil füllendem Animateurenlärm befeuern zu müssen. Mal gut, dass ich dort nicht, bzw. nicht mehr wohnen muss! Und meine Verwandtschaft hatte wohl auch ein Riesenglück, denn die machte Anfang des Jahres ausgerechnet in Ruhpolding Urlaub!

Offline BFklaus

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Re: Biathlon aus der Gams-Perspektive am 17.01.2020
« Antwort #3 am: 18.01.2020, 16:57 »
Ich frage mich gerade bei dem Panoramafoto der Biathlonanlage wo die "Sonnentribüne" sein soll?  #gruebeln#

 :laugh:

Laut Stadionplan steht die "Sonnentribüne" im Osten des Stadions, also im Stadionplan rechts, in meinem Foto links.
Ich will nicht ausschließen, dass dort am späten Vormittag kurzzeitig die Sonne hin scheint ...

Ja, ja, der Ballermann ist überall. Oder soll ich sagen, München ist überall?

Ja, leider breitet sich das Ballermann-Virus immer weiter aus.

Offline Kalapatar

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Re: Biathlon aus der Gams-Perspektive am 17.01.2020
« Antwort #4 am: 18.01.2020, 21:29 »
Servus

Also ich war vor einigen Jahren einmal in Ruhpolding beim Biathlon eingeladen. Platz an der Strecke, also nicht im Stadion. Dazu ein paar Bemerkungen:

Es ist dort "saukalt" #zitter, die "Profis" haben sich auf mitgebrachte Styropor Kartons gestellt (sonst musst Du Dich bewegen und dann verlierst Du deinen Platz in der ersten Reihe). Es stehen aber genügend Bildschirme auch an der Strecke, so dass man das Schießen verfolgen kann.
Da ich auch ein wenig (schlecht) auf LL-Skiern unterwegs bin war ich extrem beeindruckt wie damals (es war ein Frauen Rennen) die Mädels diese echt steilen Abfahrten auf den schmalen Brettern gemeistert haben #ohnemich#; also mit normalen Skiern hätte ich da schon einen oder zwei Schwünge reingesetzt #gruebel#!
Natürlich ist es ein kommerzielles Spektakel, aber ist das heutzutage nicht jedes größere sportliche Ereignis (Man denke nur an die Ski Weltcup Rennen): Wenn man da mal dabei war, etwa in Garmisch, dann ist das vergleichbar mit Ruhpolding oder einem Skispringen der Vierschanzentournee? Man muss ja nicht mitmachen, wenn man nicht mag.

Also die Idee vom BFKlaus sich das ganze mal von oben in Ruhe anzusehen, war sicher ganz interessant.

Viele Grüße, Kalapatar

Offline BFklaus

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Re: Biathlon aus der Gams-Perspektive am 17.01.2020
« Antwort #5 am: 19.01.2020, 10:42 »
Natürlich ist es ein kommerzielles Spektakel, aber ist das heutzutage nicht jedes größere sportliche Ereignis (Man denke nur an die Ski Weltcup Rennen): Wenn man da mal dabei war, etwa in Garmisch, dann ist das vergleichbar mit Ruhpolding oder einem Skispringen der Vierschanzentournee? Man muss ja nicht mitmachen, wenn man nicht mag.
Das Schlimme ist doch, dass wir diese „kommerziellen Spektakel“ viel zu oft als gottgegeben hinnehmen.
Positiv stimmt mich, dass z.B. Münchens Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 an Bürgerentscheiden gescheitert ist. Im Landkreis Traunstein (mit Ruhpolding) stimmten damals fast 60% gegen Olympia, ich natürlich auch.
Großveranstaltungen, wie der Biathlon-Weltcup, sind in Naturschutzgebieten am falschen Ort. Sie gehören in die Stadien der Großstädte, wo entsprechende Infrastruktur samt zahlungswilligem Publikum bereits vorhanden sind. Der erforderliche Schnee wird sowieso künstlich erzeugt.

Also die Idee vom BFKlaus sich das ganze mal von oben in Ruhe anzusehen, war sicher ganz interessant.
Aus der „Gams-Perspektive“ wird einem tatsächlich bewusster, was wir mit unserer Natur anstellen.
Der typische Weltcup-Besucher dürfte allerdings mit dem Aufstieg zu meiner Aussichtsloge deutlich überfordert sein #hihi#.