Dieter Vögele

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Dieter Vögele
« Antwort #1 am: Do, 04. Mai 2017, 21:07 »
In unserer Reihe mit Autoren der roBerge-Touren stellen wir heute Dieter Vögele aus Rosenheim vor.  Anstelle eines üblichen Autorenportraits übernehmen wir den vollständigen Zeitungsartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt, der am 27.4.2017 anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums als Kassier und 2. Vorsitzender erschienen ist..



Der junge Dieter Vögele (17) kam anlässlich einer Dolomitenfahrt mit der Sektion Sektion Rosenheim im Deutschen Alpenverein auf die Idee, dem Verein beizutreten.
Im Hintergrund die Rosengartenspitze

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DIETER VÖGELE – 50 JAHRE SCHATZMEISTER BEIM ALPENVEREIN
„Die Berge sind gleich geblieben“



Als leidenschaftlicher Bergsteiger kam Dieter Vögele vor 50 Jahren zur Sektion Rosenheim des DAV und übernahm als junger Mann für die damaligen rund 1000 Vereinsmitglieder das verantwortungsvolle Amt des Kassiers. Inzwischen zählt der Verein 10 000 Mitglieder – und alle setzen nach wie vor auf ihren versierten Schatzmeister.

„Vieles hat sich verändert im Verein, aber die Berge sind gleich geblieben“, erklärt Dieter Vögele, dessen große Leidenschaft nach wie vor dem Bergsteigen gehört. Mit 17 Jahren war er dem Verein beigetreten. „Eigentlich wollte ich nur günstig in den Bergen übernachten können“, gesteht er heute seine Motivation zu seinem damaligen Vereinseintritt. Doch dann übernahm er mit 27 Jahren das verantwortungsvolle Amt des Kassiers. Dass er 50 Jahre in diesem Amt tätig sein würde, damit hatte der gelernte Bankkaufmann damals allerdings nicht gerechnet.

Dr. Günter Bauer und Ludwig Hieber waren seine ersten Weggefährten als Vorsitzende der Sektion. Seit 30 Jahren arbeitet er mit Franz Knarr als Vorstand eng zusammen. Große und kleine „Meilensteine“ waren zu bewältigen: Während sich zu Beginn seiner Amtszeit die Vorstände noch in privaten Wohnzimmern trafen, gibt es seit einigen Jahren die Geschäftsstelle mit zwei hauptamtlichen Teilzeitkräften in der Von-der-Tann-Straße 1a in Rosenheim. Eine vereinseigene Kletterhalle in der Pürstlingstraße wurde errichtet und die eigene Sponsorbeteiligung an der großen, auf Privatinitiative erstellten Kletteranlage an der Sims in Stephanskirchen vorangetrieben. Die sektionseigenen Hütten am Brünnstein und auf der Hochries wurden dank seiner umsichtigen Finanzplanung aus vereinseigenen Mitteln saniert, erweitert und umgebaut. „Wir haben alles ohne einen Pfennig beziehungsweise Cent Zuschuss durch die öffentliche Hand gestemmt“, verrät Vögele nicht ohne Stolz.

Die Bergsteigerbewegung kam immer weiter in Fahrt. Durch den Ausbau der Straßen und der Bahnlinie wurden die Massen immer mobiler. Auch ihre Ansprüche änderten sich. Trugen die ersten Vereinsmitglieder noch die Baumaterialien mit Kraxen auf den Berg, werden heuer Hubschrauber eingesetzt. Die Hütten sind keine Lager mit Selbstversorgung mehr, sondern Zimmer mit Toiletten und bester Verköstigung. Geheizt wird mit Pellets. Auch die Summen, mit denen der Schatzmeister inzwischen jongliert, sind stark gestiegen. Ein Blick in die Bücher zeigt: Die Mitglieder der Sektion Rosenheim zahlen heute zwischen 18 und 72 Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr, je nach Familienstand und Alter. Davon führt die Sektion Rosenheim 40 Prozent an ihren Dachverband, den Deutschen Alpenverein ab. 1,9 Millionen Euro waren das
insgesamt in den vergangenen zehn Jahren. Für den Erhalt und die Weiterentwicklung der Hütten an Brünnstein und Hochries wurden in dieser Zeit 3,3 Millionen Euro ausgegeben; für bergsportliche Aktivitäten, Jugendarbeit oder Gemeinschaftswanderungen waren es 726 000 Euro; das Bergwegenetz an Brünnstein und Hochries kostete seit 2006 rund 200 000 Euro. „Unser Verein steht wirtschaftlich gesund da“, freut sich Vögele und betont in diesem Zusammenhang auch die vielen ehrenamtlichen Arbeitsstunden, die viele Freiwillige zusätzlich geleistet hätten.

Der persönliche Einsatz des Schatzmeisters für den Verein lasse sich gar nicht hoch genug einschätzen, lobt ihn der Vorsitzende der Sektion Rosenheim, Franz Knarr. „Dem Können von Dieter Vögele, als Sparkassen-Vorstand, ist es zu verdanken, dass diese, damals vor der Insolvenz stehende Hochriesbahn heute schuldenfrei in der Zeit von Ostern bis Mitte November verlässlich fährt“, lobt der Vorsitzende.

Darüber hinaus sei das Kerngeschäft einer Alpenvereinssektion – das Bergsteigen – nie zu kurz gekommen. „Dieter Vögele, selbst ein hervorragender Bergsteiger mit zahlreichen Gipfelbesteigungen der 3000er, 4000er und 5000er Region in Europa und weltweit, war immer bestrebt, das Tourenwesen in unserer Sektion qualitativ und organisatorisch auf hohem Level zu halten und leistete dazu als Schatzmeister jegliche erdenkliche Unterstützung – sowohl ideell, rechnerisch und logistisch“, beschreibt Knarr – und Vögele fügt hinzu: „Wie beim Bergsteigen braucht man auch bei der Führung eines Vereins Vertrauen in den Partner – und das haben wir.“ Sein Vertrauen gilt auch den über 50 Fachübungsleitern, die für den Verein tätig sind und so das bergsteigerische Leben prägen.

Die Jugendarbeit sei ihm wichtiger denn je, so Vögele. Die Vereinsführung sei jedoch schwieriger als vor 50 Jahren. „Heute stehen wir dank vermehrter Formalien als Vorstand persönlich in der Haftung. Da ist es umso schwerer, Nachwuchs im Vorstand zu finden.“ Inzwischen sei die Führung des Vereins so komplex wie eine Unternehmensführung.

Auch beruflich legte er eine steile Karriere vom Bankkaufmann zum Bankvorstand in der Sparkasse hin.
Heute ist Vögele beruflich längst in Rente, aber sein Einsatz für die Sektion ist ungebrochen. In mehr als 20 Publikationen hat er eine Dokumentation über das Vereinsgeschehen veröffentlicht. 135 Jahre Rosenheimer Sektionsgeschichte sind darin akribisch festgehalten – zahlreiche OVB-Artikel berichten vom Vereinsleben und den Pionieren der Bergsteigerzunft. Vögele zollt ihnen höchsten Respekt. „Ihre damaligen Leistungen sind mit heutigen Rekorden nicht zu vergleichen“, betont er.

Umso mehr trifft es ihn, wenn heute mancherorts der Respekt zu fehlen scheint. „Unsere Vereinsarbeit dient seit jeher dem Wohl der Allgemeinheit. Weit mehr Menschen als wir Mitglieder haben, nutzen die Wege, Markierungen und Hütten, die wir gebaut haben“, führt er aus. Bis zu 30 000 Besucher kämen jährlich allein auf die Hochries, etwa ein Drittel mit der Hochriesbahn, so Vögele. Die meisten Besucher würden die Vereinsarbeit als selbstverständlich annehmen, aber manche würden im Schutz der Anonymität auch Front machen gegen die Verantwortlichen. „Wir erwarten ja keine großen Lobeshymnen, aber Respekt wäre doch das Mindeste“, stellt er klar.

Mehrere Ehrennadeln und Ehrenzeichen hat Vögele im Laufe der Jahre als Würdigung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit erhalten. Auch der Verdienstorden der Bundesrepublik war darunter.

Für die nähere Zukunft ist der Kassier auf der Suche nach einem Nachfolger in seinem Ehrenamt. Vereinsführung und die Kasse sollen in der Sektion Rosenheim im kommenden Jahr übergeben werden. „Es geht auch ohne mich weiter, davon bin ich überzeugt“, glaubt Vögele, und den Weg dafür bereitet er – kameradschaftlich wie beim Bergsteigen – mit großer Umsicht und verlässlicher Sicherung vor.



Auch eine umfassende Chronik
über die DAV-Geschichte
hat Vögele verfasst.

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Weiterführende Links:

DAV Sektion Rosenheim
Das Hochriesbuch