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Breißn dratzn


oder: Bairisch für Zugereiste

Autor / Autoren:


»Merkle, Ludwig«

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Beschreibung:


"Breißn dratzn" - ein köstlicher Spaß, zumindest für diejenigen, die des Bairischen mächtig sind. "Zugeraste", Verzeihung: "Zugereiste" werden den Witz wohl nicht immer verstehen ...

Der 2003 verstorbene Autor erklärt bayerische Begriffe und Redewendungen anschaulich und schlüssig - allerdings total falsch. Und so verkauft er einem die eine oder andere Beleidigung als Kompliment oder tischt einem schlicht und ergreifend "einen Schmarrn" auf.

Den "Breissn" wird im Vorwort empfohlen, den Sprachführer zu lesen, sich die Redewendungen sorgfältig einzuprägen und sie, nicht allzu schnell, doch laut und deutlich vor sich hinsprechend zu üben.

Dann gilt es, das Gelernte anzuwenden, wo immer man passende Situationen und bayerische Menschen trifft. Man wird erstaunt sein über den Erfolg und über die Zuneigung und Sympathie, die man damit gewinnt.

Es ist jammerschade, dass das Buch schon vergriffen ist. Bei Ebay oder Amazon findet man immer wieder mal gebrauchte Exemplare.



Inhaltsverzeichnis:


82 Seiten - auf jeder Seite wird eine Redewendung erklärt.
Im Anhang geht es dann zur Sache: Im kleingedruckten Breissn-Entdratzer erklärt der Autor die tatsächliche Bedeutung der "gelernten" Ausdrücke.



Aus dem Inhalt:



<font color="#ff0000"><b>"Da Lädschnbene vo da Bergwacht"</b></font><br />
<br />
Wer schon einmal einen Berg bestiegen oder mit der Sesselbahn befahren hat, der weiß: dort oben, wo es keinen Baum mehr gibt, wachsen die Latschen (Pinus montana), zähe, kräftige, genügsame, kniehohe Krummholzkiefern.<br />
Hier, im rauhen Bereich der Latschen (oder <i>Lädschn</i>), fühlt sich der Gebirgler wohl, und das trug ihm, dem Bergsteiger, dem Alpinisten, Bergwachtmann und Alpenwanderer, den Ehrennamen <i>Lädschnbene</i> ein. "Lädschnbene" heißt soviel wie "Latschen-Benedikt", Benedikt (lateinisch: der Gesegnete, Gepriesene), ist wie Seppl, Simmerl, Xaverl, ein beliebter Vorname in bayerischen Gebieten.

"Da Lädschnbene vo da Bergwacht"

Wer schon einmal einen Berg bestiegen oder mit der Sesselbahn befahren hat, der weiß: dort oben, wo es keinen Baum mehr gibt, wachsen die Latschen (Pinus montana), zähe, kräftige, genügsame, kniehohe Krummholzkiefern.
Hier, im rauhen Bereich der Latschen (oder Lädschn), fühlt sich der Gebirgler wohl, und das trug ihm, dem Bergsteiger, dem Alpinisten, Bergwachtmann und Alpenwanderer, den Ehrennamen Lädschnbene ein. "Lädschnbene" heißt soviel wie "Latschen-Benedikt", Benedikt (lateinisch: der Gesegnete, Gepriesene), ist wie Seppl, Simmerl, Xaverl, ein beliebter Vorname in bayerischen Gebieten.


<font color="#ff0000"><b>"Da Pfarra ziagt mit an Weiwaz umanand"</b></font><br />
<br />
Zum Fest des heiligen Leonhard (am 6. November), der der Patron der Haustiere ist, wird das Vieh gesegnet und der Obhut des Himmels anbefohlen.<br />
Dann füllt der Priester Weihwasser in einen Behälter und zieht mit ihm, das geweihte Wasser auf Pferd, Ochs und Kuh versprengend, betend durch das Dorf.<i>Weiwaz</i> nennt man im Bairischen das Weihwasser und damit der althochdeutschen Form "wihwazzar".

"Da Pfarra ziagt mit an Weiwaz umanand"

Zum Fest des heiligen Leonhard (am 6. November), der der Patron der Haustiere ist, wird das Vieh gesegnet und der Obhut des Himmels anbefohlen.
Dann füllt der Priester Weihwasser in einen Behälter und zieht mit ihm, das geweihte Wasser auf Pferd, Ochs und Kuh versprengend, betend durch das Dorf.Weiwaz nennt man im Bairischen das Weihwasser und damit der althochdeutschen Form "wihwazzar".


<font color="#ff0000"><b>"Schnoin und Schnoindreiwa"</b></font><br />
<br />
Schnelligkeit gehört nicht zu den Eigenschaften, die für den bayerischen Menschen geradezu typisch sind. Er erledigt, was er tun muß, lieber mit Bedacht.<br />
Dennoch sieht er flinke Behendigkeit nicht ohne Anerkennung. So fehlt ein Wort für "flott" nicht in seinem Wortschatz. Es ist das Substantiv <i>Schnoin</i> und dient, von "schnell" hergeleitet, zur Bezeichung jüngerer, flotter weiblicher Personen. Der Mann, der seinem flotten Mädchen, seiner <i>Schnoin</i> treu bleibt (bairisch "drei"), ist der <i>Schnoindreiwa</i>. Jedes Mädchen freut sich, wenn es seinen Schnoindreiwa gefunden hat. Auch im bayerischen Volkslied wird die Schnoin besungen:<br />
<br />
"Scheene Schnoinweiwa<br />
braucha Schnoindreiwa,<br />
hädns koa,<br />
waarns alloa,<br />
Hollariddi, hollareiddi, hollaroa."

"Schnoin und Schnoindreiwa"

Schnelligkeit gehört nicht zu den Eigenschaften, die für den bayerischen Menschen geradezu typisch sind. Er erledigt, was er tun muß, lieber mit Bedacht.
Dennoch sieht er flinke Behendigkeit nicht ohne Anerkennung. So fehlt ein Wort für "flott" nicht in seinem Wortschatz. Es ist das Substantiv Schnoin und dient, von "schnell" hergeleitet, zur Bezeichung jüngerer, flotter weiblicher Personen. Der Mann, der seinem flotten Mädchen, seiner Schnoin treu bleibt (bairisch "drei"), ist der Schnoindreiwa. Jedes Mädchen freut sich, wenn es seinen Schnoindreiwa gefunden hat. Auch im bayerischen Volkslied wird die Schnoin besungen:

"Scheene Schnoinweiwa
braucha Schnoindreiwa,
hädns koa,
waarns alloa,
Hollariddi, hollareiddi, hollaroa."


Breissn-Entdratzer

Im Anhang findet man schließlich kleingedruckt den "Breissn-Entdratzer", in welchem die zuvor beschriebenen Ausdrücke und Redewendungen in ihrer richtigen Bedeutung dargestellt werden.

"Lädschn" hängt mit lasch zusammen und bezeichnet den mürrisch und verdrießlich verzogenen Mund oder auch das ganze, durch diese Mundstellung geprägte Gesicht. Woher der Name Latsche für die Krummholzkiefer kommt, weiß die Wissenschaft nicht.

Die bairische Endung "-ert" oder "-ad" entspricht, unter anderem, der schrifthochdeutschen Partizip-Präsens-Endung "-end". Mittelhochdeutsch "wiben" bedeutet "weiblich sein". Ein "wibendes", "weibendes", "weibertes", "weiwads" (Geschöpf) ist nichts anderes als eine Frau.

Die "Schnoin" = Schnalle kennt man auch sonst im deuschen Sprachgebrauch als Dirne (aus der Jägersprache: "Schnalle" heisst das Geschlechtsglied des weiblichen Wildes). Der "Schnoindreiwa" (=Schnallentreiber) ist der Zuhälter.



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