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Durch die Nicklheimer "Fuizn"

»Kleine Rundtour durch die Hochrunst- zur Kollerfilze«


Das große Moor- bzw. Filzengebiet südwestlich von Rosenheim, hinter dem sich das Wendelsteinmassiv geradezu mächtig aufbaut, wird oftmals übersehen und nicht oft besucht. Ein Grund ist sicher der Mangel an (markierten) Wegen, ein Anderer auch das bis vor Kurzem hier teilweise noch industriell Torf abgebaut wurde. Nichtsdestotrotz ist es eine der spannendsten Landschaften in der Region, denn durch die Renaturierung großer Bereiche ist das Erscheinungsbild fortwährenden Veränderungen unterworfen. Große Teile wurden und werden wieder eingestaut, sprich sie füllen sich mit Wasser, und so entstanden und entstehen große Seen bzw. Feuchtbiotope. Mitunter bestimmt aber der neue Wasserspiegel auch die Wandermöglichkeiten, ein sehr schöner Moorsee in der Abgebrannten Filze ist z.B. nicht mehr trockenen Fußes erreichbar. Daneben versprüht die Weite, sowie die Kargheit und Ödnis der Landschaft ihr ganz eigenes Flair. Vergleichbare Landschaftsformen finden sich erst wieder südlich des Chiemsees.

Diese kleine Runde um Nicklheim führt ins Herz des Moores und ist als kleine Nachmittagswanderung empfehlenswert.

Hochrunstfilze, ein Wechselspiel aus Wasser, Schilf und Wald

Blick über die Kollerfilze zu den Bergen


Kurzinfo:

Region:Bayerische Voralpen
Tourenart:Wanderung  
Dauer:circa 1 - 1,5 Stunden
Beste Jahreszeit:Herbst, da trockenste Jahreszeit, ansonsten im ganzen Jahr, Achtung: im Sommer ist im Moor Mückensaison !
Touristinfo:Rosenheim

Anforderung:

Höhenunterschied:nahezu keiner
Streckenlänge:wenige Kilometer
Schwierigkeit:Weg: leicht
Die Wege sind nicht markiert. Ein wenig Orientierungssinn ist erforderlich. Wasserfeste Schuhe sind anzuraten.
Immer gut schauen, wo man hin tritt damit man nicht einsinkt, besonders bei Abstechern.

Über den weiteren Verlauf der Wiedervernässungsmaßnahmen bin ich nicht informiert. Im Herbst 09 waren die Wege bis auf wenige Stellen trocken begehbar
Kinder:Kinder ja, wenn auf sie Acht gegeben wird, nicht unbeaufsichtigt spielen lassen, das Moor ist kein Spielplatz !
Kinderwagen geeignet:Nein

Startpunkt:

Kreuzung am nördlichen Ende von Nicklheim, 469m


GPS-Wegpunkt:

N47 47.507 E12 04.229  [@google-maps]

Umweltfreundliche Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Mit der Bahn fährt man bis zum Bahnhof in Raubling, von dort weiter mit dem Bus bis nach Nicklheim.

Mit dem Pkw:

Autobahn A8 München-Salzburg Ausfahrt Rosenheim, von hier über Pfraundorf nach Raubling, in Raubling nach Nicklheim bis zu der Gabelung am nördlichen Ende von Nicklheim.

Von Rosenheim über Raubling nach Nicklheim (Abzweig beschildert), oder über Pang via Westerndorf (Abzweig in Westerndorf hinter der Kirche nicht beschildert). Von Süden kommend über Großholzhausen (nicht beschildert)


Ab Rosenheim: 12 Km / 0:18 Std
Ab München: 65 Km / 0:50 Std
Ab Bad Tölz: 50 Km / 0:45 Std
Ab Salzburg: 90 Km / 1:00 Std


Tourenplaner / Online-Fahrpläne:

hier klicken


Tourenbeschreibung:

Kreuzung am nördlichen Ende von Nicklheim, 469m


Wir starten unsere Rundtour bei einem Schild “Landschaftsschutzgebiet” am nördlichen Ende von Nicklheim, an der Straße Richtung Westerndorf. Entlang einer alten, inzwischen abgebauten Schienentrasse der Torfbahn wandern wir in westliche Richtung direkt in die Hochrunstfilze hinein. Der Weg ist breit und nicht zu übersehen. Wir befinden uns hier in einem Gebiet, das schon seit einiger Zeit renatuiert bzw. wieder vernässt wird. Dementsprechend ist auch das Landschaftsbild: Moortümpel, die wohl früher einmal Torfstiche waren fallen zunächst ins Auge, wenig später breiten sich linkerhand Wasserflächen aus, die wohl vor wenigen Jahren erst entstanden sind. Bei einem markanten Hochstand an einer Kreuzung (siehe Foto) beginnt dann der mitunter etwas nasse und zuweilen weglose Teil der Tour, wasserfeste Schuhe sind hier anzuraten. Wir halten uns an Wegspuren, die nach Süden führen, sprich wir vollziehen eine 90 Grad Drehung nach Links. Wir behalten die Richtung stur bei, und suchen uns immer den trockensten Weg durch das mitunter recht hohe Schilfgras. Nicht lange, und wir treffen auf die noch intakten Gleise der Torfbahn und erblicken auch schon die alte urige Torfstecherhütte. Hier hat man einen wundervollen Ausblick zu den Bergen und direkt vor uns breitet sich die riesige Kollerfilze aus, bis vor kurzem wurde hier noch Torf maschinell abgebaut, jetzt ist sie eine einzige große Wasserfläche. Direkt hinter der Hütte fängt ein Weg an, der sich kuru darauf zu einer Fahrstraße weitet und wenig spektakulär durch Wald nach Nicklheim zurückführt. Hier Richtung Westerndorf abzweigen und wir gelangen wieder zum Ausgangspunkt.


Moorerlebnis Sterntaler Filze:

Die Moorstation „Sterntaler Filze“ lädt mit rund 15 Einzelstationen ganzjährig ein, das Moor mit allen Sinnen zu erleben. Die Station ist barrierefrei. Gehbehinderte können unmittelbar vor der Station parken.


Flora und Fauna:

Hochmoore (bayer. „Filze“) gehören aufgrund ihrer Standortbedingungen zu den extremsten Lebensräumen Mitteleuropas. In den sauerstoffarmen und extrem sauren Böden werden absterbende Torfmoose (Sphagnum) und andere Pflanzenreste nicht zersetzt und bauen sich zu immer mächtiger werdenden Torfschichten auf („Hochmoor“). Diese sind über den mineralreichen Grundwassereinfluss herausgewachsen und werden ausschließlich von Niederschlägen gespeist.

An die extreme Nährstoffarmut sind nur spezielle Pflanzen- und Tierarten angepasst, wie z.B. Sonnentau (Drosera spec.) und Wasserschlauch (Utricularia spec.). Als fleischfressende Arten haben sie Techniken zum Fang von Kleinstlebewesen entwickelt und sich damit eine zusätzliche Nahrungsquelle erschlossen.

Nur noch rund 5% der Hochmoore in den Stammbeckenmooren sind noch naturnah und nicht von ehemaligem Torfabbau und Entwässerung betroffen. Seltene nässebedürftige Pflanzen- und Tiergemeinschaften wurden in den letzten Jahrzehnten durch trockene Heiden und Moorwälder verdrängt.

Bei den „Rosenheimer Stammbeckenmooren“ handelt es sich mit insgesamt ca. 43 km² um einen der größten Moorkomplexe Bayerns und Süddeutschlands. Europaweite Bedeutung erlangt das Gebiet aufgrund der Größe, der relativen Naturnähe, der engen Verzahnung bedrohter Feuchtlebensräume und des Vorkommens besonderer Tier- und Pflanzenarten wie z.B. Schwarzstorch (Ciconia nigra), Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), Brachvogel (Numenius arquata), Blau- und Schwarzkehlchen (Luscinia svecica, Saxicola rubicola).

via http://www.life-rostam.de


Geologie:

Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 20.000 Jahren waren die Rosenheimer Stammbeckenmoore von dem riesigen Inngletscher bedeckt. Nur die Spitze des Wendelsteins und andere besonderes hohe Nachbarberge ragten als Felsinseln heraus. Der Gletscher schürfte den Untergrund auf und transportierte Gesteins- und Erdmassen als Moränenschutt zu seinem Gletscherrand. Diese blieben nördlich von Wasserburg als Endmoräne liegen.

Nach der Eiszeit stauten die Moränenzüge die Schmelzwasser des Gletschers zu einem 50 km langen See von der Größe des Bodensee auf. Es entstand der Rosenheimer See.

Viele in den See mündende Gletscherbäche ließen feine Tonpartikel, die in den Alpen ausgewaschen wurden, auf den Seeboden herabregnen. Gleichzeitig nagte sich der „Ur“-Inn vor rund 12.000 Jahren durch die Endmoräne durch und ließ den mächtigen See auslaufen.

Weil das Regenwasser im trocken gefallenen tonigen Seeboden nicht versickerte, bildete sich zunächst eine Sumpflandschaft mit Bruchwäldern und Schilfröhrichten. Aus der absterbenden Vegetation bildete sich allmählich ein Niedermoor.

Die weitere Moorentwicklung erfolgte über die massenweise Ausbreitung von Torfmoosen. Im Laufe der Jahrtausende entstand so hier über dem ehemaligen Rosenheimer See eines der größten voralpinen Hochmoorkomplexe mit bis zu 10 m hohen Torfschichten.

via http://www.life-rostam.de


Karte:



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