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Von St. Bartholomä zum Kärlingerhaus

»Erster Teil der Alpenüberquerung Berchtesgaden-Lienz«


Fulminanter Start: Viel schöner kann eine Überquerung der Alpen nicht beginnen. Wer am Morgen durch die Flanierstraße von Königssee schlendert und auf den Bootsanleger zuhält, wird sich angesichts der Schaufenster zwar im falschen Film wähnen, aber sobald man den See vor Augen hat, ist das vergessen.
Mit einem der Elektroboote gleitet man über den fjordartigen See, vorüber an Felswänden und bewaldeten Uferzonen. Morgens liegt der Hauptaspekt noch auf dem Transport der Fahrgäste von Königssee zu einem der Ziele im Süden des Sees, die Fahrt geht zügig vonstatten. Im Laufe des Tages ändert sich das, die Bootsfahrt wird dann zum touristischen Ereignis mit Unterhaltungsprogramm durch die Bootsführer und einem Stopp an der Echowand.
In Bartholomä beginnt der Anstieg zum Kärlingerhaus. Bald bleibt der Königssee hinter einem und man taucht in die Stille des Nationalparks Berchtesgaden ein. Diese erste Etappe auf der Strecke nach Lienz ist zwar vergleichsweise kurz, doch der Weg ist steinig und man wird froh sein, das große Schutzhaus nach vier Stunden Gehzeit endlich erreicht zu haben.

Der Ort Berchtesgaden hat eine lange Geschichte, die auf weiten Strecken geprägt ist durch die dort ansässigen Augustiner-Chorherren. Erstmals zu Beginn des 12. Jahrhunderts urkundlich erwähnt als Klostersitz erfuhr Berchtesgaden bald einen wirtschaftlichen Aufschwung, der auf den Waldreichtum sowie auf Salz- und Metallvorkommen gründete. Nach der Säkularisation wurde Berchtesgaden kurzfristig zur Dispositionsmasse im bayerisch-österreichisch-napoleonischen Länderschacher, fiel dann aber ab 1810 dauerhaft an Bayern. Die Beliebtheit als Sommerresidenz der bayerischen Könige ist noch heute an verschiedenen Bauten nachzuvollziehen.
Der Bahnhof Berchtesgaden, an dem man bei der Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ankommt, existiert seit 1888 und gilt als Meilenstein hinsichtlich des aufkommenden Tourismus in Berchtesgaden. Dieser ist bis heute ein wesentlicher wirtschaftlicher Faktor geblieben.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war Berchtesgaden »Führersperrgebiet «, es entstanden speziell am Obersalzberg etliche Gebäude und Bunker. Das Dokumentationszentrum Obersalzberg, das 1999 eröffnet wurde, macht Teile davon zugänglich und veranschaulicht die Rolle Berchtesgadens im NS-Staat.

Der Königssee liegt inmitten des Nationalparks Berchtesgaden. Er liegt in einem tektonischen Grabenbruch, der während der Eiszeiten ausgeschürft und vertieft wurde. Als seine tiefste Stelle hat man einen Punkt in der Mitte des Sees ermittelt, an der eine Tiefe von 190 Metern erreicht wird. Er ist damit nach Bodensee und Walchensee einer der tiefsten Seen Deutschlands. Sein Wasser hat die Qualität von Trinkwasser, was daran liegt, dass es traditionell schon wenig Verunreinigung durch Mensch und Tier gibt. Die Tatsache, dass die Ufer meist steil sind und weder Besiedlung noch Almnutzung eine wirklich große Rolle spielten, hat dazu ebenso beigetragen wie die Tatsache, dass im Nationalpark neue Erschließung nicht erlaubt ist. Der Schiffsverkehr nutzt umweltfreundliche Elektromotoren, Bartholomä hat eine Kanalisation, private Boote sind am See verboten und das Baden wird zwar toleriert, die Wassertemperaturen machen dies aber nur für besonders Abgehärtete zum Vergnügen.
Ein besonderes Ereignis ist das Zufrieren des Königssees. Dies tritt alle paar Jahre einmal ein, wenn ein sehr kalter Winter herrscht. Tausende von Spaziergängern sind dann auf dem See unterwegs, Langläufer skaten über die Eisfläche und Mountainbiker gönnen sich das Vergnügen, Bartholomä per Bike zu erreichen. Die Gaststätte hat dann ausnahmsweise im Winter geöffnet. Südlich des Königssees liegt der kleinere Obersee, der ursprünglich wohl mit dem Königssee verbunden war und nur zu Fuß erreicht werden kann.

Der Ort Berchtesgaden direkt unter dem Watzmann.

Während der Anfahrt mit dem Schiff nach St. Bartholomä.


Kurzinfo:

Region:Berchtesgadener Alpen
Tourenart:Bergtour (mittel)  
Dauer (Stunden):4 Std. (einfach)
Touristinfo:Berchtesgaden

Anforderung:

Höhenunterschied:1070 hm bergauf, 40 hm bergab
Streckenlänge:11 km (einfach)
Schwierigkeit:Weg: mittel
Gut ausgebauter Hüttenweg, hinauf zum Schrainbach ist er teils steil, ab dem Schrainbach verläuft der Anstieg auf schmalem Weg, aber immer gut gangbar. Durchgehend markiert und insgesamt einfach.

Einkehrmöglichkeit:

Kärlingerhaus:geöffnet in der Regel von Mitte Mai bis Mitte Oktober.

Startpunkt:

Schönau, Großparkplatz Königssee, 603m


GPS-Wegpunkt:

N47 35.569 E12 59.247  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Mit der Bahn bis nach Berchtesgaden. Vom Bahnhof Berchtesgaden gelangt man mit den Bussen der RVO nach Königssee (Linie 9541 und 9539) und Schönau (Linie 9543, 9546, 9539 und 9545).

Mit dem Pkw:

Aus dem Norden, Westen oder Osten über die Bundesautobahn A8 München-Salzburg, Ausfahrt Bad Reichenhall, dann die B20 bis zum Königssee. Von Süden über die Tauernautobahn, Ausfahrt Salzburg Süd, dann die B305 nach Berchtesgaden und die B20 zum Königssee.



Ab Rosenheim: 100 Km / 1:15 Std
Ab München: 165 Km / 1:40 Std
Ab Bad Tölz: 145 Km / 1:40 Std
Ab Salzburg: 30 Km / 0:30 Std


Information:

Info Königsseeschifffahrt, Tel. +49/8652/96 36 18, www.bayerische-seenschifffahrt.de. Die ersten Schiffe verkehren um 8 Uhr (Hochsaison; Nebensaison 8.30 Uhr). Die Überfahrt nach St. Bartholomä dauert etwa 35 Min. und kostet als einfache Fahrt 7,50 € (Stand 2015).

Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Schönau, Großparkplatz Königssee, 603m


Zu beachten gilt es, dass St. Bartholomä auf einfachem Weg nur mit dem Schiff erreicht werden kann.
In St. Bartholomä, 604 m, hält man sich vom Bootssteg gleich links (beschildert) und folgt dem Uferweg, der schon wenigen Minuten zum Mündungsdelta des Eisbaches leitet. Weiter in südlicher Richtung folgt man dem guten Steig, der bald schon durch das felsige Steilufer des Königssees hinaufleitet in das Schrainbachtal. Dabei wird der Bach auf das orografisch rechte Ufer überschritten. Nach etwa einer Stunde Gehzeit ist das flache Hochtal mit der Schrainbach-Holzstube (2), 866 m, erreicht. Hier überquert man den Bach erneut und folgt dem Weg durch einen märchenhaften Hochwald taleinwärts bis zur Verzweigung Sigeretplatte (rechts) – Kärlingerhaus (links, Weg 410/412). Durch die Saugasse, einen auffälligen Graben zwischen Simetsberg und Schneiber, geht es mit vielen Serpentinen aufwärts. Nach anstrengenden 400 Höhenmetern erreicht man erneut ein Hochtal mit der heute verfallenen Oberlahner-Alm, 1384 m. Über eine Geländestufe gelangt man in einen verschlungenen Talboden zu einem riesigen Felsklotz mit Gedenktafel. Weiter schlängelt sich der Weg durch die Karstlandschaft und kommt kurz nach der Verzweigung Grünsee – Kärlingerhaus, wo man sich rechts hält, in den breiten Sattel (3), 1672 m, vor dem Funtensee. Den jenseitigen Hang geht es kurz bergab. Erst im letzten Moment sehen wir zum Greifen nahe unser Ziel, das Kärlingerhaus, 1630 m.


Kältepol Deutschlands:

Das Kärlingerhaus am Funtensee ist eine der bekanntesten Hütten im weiten Umkreis. Dies liegt daran, dass der nahe See als Kältepol Deutschlands gilt. -45,9 °C wurden hier im Dezember 2001 gemessen, der niedrigste Temperaturwert, den man aus Deutschland kennt. Der Rekord ist bedingt durch die Höhenlage von 1600 Metern und in besonderem Maß durch die Kaltluftsenke, in der der abflusslose See liegt. Umso erstaunlicher, dass die karge Gegend um das Kärlingerhaus lange schon als Alm genutzt wird. Alte Quellen belegen dies zumindest seit dem 14. Jahrhundert. Das Kärlingerhaus selbst ist natürlich noch nicht so alt. Aber der Hüttenstandort existiert seit 1879, damals wurde hier die erste Unterkunft für Bergsteiger überhaupt in den Berchtesgadener Alpen errichtet.


Literatur:

Führer:Alpenüberquerung Berchtesgaden – Lienz von Strauß Andrea und Andreas

GPS-Daten:

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 Autor: Andrea und Andreas Strauß, aus dem Wanderführer "Alpenüberquerung Berchtesgaden – Lienz"   Autorenportrait