Das Vorwort des Autors:
„Es ist nicht leicht, die Sprache, die die Pflanzen sprechen zu erlernen und zu verstehen. In der Studierstube bringt man es bestenfalls zum Buchstabieren. Zum Lesen und zum Verstehen kommt man nur in der freien Natur“ wusste schon der große Botaniker Anton von Kerner. Friedrich Freiherr von Humboldt drückte es etwas anders aus: „Die Natur muss gefühlt werden, wer sie nur sieht, kann Pflanzen und Tiere einteilen, er wird die Natur zu beschreiben wissen, ihr aber selbst ewig fremd bleiben.“ Und es war wohl genau dieses Gefühl, dass uns schon seit Kindesbeinen an bewog, die heimatliche Natur zu erkunden. Anfänglich mit dem Fahrrad, dann mit dem Mofa, dem Motorrad und jetzt, schon etwas bequemer geworden, mit dem Auto. Fast jedes Wochenende unternahmen unsere Eltern eine Wanderung und wir vier Kinder waren natürlich immer vorne dabei. Sie zeigten uns die herrlichsten Gegenden der niederösterreichischen Heimat mit ihren Blumen, Tieren und Steinen, wenngleich der richtige Name dazu meistens fehlte.
Und so haben wir im Laufe der letzten 35 Jahre Hunderte Berge und Gebiete durchwandert, um die Schätze und Kleinodien der Heimat vor das Auge zu bekommen. Manche Gebiete haben sich dabei als wahre Fundgruben für Orchideen und andere Blumen herausgestellt, bei anderen wieder blieb das Diktiergerät und der Fotoapparat meist in der Tasche. Und nachdem nicht jeder die Zeit und die Lust hat, alle möglichen Berge abzusuchen, um irgendwann auf prächtige Orchideen zu stoßen, will ich die ergiebigsten 30 Wanderungen in diesem Buch vorstellen. Die Natur verzaubert alle weltoffenen Menschen und es ist beinahe Meditation, die Orchideen kniend, auf den Augenblick der Windstille und des Sonnenstrahls wartend, abzulichten. Das unwillkürliche Verweilen und Staunen, der süße Duft der Orchideen, das Farbenspiel von Blumen, Tieren und Steinen mit dunklem Wald oder blauem Himmel als Hintergrund entführt in eine Welt voller Poesie. Die Sorgen verschwinden, die Wunder der Natur umhüllen uns sanft und die Seele lacht innerlich in der Freude, all diese Wunder schauen zu dürfen. Es ist natürlich auch ein bisschen Glück dabei, in einem so schönen Land wie Österreich leben zu dürfen. Dieses Glück bedeutet aber auch die Pflicht, sich für den Erhalt und Schutz dieser Naturschätze einzusetzen.
NATURSCHUTZ
Bei fast allen in diesem Buch vorgestellten Pflanzen handelt es sich um seltene Arten, die als gefährdet eingestuft sind und die unseres Schutzes bedürfen. 1,2 % der ehemals heimischen Farn- und Blütenpflanzen sind in Österreich bereits ausgestorben, 33,4 % sind im gesamtösterreichischen Maßstab aktuell gefährdet, weitere 26,3 % sind regional oder potenziell gefährdet. Greift man nun aus diesen statistischen Zahlen die Orchideen heraus, sieht es noch dramatischer aus. Geschützt wird aber nur, was man kennt, und so ist es wichtig, dass so viele Menschen wie möglich davon wissen. Niemand wird dagegen aufstehen, wenn eine Orchideensumpfwiese zum Zwecke einer Hybridpappel-Aufforstung umgepflügt werden soll, wenn keiner weiß, dass in dieser Wiese so viele Kostbarkeiten ein Zuhause haben. Völlig antiquiert ist die Einstellung, Naturschutz durch Geheimhaltung zu betreiben. Eine Düngung der Magerwiese aus Unwissenheit, eine Umwandlung des Buchen-Mischwaldes in einen Fichtenforst, die Nutzungsaufgabe einer Weide und alle Pracht gehört der Vergangenheit an. Je mehr Menschen um diese Schätze wissen, desto mehr werden sich dafür einsetzen. Wer eine Sumpf-Ständelwurz, einen Augentrost oder eine Korallenwurz aus der Nähe betrachtet, sieht die Würde dieser Pflanzen in angebrachter Demut. Der Respekt vor der Natur gräbt sich so tief ein, dass man noch viel umsichtiger durch Wiesen und Wälder streift und dass die Notwendigkeit des Umweltschutzes noch augenscheinlicher wird. Oder anders ausgedrückt: Je größer ein Mensch ist, desto mehr neigt er dazu, sich vor einer Blume niederzuknien. Heute gehen viele Menschen mit uns, wenn wir zu Kräuterwanderungen, Alpenblumenwanderungen oder Orchideenwanderungen rufen, und es ist schön zu sehen, wie viele naturbegeisterte Menschen es gibt.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Orchideenfreunde, viel Freude beim Entdecken der botanischen Kostbarkeiten!
Vorarlberg – Lechquellengebirge: Das Purpur-Waldvöglein im Gadental
Nordtirol – Karwendel: Die Fliegen-Ragwurz auf dem Pleisen
Südtirol – Zillertaler Alpen: Das Weißzüngel am Hühnerspiel.
Salzburg – Pinzgau: Die Fleisch-Fingerwurz in Hollersbach
Kärnten – Nockberge: Die Duft-Händelwurz der Heiligenbachalm
Kärnten – Sattnitzzug: Schmalblatt-Waldvöglein am Kathreinkogel
Überblick über heimische Enziane:
Kärnten – Karawanken: ×Turnowsky-Händelröschen am Hochobir
Kärnten – Steiner Alpen: Die Rot-Ständelwurz der Vellacher Kotschna
Oberösterreich – Totes Gebirge: Die Mücken-Händelwurz in den Urwäldern des Brunnentals
Steiermark – Schladminger Tauern: Breitblatt-Fingerwurz auf der Ursprungalm
Steiermark – Totes Gebirge: Erzherzog-Johann-Kohlröschen am Traweng.
Steiermark – Nördliche Kalkalpen: Das Herz-Zweiblatt am Grimming.
Steiermark – Ennstal: Die Sumpf-Ständelwurz im Wörschacher Moor
Steiermark – Göstlinger Alpen: Das Netzblatt im Holzäpfeltal.
Steiermark – Hochschwab: Das Zwerg-Kohlröschen am Weg zum Hochturm
Steiermark – Hochschwab: Der Widerbart am Weg zur Sonnschienalm .
Steiermark – Hochschwab: Der Frauenschuh in der Karlschütt
Steiermark – Koralpe: Das Steineralpen-Kohlröschen im Seekar
Steiermark – Grazer Bergland: Die Korallenwurz am Hochlantsch
Steiermark – Grazer Bergland: Die Prächtigen Manns-Knabenkräuter der Ochsenhalt
Niederösterreich – Mürzsteger Alpen: Die Kamm-Hundswurz am Gippel.
Überblick über heimische Primeln:
Niederösterreich – Gutensteiner Alpen: Die Holunder-Fingerwurz auf der Reisalpe: Niederösterreich – Gutensteiner Alpen: Das Bleich-Knabenkraut am Unterberg: Niederösterreich – Thermenlinie: Das Helm-Knabenkraut der Hohen Wand:
Niederösterreich – Steinfeld: Die Müller-Ständelwurz bei St. Egyden im Steinfeld.
Überblick über heimische Läusekräuter
Niederösterreich – Wienerwald: Die Klein-Hundswurz im Naturpark Sparbach
Überblick über heimischen Steinbreche.
Niederösterreich/Wien – Bisamberg: Die Adria-Riemenzunge am Bisamberg.
Wien – Lobau: Der Brand-Keuschständel am Fuchshäufel
Burgenland – Seewinkel: Die Wanzen-Hundswurz bei Illmitz