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Hüttenschmankerl Frühjahr 2010

»Almgeschichten: Vom Leben nah am Himmel«


Im Mai öffnen wieder viele Hütten und starten in die neue Bergsommer-Saison. Bei meiner Suche nach einem Buch über Almen und Hütten bin ich vor kurzem auf das Buch „Almgeschichten - Vom Leben nah am Himmel“ von Irene Prugger gestoßen.

Die Autorin hat insgesamt 31 Hütten und Almen in Tirol besucht und mit den Menschen dort gesprochen. Die zahlreichen Geschichten und Anekdoten bringen uns das schöne Leben auf der Alm näher, berichten aber auch über die Nöte und Sorgen der Almbauern, wie verletzte Tiere, unsinnigen EU-Verordnungen und lästigen Touristen.

Als eine der wenigen Hütten im roBerge-Gebiet hat die Autorin die Burger Alm am Wandberg besucht und dort einen Einblick in die Käserei und dem Almleben mit den Kühen bekommen.


Kurzinfo:

Region:Chiemgauer Alpen
Tourenart:Hüttenschmankerl  
Touristinfo:Niederndorf
Sachrang
Weblinks:Wegbeschreibung zur Burgeralm und zum Wandberg

Einkehrmöglichkeit:

Burgeralm:Mitte Mai bis Ende Oktober, kein Ruhetag

Link zur Hütte ...mehr Info, hier klicken

Startpunkt:

Ritzgraben/Gränzing im Priental, 745m


GPS-Wegpunkt:

N47 40.313 E12 15.644  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Bis Aschau mit der Bahn, von dort aus weiter mit dem Bus, der allerdings nur nach Sachrang fährt (der Ritzgraben ist bereits auf österreichischem Gebiet). Von Sachrang aus geht man zu Fuß in ca. einer knappen Stunde bis zum Ritzgraben (30 Minuten bis Mittertrain). Bus fährt nicht an Sonn- und Feiertagen.
Auf österreichischer Seite von Durchholzen oder Niederndorf aus mit dem Bus bis zur Haltestelle "Niederndorferberg Wildbichl". Von dort aus zu Fuß weiter zum Ritzgraben.

Mit dem Pkw:

Autobahn A8 (München-Salzburg) bis Ausfahrt Frasdorf oder Bernau a. Ch., von dort jeweils ca. 5 km bis Aschau, weiter bis ca. 14 km über Sachrang und die Grenze nach Gränzing. Direkt beim Feuerwehrhaus Niederndorferberg östlich abbiegen Richtung Wildbichl Alm. Die Strasse führt durch die Senke des Ritzgrabens und auf der anderen Seite bergauf, der Weg zum Wanderparkplatz ist beschildert.



Ab Rosenheim: 40 Km / 0:40 Std
Ab München: 100 Km / 1:05 Std
Ab Bad Tölz: 85 Km / 1:05 Std
Ab Salzburg: 85 Km / 1:00 Std


Information:

Sehenswert ist das Müllner Peter Museum mit dem "Lehrer Hickl Zimmer".
Der Müllner-Peter von Sachrang ist eine historische Figur. Er lebte von 1766 bis 1843 auf dem Besitz der Familie Huber, einer Kornmühle. Ursprünglich sollte er Pfarrer werden, doch er brach das Studium in München ab und kehrte nach Hause zurück. Seine neuen Ideen, seine von ihm komponierte Musik, und sein Weltbild fanden keineswegs immer ein positives Echo in der Gemeinde. Neider zerren ihn sogar vor den Landrichter in Prien, der ihn für längere Zeit nach Burg Grünwald in Haft bringen läßt.
Das Museum wurde von der Gemeinde Aschau i.Ch. zusammen mit dem Museumsverein Müllner-Peter-von-Sachrang eingerichtet und im September 2001 eröffnet. Es ist im Dachgeschoss des ehemaligen Schulhauses in der Schulstraße 3 untergebracht; das "Lehrer-Hickl-Zimmer" im 1. Stockwerk.

Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Hier ein Auszug aus dem Buch:

Die Kuh, das unbekannte Wesen

Martha Fahringer, Wirtin und Sennerin auf der Burgeralm von Rettenschöss wundert sich immer wieder, wie wenig manche Leute über die Natur wissen. Wieso eine Kuh Milch gibt? Schwierige Frage. Auch aufgeklärte Ratefüchse geraten da manchmal in Verlegenheit. Na ja, vielleicht hat es ja doch etwas mit den Kälbern zu tun. Und wie kommen diese auf die Welt? Behaart oder nackt wie junge Mäuse? Und warum haben die einen Kühe Hörner und die anderen nicht? Die Kuh - das unbekannte Wesen, selbst bei der einheimischen Bevölkerung. Zum Glück ist die Burgeralm eine deklarierte Erlebnisalm, wo man nicht nur etwas erleben, sondern auch viel lernen kann, denn hier werden regelmäßig Exkursionen für interessierte Gästegruppen und Schulen angeboten. Martha musste dazu einen Almführerkurs absolvieren, aber sie ist ohnedies ein sehr kommunikativer Mensch und erzählt mit so großem Vergnügen über ihre Arbeit, dass bei manchem coolen Stadtkind der Wunsch aufkeimt, später einmal Bauer oder Bäuerin zu werden.

[...]

Vom Schwein zum Speck

,,Unsere Tiere dienen unserer Ernährung, gerade deshalb müssen wir ihnen Achtung entgegenbringen und sie gut behandeln", bestätigt ihr Mann, Anton Fahringer. Martha und Anton rufen alle ihre Kühe mit Namen und kennen ihren Charakter. Der Gast aus dem nahe gelegenen Bayern freut sich, als Anton ihm ,,Kaffee mit Milch von der Kuh Elsa serviert. Ein bisschen Schmäh muss sein auf einer Alm, aber hinterm Haus weidet sie tatsächlich, die Kuh Elsa mit ihren 30 Artgenossinnen, und schlägt sich den Magen (oder besser: die Mägen)voll mit zartem Almgras. Wie das Gras, so der Kas, könnte man sagen, denn die Ernährung der Kuh bestimmt die Qualität der Milch und die Qualität der Milch bestimmt die Qualität des Käses. Es ist auch wirtschaftlich wichtig, die Tiere ständig unter Beobachtung zu haben. Kränkelt eine Kuh, lässt sofort die Qualität ihrer Milch nach. Auch das Wetter hat einen wichtigen Einfluss. Der Sommer soll nicht zu heiß oder zu nass sein. Bei Hitze schwitzen die Kühe zu viel, bei Nässe haften an den Gräsern Sporenbakterien, die über die Futteraufnahme in die Milch gelangen. Wenn die Vorbedingungen passen und der Käser oder die Käserin bei Herstellung und Lagerung dann noch alles richtig macht, ergibt das- wie im Fall der Burgeralm – vorzüglichen, vielfach medaillenprämierten Bio-Käse.

,,Wenn man auf die Natur hört und einen gesunden Hausverstand hat, ist Bio trotz der strengen Auflagen die einfachste Art, Land- und Almwirtschaft zu betreiben", meint Anton Fahringer. Bei bestimmten Anschaffungen wie zum Beispiel Zusatzfutter muss man zwar tiefer in den Geldbeutel greifen als bei einer herkömmlichen Produktion, aber es zahlt sich aus, schon allein wegen des unverfälschten Geschmacks."
Insgesamt ca. 45.000 Liter Rohmilch verarbeiten Anton und Martha Fahringer pro Almsaison zu Schnittkäse, Frischkäse, Bergkäse und zum beliebten Tiroler Adler Gold, einem camembertähnlichen Käse, weiters zu Joghurt und Sauerrahmbutter. Die bei der Käseherstellung anfallende Molke wird direkt an die rund 20 Schweine verfüttert, die hier zu prächtigen Almschweinen gedeihen und irgendwann köstlichen Almspeck ergeben. Arme Schweine? Keineswegs. Glückliche Schweine, die den Sommer über vergnüglich grunzen und nichts von ihrer Bestimmung wissen. Ebenso wenig wie der Hasenbraten, der quicklebendig ums Haus hoppelt, die Löffel aufstellt und sich von Kindern streicheln lässt. Im Herbst landet er im Topf und wenn sich
der Deckel dann schließt, hat er trotzdem ein schönes Leben gehabt. Auch einen schönen Tod – einmal kurz mit den Ohren gewackelt und gezuckt, das wars dann schon.
Die Kühe und Schweine werden von der Alm zum Metzger ins Tal geführt, aber das macht ihnen keine Angst, denn mit dem Viehhänger sind sie schon oft gefahren Entweder gings damit hinauf auf die Almoder hinunter zum heimischen Hof, manchmal auch zum Stier. Diese sensible Vorgangsweise bei der Schlachtung bringt auch dem Konsumenten Vorteile, denn geraten die Tiere in Angststress, beeinträchtigt das die Fleischqualität.




Auf beinahe jeder Doppelseite gibt es von den verschiedenen Almen und deren Umgebung stimmungsvolle Fotos zu sehen. Die heiteren und informativen Erzählungen machen Lust, wieder mal eine Alm zu besuchen oder lassen uns beim nächsten Besuch die Burgeralm in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Das Buch „Almgeschichten - vom Leben nah am Himmel“ hat mir so gut gefallen, dass ich es hiermit zum Hüttenschmankerl Frühjahr 2010 ernenne.

Viel Spaß beim Lesen
Euer Hüttenwart Steff



Literatur:

Hardcover:Almgeschichten von Prugger, Irene
Karte:Chiemsee, Traunstein, Ruhpolding, Chiemgauer Alpen und Seen von 

Freytag & Berndt



Galerie:

Weitere schöne Bilder sind in unserer Fotoshow

Diashow:


Wettervorhersage für Aschau: