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Aus dem Bildband Traumtreks Alpen von Ralf Gantzhorn und Iris Kürschner, erschienen im Bergverlag Rother



Quer durch das Karwendel
Von Pertisau nach Mittenwald


Die Durchquerung des Karwendels ist eine der leichtesten und am besten für Anfänger geeigneten Touren in diesem Buch (Traumtreks Alpen von Gantzhorn/Kürschner) und ein guter Startpunkt für eine Karriere als Hüttenwander-Junkie.

Nach Auflösung des Frühnebels schmilzt der Schnee: während des Abstiegs zum Großen Ahornboden

Kurzinfo:
  
Region:Karwendel
Tourenart:  Bergtour (schwer)
Erreichte Gipfel:Lamsenspitze 2508 m: Hausberg der Lamsenjochhütte. 2 Std. Aufstieg, 1.15 Std. Abstieg. Gesicherter Steig, Klettersteigerfahrung notwendig, Stirnlampe (Tunnel) bzw. Helm nicht vergessen.
Sonnjoch 2457 m: Großartiger Aussichtsberg nördlich der Lamsenjochhütte. Vom Westlichen Lamsenjoch rund 3.30 Std. Aufstieg, 2 Std. Abstieg. Für Geübte.
Mahnkopf 2094 m: Aussicht auf die Laliderer Wände. Von der Falkenhütte rund 0.45 Std. Aufstieg, 0.30 Std. Abstieg, markierter Weg.
Birkkarspitze 2749 m: Höchster Berg des Karwendels. Vom Karwendelhaus 3 Std. Aufstieg, Abstieg über die Ödkarspitzen ebenfalls 3 Std., anspruchsvoll, am besten mit Helm (Steinschlag!).
Wörner 2474 m: Markanter Gipfel oberhalb der Hochlandhütte. Vom Wörnersattel 2 Std. Aufstieg, 1.30 Std. Abstieg, markierter Steig (Kletterstellen bis II).
Dauer (Stunden):19.45 Std.
Dauer (Tage):5
Touristinfo:Achensee

Anforderung:
  
Höhenunterschied:3100 m im Aufstieg, 3150 m im Abstieg
Streckenlänge:ca. 40 km
Schwierigkeit:Leicht beginnende, gegen Ende jedoch anspruchsvoller werdende Streckenwanderung. Der vorletzte Abschnitt zwischen Karwendelhaus und Hochlandhütte ist konditionell fordernd und wartet mit allerlei alpinen Schikanen auf, wie Latschendickichte, einem ausgesetzten Klettersteig und viel Schutt. Dieser Abschnitt lässt sich jedoch über das Karwendeltal umgehen.

Einkehrmöglichkeit:
  
LamsenjochhütteMitte Juni bis Mitte Oktober

Startpunkt:  
  
Gramaialm, 1263m

GPS-Wegpunkt:N47 24.098 E11 36.999  [@google-maps]
Umweltfreundliche Anfahrt
mit öffentlichen Verkehrsmitteln:

Mit dem Bus von Tegernsee oder Jenbach nach Pertisau am Achensee bis zur Mautstelle der Straße zur Gramaialm. Von dort zu Fuß ca. 6 -7 km zum Wanderparkplatz bei der Gramaialm!
Mit dem Pkw:Über Tegernsee oder Inntalautobahn (Ausfahrt Zillertal) nach Pertisau am Achensee. Von dort über die Mautstraße bis zum Wanderparkplatz bei der Gramaialm.

Ab Rosenheim: 95 Km / 1:15 Std
Ab München: 105 Km / 1:35 Std
Ab Bad Tölz: 65 Km / 0:55 Std
Ab Salzburg: 175 Km / 1:55 Std
Mit dem Bike:Wer noch vor der Mautstation parkt, kann den Weg zur Gramaialm (ca. 6-7 km) über die AUtostraße mit dem Mountainbike zurücklegen. Es gibt mehrere kurze Zwischenanstiege.
Tourenplaner / Online-Fahrpläne:siehe hier

Tourenbeschreibung:
Ausgangspunkt:
Pertisau, Mautstelle der Straße zur Gramaialm, 970 m. Busverbindung von Jenbach und Tegernsee. Mit dem eigenen PKW Auffahrt zur Gramaialm möglich (Maut).

Endpunkt:
Mittenwald, 912 m. Von Mittenwald Zugverbindung nach München und Innsbruck. Wer nach Pertisau muss, fährt von Innsbruck mit der Bahn nach Jenbach und steigt dort in den Bus um.

Beschreibung:
Der Weg ins Karwendel beginnt am Achensee, einem tief in das Gebirge eingeschnittenen Gewässer mit fast fjordartigem Charakter. Von dort wandert man gemütlich in das Falzthurntal hinein, um dann – in einer Art Schlussspurt – zur spektakulär gelegenen Lamsenjochhütte aufzusteigen. Wer Zeit hat, sollte hier einen zusätzlichen Tag verbringen und auf den einsamen Gipfel des Sonnjoch hinaufsteigen oder sich am Klettersteig zur Lamsenspitze versuchen.
Von der Lamsenjochhütte geht es hinüber zur Falkenhütte, ein Weg voller landschaftlicher Superlative: Der Große Ahornboden und die Mauer des Karwendelhauptkamms gehören zum Feinsten, was die Ostalpen zu bieten haben. Leider hat sich das herumgesprochen und so ist Bergeinsamkeit bestenfalls am frühen Morgen zu erwarten. Der Autor Walter Pause schrieb einst dazu: »[...] mitten im Naturschutzgebiet – der Große Ahornboden – dem ein schlauer Wirt und zehn dumme Politiker die Würde der großen Stille gestohlen haben.«
Ganz anders dagegen der Kleine Ahornboden, rund vier Stunden Gehzeit entfernt und eben auch nur so zu erreichen. Nur wenige Wanderer und einige Mountainbiker rasten unter den knorrigen Bäumen, die man gerne einmal fragen würde, wer oder was sie im Laufe ihrer 600 Jahre im Karwendel am meisten beeindruckt hat. Hermann von Barth vielleicht, dessen Denkmal hier zwischen den Bäumen für unseren Geschmack etwas deplatziert wirkt? Er, der zwischen 1845 und 1876 als Geologe und Jurist tätig war, gilt als der bedeutendste Erschließer des Karwendels. Allein im Sommer 1870 bestieg er dort 88 Gipfel, davon zwölf als erster. Oder Hias Rebitsch vielleicht, ein in den vierziger und fünfziger Jahren bekannter Kletterer und Erstbegeher der »Direkten Nordwand« an der Laliderer Spitze?
Vom Kleinen Ahornboden geht es dann gemütlich hinauf zum Karwendelhaus, von dem man an einem Extratag auch den höchsten Gipfel des Karwendels, die Birkkarspitze, besteigen kann. Auf diesem bereits 1908 errichteten Refugium muss man sich entscheiden: Entweder steigt man gemütlich und auf breitem Weg durch das Karwendeltal nach Scharnitz ab oder man geht über den Gjaidsteig und die Hochlandhütte nach Mittenwald. Letzterer ist unsere Empfehlung, auch wenn es teilweise ziemlich rau zugeht und dieser Wegabschnitt ein hervorragender Test bezüglich Trittsicherheit und Kondition für die schweren Touren in diesem Buch ist. »Nur für Geübte« steht dementsprechend auch am Beginn des Steiges.
Deutlich schmaler werdend führt dieser nun durch Latschenkiefern, wobei dabei durchaus die eine oder andere Wurzel überklettert werden will. Später, nach dem Grenzübertritt nach Deutschland, erschweren ausgedehnte Schuttfelder den unbeschwerten Gehgenuss. Schließlich erreicht man die Hochlandhütte, wo mit dem Wörner wieder die Möglichkeit besteht, einen eindrucksvollen Gipfel zu besteigen. Dessen Namensverwandtschaft mit einem ehemaligen Bundesverteidigungsminister ist nur Zufall und hat nichts mit dem wehrhaften Aussehen des Berges zu tun. Die Tour endet schließlich in Mittenwald.

Rund 40 km des Alpenparks Karwendel liegen hinter einem und man kann mit Fug und Recht behaupten, zumindest einige Facetten der größten Gebirgsgruppe der Nördlichen Kalkalpen kennengelernt zu haben. Und vielleicht wurde dabei die Lust auf weitere Hüttentouren geweckt. Ideen dazu werden in diesem Buch genug geliefert.

Weblinks zu den Autoren dieser Tour:
Iris Kürschner und Ralf Gantzhorn

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Christoph aus Wallgau (Karwendel)
(24.03.2012)
Ich kann ja nur lachen, bei einer solchen Tour Bergschuhe zu verlangen. Den Großteil dieser Route kann man mit dem Radl fahren. Zwischen Hochlandhütte (Einkehr hier nicht empfehlenswert) und Karwendelhaus liegt zwar eine längere aber nicht wirklich ansdpruchsvolle Wanderung. Wer hier mit Bergschuhen unterwegs ist, wird wohl keinen Spaß an der tollen Landschaft des Karwendel haben. Wahrscheinlich wird er diese Wanderung bereits nach einem Tag aufgeben.
Noch ein Tipp für diejenigen, die Interesse an dieser Tour haben.
Man könnte die Tour um einen Tag verlängern, indem man bei der Vereinealm über die Soiernspitze zu den Soiernhäusern wandert. Dort erwartet einen zwar nicht die freundlichste Bewirtung aber man hat nocheinmal ein tolles Bergpanoramer und zwei wunderschöne Bergseen.


Literatur:
  
Bild- und Tourenband:Traumtreks Alpen von Gantzhorn, Ralf und Kürschner, Iris
Software:TOP50 / AMAP3D - Routenanzeige, Höhenprofil, Kartendruck, GPS, 3D-Flug usw.

Karte:
Karte: www.rolle-kartografie.de


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