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Autor Thema: Kleine Westkaiserrunde plus Gamskogel am 10.11.2019  (Gelesen 380 mal)

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Offline Bergautist

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geroldh hatte ich zwei einfache Tourenvorschläge durch den Westkaiser zu verdanken, von denen ich erst einmal die "kleine" Variante bei passendem Kaiserwetter ausprobieren wollte. Das mit dem Kaiserwetter hat heute gepasst, also ging es mit dem ersten für mich verfügbaren Zug nach Kufstein. Und wie es der erste Zufall so wollte, traf ich (oder besser gesagt, traf mich) der Tippgeber am Bahnhof Rosenheim, ebenfalls mit dem Ziel Kufstein. Unterwegs wurde dann gleich noch ein zweiter Tipp aufgenommen, der kleine Umweg über den Gamskogel, der mich schon bei früheren Stadtberg-Runden immer wieder interessiert hatte. Hinter der Innbrücke trennten sich dann unsere Wege, geroldh bog rechts ab, ich blieb geradeaus auf dem Weg zum Elfenhain.

Der Elfenhain war mir noch von der Ü60-Tour im April bekannt. Unerwarteterweise war die im April schon gesperrte Querung immer noch gesperrt, die Schlüsselstelle (Bild 1) aber inzwischen gut ausgetreten. (Die Sperrung ist wegen der fehlenden Geländer leider immer noch berechtigt, die Absturzgefahr erheblich, insbesondere für Betrunkene.) Bild 2 ist zu entnehmen, dass alle Daheimgebliebenen mit Wolken gestraft wurden, und das ganztägig! #lacher#

Vorbei an der Mittelstation der Seilbahn stellte sich der Abstecher zum Jahnhügel als besonders aussichtsreich (Bild 3) heraus. Bild 4 wurde nur wenige Minuten weiter an der Brentenjochalm aufgenommen, bevor es dann erstaunlich gemütlich den Gamskogel hochging. (Da war der steilere Abstieg nach Süden mit seinen schneebelegten, geländerlosen Holztreppen schon etwas herausfordernder.)

Als ich schließlich auf den Bettlersteig traf, erwartete mich dort seit 3 Minuten schon jemand: geroldh! Zufall Nummer 2: Nach fast 4 Stunden Wanderzeit war dies die letzte Stelle, an der wir uns hätten treffen können, denn geroldhs Zustieg war ab dort mein Rückweg!

Weiter ging es über die Steinbergalm (Kaindlhütte) zum Hochegg und zur Walleralm, die just heute ihren letzten Öffnungstag hatte. (Mein Versuch, die Öffnungszeiten der Walleralm zuvor per Internet herauszubekommen, musste scheitern, denn mein Gugl kannte deren Internetseite schlichtweg nicht: walleralm.eu)

Natürlich musste ich den nahegelegenen Kreuzbichl auch noch mitnehmen und durfte ein neues Phänomen kennenlernen: Der bestialische Gestank dort stammte nicht von einer Schafherde. Vielmehr werden dort auch die Bergwiesen mit Stallmist gedüngt! (OK, was soll man machen, wenn man NUR Berge hat :-[.)

Schnee trat heute ab ca. 1000 m Höhe auf, war aber stets gut gehbar und nie höher als ca. 7 cm. Nur an südexponierten Hängen konnte der Schnee der Sonne nichts entgegensetzen!

Die komplette Tour kam ohne Hirnbirn aus, auch dank guter Kufsteiner Beleuchtung (Bild 5). 23 km. 1488 Hm. 8 Std. Gehzeit.

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« am: 11.11.2019, 15:28 »

Offline geroldh

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10.11.2019: Kaisergebirge: Westkaiser-Runde wild & zahm
« Antwort #1 am: 12.11.2019, 22:58 »
Das kleine (Zwischen)Hoch Paloma versprach einen strahlenden Sonn(en)tag #sonne6# – jedenfalls für die flexiblen Alpenanrainer. Doch im pers. Umfeld waren an diesem Tag nur Individualtouren angesagt – und da wollte ich natürlich nicht nachstehen und habe auch mir eine Rundtour „gezaubert“. Vor genau einem Jahr unterwegs in Nepal auf „Trekkingtour“ zum Mera-Peak, wollte ich dieses Gefühl nochmal etwas nachempfinden...  #mountain#

Den Gedanken für den ersten Zug des Tages schob ich noch im Bett mit der Aussicht auf ein vernünftiges Sonntagsfrühstück beiseite und so kam es, dass wir in der Morgensonne unsere beiden Touren um 9:00 Uhr am Bahnhof Kufstein (480 m) starteten. Während sich Bergautist meine „tiefergelegte“ Kleine Westkaiser-Überschreitung von vor zwei Wochen als Anregung vorgenommen hatte, wollte ich aufgrund des zwischenzeitlichen Schneefalls die beiden Kaisergebirgshälften auf normalen Steigen zu einer Runde verbinden.

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Walleralm "zwischen den Jahreszeiten" / (Kufsteiner) Stadtberg und Mangfallgebirge

Der Weg durch den Ortsteil Weissach, an der Locherer Kapelle (590 m), dem Gehöft Köllenberg (ca. 670 m) und Rechau (AV-Karte: Reher/Rehau; ca. 780 m) vorbei ist mir bestens vertraut – die Morgensonne läßt die letzten farbigen Blätter an den Bäumen noch einmal aufleuchten. Über den Rechensteig ist die heute „stinkerte“ Almfläche bald erreicht, erst am Vortag wurde der Stallmist auf den frisch gefallenen Schnee verteilt. Während an der Stöfflhütte nun die Ruhe zurückgekehrt ist, hat die Walleralm (1160 m) heute den letzten Tag geöffnet. Es ist 11:00 Uhr, da darf ein Bier auch ohne Kirchgang sein, damit die Leberkassemmel eine passende Begleitung hat. Nach etwa 20 Min. Rast auf der leicht windumspülten Terasse führt mich der Pfad durch eine frühwinterliche Landschaft zum kleinen (Joch-)Gipfel Hocheck (AV-Karte: Hochegg; 1470 m) hinauf, der „Punkt 12:00 Uhr“ erreicht wird – und letztendlich auch meinen topografischen Höhepunkt des Tages markiert. Bis hierher bin ich entsprechend einer früheren Sommertour unterwegs, die mich an dieser Stelle als Rundtour über Zettenkaiser, Scheffauer und Gamskogel zum Grat hinauf geführt hatte.

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(Vor)Winter am Hochegg / Inntalausgang mit Wildbarren und Kranzhorn

Doch heute geht es „auf dieser Etage“ geradeaus – und auch der Weiterweg hinab zur Steinbergkapelle neben der im Winterschlaf liegenden Kaindlhütte (1293 m; ca. 12:30 Uhr) ist bereits „vorgespurt“. Hier wiederhole ich das Fotomotiv von vor zwei Wochen, als ich im Nachgang noch durch die Scheffauer Nordwand gekraxelt bin – doch alles hat seine (Jahres)Zeit...
Durch den niedrigen Sonnenstand ist es hier bei den Steinbergalmen noch schattig – und entsprechend zapfig. Ein Almweg führt mich leicht aufwärts weiter in östlicher Richtung, wieder hinein in die Sonne, welche die Lärchen mit ihrem dünnen Schneekleid gelb aufleuchten läßt. Auch ist der Blick hinüber zum Zahmen Kaiser ein Genuss: Oben die verschneiten Fels- und Latschenbereiche, darunter die grünen Fichtenwälder und Wiesen. Kurz vor der Abzweigung (ca. 1350 m) zum Bettlersteig erkenne ich vom Gamskogel her eine Person die Almwiese herüber queren, es ist kurz vor 13:00 Uhr, als Bergautist und ich dort zusammen treffen: „Halbzeit“.

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Kapelle und Hütte auf der Steinbergalm

Nun geht es für mich in die schattige Ostflanke hinein, die mit einigen Rinnen durchzogen ist. Wie mir vorhin eine kleine Gruppe entgegen kommender Wanderer angedeutet hat, ist der Bettlersteig trotz der leichten Schneeauflage mit etwas Umsicht gut zu gehen – oder vielmehr abzusteigen. Dieser Steig wurde bis in den Sommer hinein von den Schäden des schneereichen Winters befreit – Respekt, was hier an Arbeit geleistet wurde. Etwa auf halben Wege wird die Straßwalch-Jagdhütte (1117 m) erreicht, die ich aus dem Vorjahr von der Großen Westkaiser-Überschreitung her kenne. Gegen 14:15 Uhr gelange ich zum Anton-Karg-Haus (829 m), auch als Hinterbärenbad bekannt. Durch die schattige Tallage am Bach ist dies die Kältekammer des Tages, so dass ich mich beeile, von der nahen Mariahilf-Kapelle (AV-Karte: Hörfarterkap.) und den dahinter in den Himmel wachsenden Felstürmen ein Foto zu machen. Auch ist dies der östlichste Punkt der Tour – nun möchte ich einen Steig begehen, der auf einer älteren AV-Kaiserkarte grob betrachtet stets leicht ansteigend direkt auf Vorderkaiserfelden zuführt und der mir bisher für eine Tour zu „unpassend“ war. Die Hechleitalm (927 m) ist noch nicht erreicht, als die schon fast typische Erfahrung gemacht werden kann, wenn Forstwege (aus)gebaut werden: Die alten Steige werden nicht mehr gepflegt, der Wanderer soll sich – wegweiserunterstützt – über die Strasse „umleiten“ lassen. Etwas später der andere typische Effekt „Strasse frißt Steig“, der Einstieg ist unscheinbar, nicht markiert und unbeschildert. Im weiteren Verlauf wird ein frisches Forstschlaggebiet gequert und man darf noch hoffen, dass später die abgesägten Äste noch vom Weg weggeräumt werden...

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Hinterbärenbad mit Totenkirchl und "Vorgipfel" von Kleiner Halt / Herbst unter dem Zahmen Kaiser

Im weichen Licht der späten Nachmittagssonne führt der alte und weiterhin benutzte Steig an der „Hölle“ vorbei und gegen 16:15 Uhr wird die Vorderkaiserfeldenhütte (1388 m) erreicht. Ich hole mir wieder ein Bier für die zweite Leberkassemmel heraus und betrachte wenig später den Sonnenuntergang. Eigentlich wollte ich nach einer Rast noch die Kraxelroute Südwest-Kante der Naunspitze (1633 m) erkunden, doch dafür hätte ich am Morgen den zweiten Zug des Tages nicht (knapp) verpassen dürfen... Vom klaren Himmel ist keine Sonnenuntergangsverfärbung mehr zu erwarten, der Bergwind kühlt mich unangenehm aus, so dass etwa um 16:45 Uhr der verhältnismäßig steile Abstieg auf dem üblichen Weg angetreten wird. Die Ritzaualm (1161 m) wird bei fortgeschrittener Dämmerung passiert, auf ca. 800 m die Nebelgrenze erreicht und der Veitenhof (ca. 690 m) im Dunkeln nur als Referenzpunkt wahrgenommen. Die zahlreichen Treppen des sog. Kaiseraufstiegs lassen sich dank des lichtabstrahlenden Nebels über Kufstein auch ohne Hirnbirn bewältigen – und gegen 17:45 Uhr stehe ich bereits unten im Ortsteil Sparchen – dennoch „zu spät“ für den Zug um 18 Uhr 2. Bis von hier aus der Bahnhof erreicht wird ist es ca. 18:15 Uhr, aber im dortigen Umfeld gibt es Lokale und auch der beheizte Zug steht bereits am Bahnsteig bis zu einer Stunde im voraus zum Einstieg bereit. Also Zeit genug, um die Tour noch einmal Revue passieren zu lassen...

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Inntal "bei Nacht" / Auracher Löchl in Kufstein