16.10.16: Mangfallgebirge: Einsame Herbststimmung auf dem Platteneck (1)

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Offline geroldh

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    • climbing Chulu Far East (6059m), Annapurna Himalaya, Nepal (Okt.2007)
Die Rast bzw. das Sonnenbad an der Plattenalm war ausgiebig(st) – einfach ein Traumtag! #sonne6# Wir hatten uns eine Rundtour überlegt, die uns nun auf dem Geländerücken zum westlich gelegenen Reitstein führte. Möglicherweise könnte es mal eine historische Verbindung Plattenalm - Reitbergalm gegeben haben, aber wir hatten nicht explizit danach gesucht – heute dürfte der ausgeschnittene Grenzverlauf Bayern-Tirol den üblichen Übergang darstellen, jedenfalls gibt es von Grenzstein zu Grenzstein zum Teil deutliche Pfadspuren. Am Reitstein angekommen fanden wir ein kleines Gipfelkreuz vor und eine phantastische Aussicht: Vom Kaisergebirge über die Hohen Tauern bis ins Wettersteingebirge, der Nordabbruch der Zugspitze war deutlich zu erkennen. Ein Stückchen nach Norden gewandert, hatten wir die Wahl: Links oder rechts, Sonne oder Schatten. Wir schafften es ohne Hölzchenziehen und wählten die sonnig-warme „Westumgehung“ um’s Stacheleck, um bald darauf zur Bodigbergalm zu gelangen.

Dort gab es erfrischendes „Kein Trinkwasser“ aus dem Brunnen und für uns eine kurze Orientierungsphase. Auf einen Abstieg auf der wenig attraktiven Alm-/Forststrasse hinab zur Trifthütte hatten wir keine Lust, hier wollten wir den historischen Almsteig begehen, der etwas östlich von der Alm vom Fahrweg abzweigt. Im oberen Bereich konnten wir ihn noch recht gut im Gelände erkennen, und offenbar wird er auch öfter noch benutzt, aber im mittleren Bereich, in dem sich einige alte eingewachsene Waldwirtschaftswege treffen, wurde er ziemlich unsichtbar. Einerseits wurde der alte Sennerweg von diesen in kurzen Abschnitten übernommen, andererseits wurde damals auch zu wenig im Gelände gegraben, denn alte Wegkanten bleiben doch lange erhalten. Im unteren Bereich hatte der historische Verlauf schließlich einen deutlicheren Hohlwegcharakter, wie er früher für die winterliche Waldwirtschaft mit dem Schlitten typisch war. Aus Wanderersicht ist es schade, dass dieser „Abseits-Aufwärts-Steig“ zunehmend verfällt, aber für eine Erhaltung gibt es anscheinend keinen Grund mehr, seitdem Förster und Jäger auf vier Rädern zur Diensthütte an der Bodigbergalm fahren können. Doch eine häufigere Begehung durch Interessierte würde sicher helfen...

Bild 6: freies Wandern auf dem Grenzstreifen...
Bild 7: ...zwischen „B“ayern und „T“irol
Bild 8: Blick vom Reitstein auf Großglockner und Großvenediger
Bild 9: Bodigbergalm vor Roß- und Buchstein
Bild 10: Beschaulichkeit an der Bodigbergalm

Offline geroldh

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Durch einen Tipp von almrausch und anschließender Information, u.a. hier in der roBerge-Datenbank, hatten wir uns eine stille Tour für den „goldenen Oktober“ #sonne6# vorgenommen: Den „Totengrabensteig“ mit „Urwaldrelikt“ im unzugänglicheren Bereich des Mangfallgebirges.

Nachdem wir zuerst auf dem falschen Touri-Wander-Parkplatz gestanden sind, hatten wir uns an der Trift-Hütt’n vorbei, anfangs auf einer Forststrasse in südlicher Richtung, warmgelaufen. An einer ausgeprägten Rechtskehre zweigt von dieser der kleine Pfad ab und folgt leicht ansteigend dem kleinen Talverlauf weiter „gen Südpol“. Sehr bald wurde zunehmend Konzentration und Trittsicherheit gefordert, denn der tw. ausgesetzte Steig führt durch steile Grasflanken hindurch hoch über den tiefen Totengraben hinweg. Im Bereich einer alten verfallenen Triftklause wurde auch noch gutes Orientierungsvermögen gefragt, denn hier mußte in den Hauptgraben abgestiegen und für den Weiterweg die östliche Richtung gefunden werden. So spannend es auch ist, hier unterwegs zu sein, so anspruchsvoll ist auch das Gelände: Wer hier z.B. mit Turnschuhen und/oder als „Steiganfänger“ unterwegs ist, der findet reichlich Möglichkeiten, auf dem ggfs. taunassen Gras auszurutschen und eine spannende Reise hinab in den Totengraben anzutreten...

Der kleine Steig führt bald einige kleinere Gräben kreuzend in Kehren aufwärts und mündet in einen Waldbereich, in dem die „do bin i dahoam-Bäume“ der ansässigen Waldkäuze „Hausnummern“ haben – das „Urwaldrelikt“ ist erreicht. Hier auf diesem nordseitigen Geländeabsatz dürfen die Bäume so alt werden wie sie können – und dann auch langsam zerfallen. Für jemanden, der öfters die „Klapperl-Autobahnen“ verlässt und auf abgelegenen Steigen unterwegs ist, ist dieser Anblick nicht wirklich neu, aber hier steht der Baumzyklus offenbar unter besonderer Beobachtung (Aufsatz.pdf 1,3 MB). Wir hielten uns nicht allzulange auf und erreichten bald den höchsten Punkt des Steiges, an dem wir diesen verließen, um „weglos“ auf einem breiten Geländerücken zum Platteneck aufzusteigen – je höher wir kamen, desto mehr konzentrierten sich die Möglichkeiten und es war zunehmend ein kleines Steigerl im Gras erkennbar. Als wir das freie Gelände erreichten und zur Plattenalm wanderten, lag er vor uns, der silbrig-reflektierende Achensee mit seinen einrahmenden Bergen, dahinter der „überzuckerte“ Alpenhauptkamm – und darüber wölbte sich ein makelloser tiefblauer Sonntagshimmel.

(Fortsetzung folgt)

Bild 1: Goldener Oktober im Totengraben
Bild 2: Das Vegetationsjahr geht zu Ende...
Bild 3: Totholz im „Urwaldrelikt“
Bild 4: Es ist „nur“ der Leonhardstein ;-)
Bild 5: Plattenalm vor Guffert und Achensee