und das Wettersteingebirge
Mit knapp 3000 Metern Höhe ist die Zugspitze Deutschlands höchster Berg. Wahrscheinlich übte sie allein deshalb schon immer eine unglaubliche Anziehungskraft auf Bergsteiger aus Nah und Fern aus. Während sich die frühen Pioniere noch unter abenteuerlichen Bedingungen auf den Berg plagten, können wir heute den Berg problemlos in 15 Minuten mit der Seilbahn bezwingen. Für viele Bergsteiger hat die Zugspitze durch ihre Verbauung an Reiz verloren. Drängen sich doch an schönen Tagen mehr als 5000 Tagesgäste auf dem Gipfel und den Zugspitzplatt. Trotzdem ist es für viele ein Muss einmal im Leben auf dem Gipfel der Zugspitze zu stehen und den Blick bis zu 180 km in alle Richtungen schweifen zu lassen. Wer es weniger laut und hektisch mag, der kann sich auf in die umliegenden Berge des Wettersteingebirges machen, kann auf den einsamen Wegen im Puittal wandern oder die Naturschauspiele in der Partnachklamm und der Höllentalklamm bewundern.
Das Buch ist nicht nur ein weiteres Projekt des Fotografen, sondern eine Liebeserklärung an einen Berg und sein Gebirge. Die Bilder entstanden in einem Zeitraum von über 8 Jahren. Mehrere hundert Tage verbrachte der Fotograf im Wettersteingebirge oder seinen umliegenden Bergen, um seinen persönlichen Blick auf Deutschlands Höchsten mit seiner Kamera festzuhalten.
Die Zugspitze – kein Berg wie jeder andere
Der Gipfel des Wahnsinns – das Münchner Haus und mehr
Übers Wetter und das Klima
»Zugspitzland« – rund um das Wettersteingebirge
Hinein ins Wetterstein
Das Wetterstein im Wechselspiel der Jahreszeiten
Vorwort
Was ist Heimat? Für viele der Ort, an dem Freunde, Familie und Bekannte wohnen. Das mag stimmen, doch mir ist dieser Heimatbegriff zu eng gefasst. Für mich zählen zur Definition von Heimat auch Landschaften, Gebäude, Gerüche …!
Ich bin in München geboren, lebe dort und liebe diese Stadt. Hier lebt meine Familie, hier leben meine Freunde, hier kenne ich mich aus. Das gibt mir Sicherheit – und das ist wahrscheinlich der Sinn und Zweck von Heimat. Warum fahre ich aber nach langen Reisen zuallererst auf die A 95 Richtung Garmisch, um endlich »meinen Hausberg«, die Zugspitze, wiederzusehen? Erst in dem Moment, in dem »er« auf Höhe von Seeshaupt das erste Mal ins Blickfeld kommt, fühle ich mich richtig zu Hause.
Die Zugspitze, dieser Koloss am Alpenrand, ist für mich zur zweiten Heimat geworden. Der Blick über den Starnberger See bei St. Heinrich auf das Bergmassiv vermittelt mir ein Gefühl von Geborgenheit. Dieser Berg und sein Gebirge sind für mich etwas ganz Besonderes – eine Art zweite Heimat.
Wobei ich zugeben muss, dass ich erst vor knapp zehn Jahren das erste Mal ganz oben war. Meine Kindheit verbrachte ich – typisch Münchner – eher in den Tegernseer Bergen, auf dem Wallberg, dem Setzberg oder dem Ross- und Buchstein. Auch während meiner Jugend ging ich eher auf die »Beniwand« (Benediktenwand) oder den Jochberg. Die Menschenmassen auf dem Dach Bayerns und Deutschlands haben mich immer abgeschreckt. Als ich mich dann an einem eiskalten Wintertag doch mal hochwagte – natürlich schön gemütlich mit der Eibseeseilbahn – wurde ich geradezu erschlagen von dieser Sicht, der Kälte, der Klarheit der Luft. Seitdem war ich sicherlich weitere dreißig Mal auf dem Gipfel, meist im Winter, wenn ein bisschen weniger los ist. Ich beschloss damals, dieses Gebirge näher zu erkunden. Heute führen meine Lieblingsbergtouren nicht mehr auf die Berge des Mangfallgebirges, sondern hinein ins Wetterstein. Zur Meilerhütte, von Ehrwald durchs Gatterl über die Knorrhütte auf die Zugspitze, durch die Partnachklamm ins Reintal, auf die »stille« Gehernspitze über dem Leutaschtal … weg vom Trubel des Gipfels – ja, auch das gibt es am Zugspitzmassiv und im Wetterstein.
Ein Buch über diese mir so ans Herz gewachsene Berglandschaft zu fotografieren, ist für mich ein großes Glück, aber auch eine enorme Herausforderung. Will man sein Lieblingsgebirge doch von seiner schönsten Seite zeigen.
Ich erhebe mit meinen Bildern keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie zeigen das, was ich in den letzten knapp fünf Jahren am und um den Berg mit meiner Kamera erlebt und gesehen habe.
Nach einer langen Reise in den hohen Norden der Welt war ich kurz nach meiner Heimkehr wieder im Wetterstein unterwegs. Meine Lieblingstour führte mich von der Ehrwalder Alm Richtung Gatterl und von dort Richtung Steinernes Hüttl. Irgendwo auf halbem Weg schlug ich mein Nachtlager auf – Isomatte und Schlafsack genügten. Aus einiger Entfernung beobachtete ich vier junge Gämsen, die über ein Altschneefeld tobten. Ich legte mich in meinen Schlafsack, im Süden über mir die Milchstraße, im Norden die Lichter der Zugspitzgipfelstation … absolute Ruhe … endlich war ich daheim angekommen!
Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, viel Spaß mit dem Buch!
Bernd Römmelt